Kirchenkabarett vor 300 Zuschauern Luther hat nur Schmiere gestanden: Sabine Henke begeistert in Melle

In ihrer Rolle als fesche Bayerin wird Kabarettistin Sabine Henke in das "Kompetenzteam Ilse Aigner" berufen, berichtete sie in Melle. Foto: Klaus FrühaufIn ihrer Rolle als fesche Bayerin wird Kabarettistin Sabine Henke in das "Kompetenzteam Ilse Aigner" berufen, berichtete sie in Melle. Foto: Klaus Frühauf
Klaus Frühauf

Melle. Endlich kommt alles ans Licht. Martin Luther hat die 95 Thesen gar nicht selbst an die Kirchentür genagelt, sondern Katharina von Bora. Der große Reformator hat nur Schmiere gestanden. Aufgedeckt hat die historische Lüge Kabarettistin Sabine Henke, die den KFD-Frauen in St. Matthäus die Wahrheit nicht vorenthielt.

"Nix für Feiglinge“ war der Kabarettabend überschrieben, zu dem die KFD der Matthäusgemeinde ins Forum geladen hatte. Und die Vorfreude der fast 300 Besucher hatte sich gelohnt. 

Sabine Henke als Katharina von Bora und spätere Gemahlin des Reformators plauderte als Käthe Luther ungeniert aus dem Nähkästchen. Sie habe doch die 95 Thesen angenagelt.  Martin – handwerklich völlig unbegabt – habe bei der Aktion lediglich „den Überblick behalten“, sprich Schmiere gestanden, berichtete die werte Gattin. Die starke Frau hinter Luther wurde in erster Linie als handelnde und gestaltende Frau dargestellt.

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Die evangelische Küsterin Friede Finkeldey, Leiterin des Handarbeitskreises „Kreuzstich“ und Mitglied der Gemeindegruppe 70+, konnte freilich nur tatenlos zuschauen, als ihre Kirche wegen Besuchermangels abgerissen wurde. Aber als Frau hilft man sich: Nach einem Besuch in der benachbarten katholischen Kirche gab es viel Lob für die „Mimis“ (Mitarbeiter mit Migrationshintergrund) und deren lebendigen Gottesdienste.

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Gekonnt verwob Sabine Henke Bekanntes mit ihren Pointen und brachte das Publikum immer wieder zum Lachen. So ist ja bekanntlich das Glas für einen Optimisten stets halbvoll und für einen Pessimisten halbleer. Der Realist indes frage sich, wer das Glas anschließend abspült. 

Sabine Henke, die lange Jahre als Gemeindepädagogin in der evangelischen Kirche gearbeitet und Ehrenamtliche ausgebildet hat, brillierte mit Wortwitz, ausgefeilten Texten und darstellerischer Wandlungsfähigkeit und nahm dabei aktuelle Themen und die Kirche stets niveauvoll aufs Korn.

Als Nachrichtensprecherin des Radiosenders „Ecclesia“ beendete sie den Abend. Unter dem Motto „Nichts sehen, wenig hören und ganz viel glauben“ verlas sie Meldungen wie jene vom Saunabesuch des Papstes und  hatte mit „Wir sind nur Gast auf Erden“ auch einen aktuellen Musiktipp für die nächste Autofahrt ab Tempo 150.  

Das Publikum dankte ihr für das vielfältige Programm mit langanhaltendem Applaus.

Zuvor hatte die kommissarische Vorsitzende der KFD, Margit Staab, in ihrer Begrüßung mit dringlichen Anmahnungen an die Entscheidungsträger in der Amtskirche dazu aufgerufen, sich stark zu machen für eine geschlechtergerechte Kirche, ökumenisch zu handeln und zu lernen, auch mit Frauen anderer Religionen zu beten.

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