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170 Meter langes Bauwerk Sondermühlen: Eine sanierte Mauer rundet das Ensemble ab

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Das ehemalige Herrenhaus gibt es nicht mehr, aber die wunderschöne Naturstein-Mauer wurde gerettet und saniert. Darüber freuten sich gestern Frank Finkmann (links) Sabine Freifrau von Richthofen und Michael Heinrich Schormann. Foto: FrankenDas ehemalige Herrenhaus gibt es nicht mehr, aber die wunderschöne Naturstein-Mauer wurde gerettet und saniert. Darüber freuten sich gestern Frank Finkmann (links) Sabine Freifrau von Richthofen und Michael Heinrich Schormann. Foto: Franken

Melle. Sie ist 170 Meter lang, fast drei Meter dick, 1,50 Meter hoch, uralt und strahlt doch wieder in neuem Glanz: Die Naturstein-Außenmauer des Innenhofes am Gut Sondermühlen. 140000 Euro ließen sich das Ehepaar Sabine und Karl-Friedrich von Richthofen als Eigentümer des Gutes die Sanierung der Mauer kosten, 20000 Euro steuerte die Niedersächsische Sparkassenstiftung bei.

„Wir fördern ein Denkmal, nicht die Bewohner oder Eigentümer“, betonte gestern Michael Heinrich Schormann als stellvertretender Geschäftsführer der Stiftung. Er nahm gestern gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden der Meller Sparkasse, Frank Finkmann, das grundsanierte Mauerwerk in Augenschein. Es war Schormann ein Anliegen, mit dem weitverbreiteten Vorurteil aufzuräumen, Stiftungsgelder flössen ohnehin meist wohlhabenden Eigentümern von Denkmalen zu. „Es geht bei der Mittelvergabe gar nicht darum, wer die Eigentümer sind und ob sie arm oder reich sind, sondern unabhängig davon steht bei uns immer dasDenkmal selbst im Mittelpunkt einer Förderung“, betonte der Gast aus Hannover.

Es gelte, jedes Denkmal im Interesse der Allgemeinheit zu bewahren. Nicht zuletzt deswegen lege der Staat dessen Eigentümern auch die Pflicht zur Unterhaltung auf. Das könne teuer werden. Als Beispiel nannte Schormann das Dach eines denkmalgeschützten Bauwerks. Würde es sich um ein normales Haus handeln, könne der Besitzer das Dach mit handelsüblichen Ziegeln decken lassen. Nicht so bei einem denkmalgeschützten Gebäude: „Wenn hier Schieferziegel drauf waren, müssen auch wieder die wesentlich teureren Schieferziegel verwendet werden“. Das sei nur ein Beispiel von vielen. Unter dem Strich gelte: „Denkmalpflege bedeutet erheblichen Mehraufwand für den Eigentümer, und da wollen wir als Stiftung unterstützend fördern.“

Sabine von Richthofen freute sich über das Engagement der Stiftung. Sie verwies während eines Rundgangs auf die dreimonatigen Renovierungsarbeiten an der Bruchstein-Mauer durch ein Spezialunternehmen. Einen Teil der Mauer hatten die von Richthofens schon vorher sanieren lassen. „Das war ein sehr romantischer Winkel, denn dort hatten große Fliederbüsche die poröse Mauer überwuchert“. Deren Wurzeln aber gaben dem Bauwerk auch den Rest. Das Gleiche galt für den langen Mittelteil der teilweise schon in sich zusammengebrochenen Mauer. Dort hatte sich Efeu mit unterarmdicken Wurzeln breit gemacht.

Karl-Friedrich Frhr. von Richthofen erinnerte gestern an die wechselvolle Geschichte der historischen Anlage Sondermühlen. Das Gut, 1350 erstmals erwähnt, gab dem Dorf im Südwesten Melles den Namen. Im Tal des Violenbachs entwickelte sich eine ansehnliche Wasserburg mit Torhaus, Herrenhaus, Kapelle, Burggraben, Teichen und Mühlen. Seit 1802, als die Anlagen durch die Säkularisation hannoversche Staatsdomäne geworden waren, begann der allmähliche Verfall. „Hannover war weit weg“, sagte von Richthofen.

1841/42 wurde das zweiflügelige Herrenhaus abgerissen. Auch die Restburg siechte dahin und inspirierte Maler und Dichter wie Arnold Bredemeyer, Ludwig Bäte und Wilhelm Fredemann. Das Land Niedersachsen verkaufte 1962 an Privatleute, die die Anlage 1972 an Clemens Graf von Platen-Hallermund veräußerten. Deren Tochter Sabine Freifrau von Richthofen hat in den vergangenen 40 Jahren die gesamte Anlage abschnittsweise saniert, zuletzt die Mauer.


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