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Alte Systeme haben ausgedient 2800 Kläranlagen im Raum Melle werden überprüft

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Melle. Viele Besitzer von hauseigenen Kläranlagen befürchten, bald zu erheblichen Investitionen gezwungen zu werden. Denn der Landkreis Osnabrück will ab 2013 alle 2800 privaten Kläranlagen in der Flächenstadt Melle überprüfen. Das kündigte bei einem Gespräch im Meller Tiefbauamt Jochen Waskow an, der beim Landkreis-Fachdienst Umwelt für Abwasserfragen zuständig ist.

Nach Einschätzung des Meller Tiefbauamtsleiters Thomas Große-Johannböcke müssen 2200 Betreiber von privaten Kleinklärwerken damit rechnen, dass ihre Anlagen nicht den heutigen gesetzlichen Anforderungen entsprechen. Das bedeutet, dass die Eigentümer massenweise komplette Erneuerungen, große und kleine Sanierungen vornehmen müssen. Bis zu 7000 Euro kann die Erneuerung einer kleinen Kläranlage kosten.

Einige Eigentümer haben aber in den vergangenen ein bis vier Jahren mit etwas geringeren Kosten ihre Kleinkläranlagen (KKA) modernisiert, da Bausubstanz, Größe und Zustand eine Weiternutzung von Teilen alter Dreikammersysteme zuließen. So kam Karl-Heinz Kolzem vor drei Jahren mit Nachrüstungen aus, zu denen vor allem eine elektrisch gesteuerte Aufbereitung des Überlaufwassers gehört. Der Krukumer ist von den Umweltvorteilen seiner erneuerten Anlage überzeugt. Er weist aber auch auf die hohen Wartungskosten von halbjährlich 60 bis 70 Euro hin, die künftig auf alle Eigentümer zukommen.

Was viele an die Kanalisation angeschlossene Städter nicht wissen: Bei Hauskläranlagen wird der sich in der ersten Kammer absetzende zähflüssige Fäkalschlamm in regelmäßigen Abständen (oft alle zwei Jahre) abgepumpt und mit Tankwagen in die städtische Kläranlage gefahren. Die dünnflüssigen Abwässer werden in der zweiten und dritten Kammer vorgereinigt und fließen danach ständig in Gräben oder Bäche oder versickern im Erdreich. Dieses Überlaufwasser aus den privaten Haushalten soll möglichst umweltverträglich in die öffentlichen Gewässer eingeleitet werden – der Erhalt der allgemeinen Gewässerqualität ist das Ziel der neuen Regelungen für die Kleinkläranlagen.

Im nächsten Jahr soll das flächendeckende Erneuern der Kleinkläranlagen im Grönegau mit der ersten Informationsveranstaltung starten. In einem drei- bis vierjährigen Prozess werden die 2200 Eigentümer angeschrieben, die nach Aktenlage umrüsten müssen. Gemauerte Mehrkammer-Gruben zur Vorreinigung des Abwassers reichen im Sinne der neuen Abwasserverordnung nicht mehr aus. Bei unklarer Sachlage überprüfen Landkreismitarbeiter die Anlagen vor Ort. Dabei werden der bauliche Zustand und die dazugehörige Gewässernutzung untersucht. Waskow: „Liegt keine Gewässerverunreinigung vor, wird dem Betreiber ein Zeitraum von einem Jahr für die Sanierung gewährt.“ Mit dem Neubau oder einer wesentlichen Änderung ihrer KKA sollten die Bauherren erst nach der wasserbehördlichen Erlaubnis beginnen. Nur so könnten behördliche Hinweise vor den Arbeiten berücksichtigt werden, um später unnötigen Ärger und teure Nachbesserungen zu vermeiden, erklärte der Mitarbeiter des Fachdienstes Umwelt.

Der Landkreis empfiehlt, bei baulichen Maßnahmen einen qualifizierten Fachbetrieb zu beauftragen. Relativ neue Anlagen haben Bestandsschutz für 15 Jahre nach Fertigstellung. „In einigen Fällen könnte der Anschluss von Wohnhäusern an das Kanalnetz für die Betroffenen in finanzieller Hinsicht vorteilhaft sein“, meinte Thomas Große-Johannböcke.


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