Von Damaskus nach Melle Junge Frau aus Syrien erzählt Meller Landfrauen ihre Geschichte

Gäste aus Syrien erzählen ihre Geschichte bei den Landfrauen in Riemsloh-Hoyel: Kholoud Allaham, Lydia Buermann, Yasmin Sweid und Nagham Sweid. Foto: Elisabeth KollmeyerGäste aus Syrien erzählen ihre Geschichte bei den Landfrauen in Riemsloh-Hoyel: Kholoud Allaham, Lydia Buermann, Yasmin Sweid und Nagham Sweid. Foto: Elisabeth Kollmeyer
Elisabeth Kollmeyer

Riemsloh. Es war ein interessanter Nachmittag für die Landfrauen Riemsloh-Hoyel wie auch für die syrischen Gäste: Während der jüngsten Zusammenkunft der Landfrauen berichtete Yasmin Swei, eine junge Frau aus Syrien, von ihrem Weg nach Deutschland und aus ihren Leben.

Über Lydia Buermann, die mit der Familie von Jasmin Sweid aus Syrien befreundet ist , wurden die Landfrauen Riemsloh-Hoyel auf die junge Frau und auf deren Familie aufmerksam. Etwa seit einem Jahr lebt die Syrerin mit der Familie nun in Deutschland. 

Ihre Heimat in der Nähe von Damaskus erlebte sie als einen Ort mit vielen Religionen, vor allem aber mit Muslimen, zu denen auch Yasmins Familie gehört. Sie grüßen einander mit den Worten „Friede sei mit dir“, übersetzt. Wichtig sind den Syrern ihre Familien und besonders die Kinder, erzählte die Referentin. 

Neun Jahre Schulpflicht

Ähnlich wie in Deutschland gibt es neun Jahre Schulpflicht. Dies beinhaltet aber keinen Kunst- oder Sportunterricht.

Als es im Jahr 2011 in ihrem Heimatort zu militärischen Auseinandersetzungen gekommen ist, hatten sie Angst. Während die Mutter mit den Kindern zur Großmutter in andere Stadt zog, wo es noch friedlich war, reiste der Vater über die Türkei auf dem Seeweg nach Deutschland. Im Rahmen der Familienzusammenführung durften auch Mutter und Kinder in Deutschland einreisen.

Yasmin, die in Deutschland angekommen war, bewundert die Natur. Ihr fällt die Freundlichkeit der Menschen auf. Erstaunt ist sie über die Fragen der Mitschüler, die annehmen, dass sie in Syrien keine Lebensqualität gehabt hätten, kein Fernsehen kennen und auch keinen Computer.

Ehrgeiziges Ziel vor Augen

Inzwischen besucht sie die zehnte Klasse der IGS in Melle. In diesem Jahr hat sie bereits sehr gut Deutsch gelernt und ein ehrgeiziges Ziel vor Augen. Auf jeden Fall möchte sie Abitur machen und anschließend Medizin studieren. Yasmin ist dankbar für die Hilfe, die sie erfahren hat, gibt aber zu bedenken, dass sie noch lange braucht, um in ihrer neuen Sprache perfekt zu sein. Kontakte zu deutschen Mitschülern und Familien sind sehr wenig.

Jasmin und ihre Familie sind froh, dass ihnen eine Nachbarin Sprachkurse empfohlen hat. Sie greifen bei den Erwachsenen allerdings nicht so schnell, da innerhalb der Familie kein Deutsch gesprochen wird, während die Kinder in der Schule die Sprache leichter lernen. 

Anspruchsvolle Sprachtests

Yasmins Mutter betont, dass viele Worte in ihrem Kopf sind, aber sie fügen sich nicht so schnell zu Sätzen zusammen. Die Deutschen würden sehr schnell sprechen, und sie weicht darum gerne auf die englische Sprache aus, berichtete sie. Eine weitere Schwierigkeit seien die anspruchsvollen Sprachtests.

In der anschließenden Diskussion überlegen die Landfrauen, ob Praktika eine Möglichkeit seien, besser Deutsch zu lernen, um damit die Integration zu fördern.

Yasmin schrieb ins Gästebuch der Landfrauen in arabisch- syrischer Sprache: „Danke, dass wir eingeladen sind und Sie unsere Geschichte hören möchten.“ 


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