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Anwohner besorgt um altes Haus Gerüchteküche um Abriss

Von Conny Rutsch

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Melle. Es geht den Steinen wie den Menschen: Sie werden älter. Unkenntnis über alte Gemäuer kocht gerne auch Gerüchte. Und so eines kursiert aktuell in der Oldendorfer Straße zwischen der Bahnhofskreuzung und dem Automuseum. Eine Villa soll angeblich abgerissen werden.

Anwohner sind daher besorgt um das alte herrschaftliche Haus. Außerdem befürchten sie, möglicherweise schon bald einen modernen Neubau aus dem Wohnzimmerfenster beäugen zu müssen oder gar eine Industriefläche als neue Nachbarin zu erhalten.

Das Meller Kreisblatt ging den Hinweisen aus der Nachbarschaft nach und versuchte, klare Antworten zu erhalten.

Konkret geht es um die beiden früheren Unternehmer-Villen mit den Hausnummern 17 und 19. Die eine ein bewohntes altes Haus, das dicht mit dunkelgrünen Ranken umwoben ist. Die andere Villa wirkt schon von Weitem verlassen und bei aufmerksamem Blick auch reparaturbedürftig.

Beide gehören der Firma Melos. Deren Pressesprecher Thomas Kubitza erklärte auf Anfrage: „Die Villa mit der Hausnummer 19 ist unbewohnt und baufällig. Und sie steht unter Denkmalschutz.“ Für die Nachbarn interessant ist sein dann folgender Satz: „Abgerissen soll sie aber nicht werden.“ Der Sprecher verwies allerdings gleichzeitig darauf, dass eine Renovierung des historischen Gebäudes unter den Auflagen des Denkmalschutzes sehr aufwendig und entsprechend teuer sein würde.

Was heißt aber nun Denkmalschutz?

Die entsprechenden Gesetze sollen Kulturdenkmale davor schützen, in Teilen zerstört oder in Gänze abgerissen zu werden.

Das Denkmalrecht gibt daher auch die Regeln für Renovierungen vor, regelt aber auch die Bedingungen, unter denen ein Abriss möglich ist. Erinnert sei in diesem Zusammenhang an die Hain’sche Mühle.

Die städtische Denkmalpflegerin Inge Bredemeier gab Auskunft darüber, wie es sich denn mit solchen alten und stadtgeschichtsträchtigen Villen und deren Schutz verhält: „Ein Denkmal ist zu erhalten, es sei denn, es lässt sich nicht mehr sanieren.“ Nicht mehr sanierungsfähig bedeute, dass das Gebäude von Schimmelpilz und das Holz vom Käfer befallen sei. „Sind nur noch 30 Prozent Substanz des Gebäudes übrig, dann ist es kein Denkmal mehr“, erläutert Inge Bredemeier.

Sie erklärt aber auch, dass der Denkmalschutz keine starre Institution ist. „Sollte bei der Firma Melos Bedarf für eine andere Grundstücksnutzung bestehen, dann prüfen wir sorgfältig und nach strengen Kriterien, ob die Verhältnismäßigkeit der Mittel gewahrt ist oder nicht. Wenn der Nachweis wirtschaftlicher Unzumutbarkeit erbracht wird, dann kann ein denkmalgeschütztes Haus auch schon einmal weichen müssen“, sagt sie. Aber wie gesagt, die Kriterien sind sehr streng.


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