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Gottfried Landwehr gestorben Er war als Wissenschaftler am Physik-Nobelpreis beteiligt

Von Christoph Franken

<em>Mit 83 Jahren</em> in Würzburg gestorben: der Meller Gottfried Landwehr. Foto: MainpostMit 83 Jahren in Würzburg gestorben: der Meller Gottfried Landwehr. Foto: Mainpost

Würzburg/Melle. In Melle aufgewachsen, vor wenigen Tagen in Würzburg gestorben: Gottfried Landwehr. Der Physikprofessor und Träger hoher Auszeichnungen wurde 83 Jahre alt.

Landwehr war als renommierter Experte für Halbleiterphysik national und international bekannt. Zu seinen Schülern gehörte unter anderen Klaus von Klitzing, der 1985 den Nobelpreis für Physik erhalten hat.

Die Fakultät für Physik und Astronomie der Universität Würzburg, an der Landwehr von 1968 bis zu seiner Emeritierung 1997 gelehrt und geforscht hatte, beschrieb ihn in einer Pressemitteilung als treibende Kraft für die Entwicklung der Fakultät.

„Durch sein außergewöhnliches Engagement in der akademischen Selbstverwaltung, unter anderem als Dekan der Fakultät für Physik und Astronomie von 1993 bis 1997 sowie durch seine bahnbrechende Forschung auf dem Gebiet der Halbleiter-und Nanostrukturphysik hat sich Gottfried Landwehr auf herausragende Weise um unsere Alma Mater verdient gemacht“, heißt es in einem Nachruf der Fakultät. Ihm sei es zu verdanken, dass modernste Forschungsstrukturen initiiert worden seien. Außerdem habe Landwehr das Mikrostrukturlabor gegründet und damit in Würzburg ein internationales Zentrum für die Halbleiterforschung geschaffen.

Sein Bruder Ulrich, der sich zurzeit in Bad Essen aufhält, erinnerte an das frühere Lebensmittelgeschäft der Familie Landwehr an der Buerschen Straße. Gottfried Landwehr habe von seiner Geburt am 22. August 1929 bis zum Jahr 1948 in Melle gelebt. Erst dann habe er seine Heimatstadt verlassen, um in Karlsruhe und Braunschweig zu studieren. Nach der Promotion ging es für den jungen Wissenschaftler zunächst in die USA. 1964 erfolgte dann wieder in Braunschweig die Habilitation. 1966 gründete Landwehr das Max-Planck-Institut für Festkörperforschung in Stuttgart mit einer Zweigstelle in Frankreich.

Für den Bruder des Wissenschaftlers steht fest, dass Klaus von Klitzing ohne die Unterstützung Landwehrs den Nobelpreis nicht hätte erlangen können. Klitzing hatte die entscheidenden Messungen durchgeführt, die zur Entdeckung des Quanten-Hall-Effekts führten.

Für seine zahlreichen Verdienste, zu denen unter anderem auch die Betreuung eines Doktoranden-Förderprogrammes für Physiker aus China gehörte, wurde Gottfried Landwehr mehrfach ausgezeichnet. So war er unter anderem Träger des Bundesverdienstkreuzes, des Bayrischen Verdienstordens sowie Ehrendoktor der Universitäten Gießen und Grenoble.