50 Schüler in Xanten Lateinkurse der Meller IGS auf Spurensuche

Fundamente einer römischen Villa besichtigen hier die jungen Leute der IGS. Foto: Deborah ZausFundamente einer römischen Villa besichtigen hier die jungen Leute der IGS. Foto: Deborah Zaus

Melle. Spuren vergangener römischer Kultur durchziehen als Ruinen oder Baudenkmäler unsere mitteleuropäischen Landschaften. „Latein ist für etliche Studienfächer immer noch Grundvoraussetzungen, da die Sprache der Römer unsere modernen europäischen Sprachen, Kultur und Wissenschaft wie keine andere geprägt hat und auch lange nach dem Untergang des Imperium Romanum immer noch prägt“, erklärte Luise Selige. Sie ist Lateinlehrerein an der Integrierten Gesamtschule (IGS) in Melle.

Latein an der IGS? „Ja, es ist hier zwar eine kleine Fachschaft mit den drei Kolleginnen Luise Selige, Deborah Zaus und Kinga Ehlers, aber die sind extrem engagiert“ sagte Martin Behrens für die Schule. Das Fach Latein führe an Gesamtschulen häufig ein Nischendasein, aber an der IGS in Melle sei das anders. Dort wird Latein in der Oberstufe angeboten (Latinum) sowie in der Sekundarstufe I in einigen Kursen. „Das Fach spricht gerade leistungsstärkere Schüler an, daher ist es auch wichtig für die IGS“, so Behrens.

Mit 50 Schülern der 7. und 8. Klassen besuchten daher Luise Selige und ihre Kollegin Deborah Zaus jetzt in einem Tagesausflug das Freilichtmuseum „Archäologischer Park“ im gut 200 Kilometer entfernten, links-rheinischen Xanten. Denn der Blick im Lateinunterricht soll über das Erlernen der Sprache hinausgehen.

10.000 Römer in der Stadt

 Als Standort eines großen römischen Legionslagers diente Xanten bis ins 5. Jahrhundert als Ausgangspunkt für Feldzüge der Römer gegen die Germanen. Bis zu 10.000 Römer lebten in der Stadt. „Kalkriese und die Varusschlacht sind zwar näherliegende Lernorte, die im Gesellschaftslehre-Unterricht immer wieder eine Rolle spielen“, berichtete Deborah Zaus. Aber gerade der Lernort Xanten mit seinen bunten Einblicken in Kultur und Lebensweise der lateinischen Welt sei trotz der weiteren Entfernung ganz besonders interessant. 

Über „viele Mitmachaktionen, wie das Gießen von römischen Münzen, bei dem wir Schablonen aus Ton angefertigt und dann vor dem Ausgießen spiegelverkehrt beschriftet haben“, freute sich auch Schülerin Marieke Ronning . Auch konnten sich die Schüler ganz wie Mitglieder der römischen Gesellschaft fühlen, nachdem sie in authentische römische Alltagskleidung von Sklaven, Senatoren, Schulkindern oder Frauen auf der Straße geschlüpft waren.

Amphoren-Weitwurf

 Auch „Römische Spiele“ machten mit Disziplinen wie Amphoren-Weitwurf viel Spaß.

Bei überwiegend gutem Wetter erhielten die Gesamtschüler anschließend eine Führung durch den archäologischen Park, „die voll beeindruckend war“, fand Mathis Langelage. Vom Kolosseum aus, in dem auch ein animierter Bär „Bruno“ auf die Gladiatoren wartete, ging es in einer einstündigen Parkführung durch die aufwändig rekonstruierte römische Siedlung mit ihren Lehmhäusern. In der Herberge mit ihrer Taverne gab es für die Römer früher statt Pommes und Schnitzel eher Oliven, Brot, Käse und Eintopf.

„Die ganzen bunten Wandmalereien und Mosaike waren sehr faszinierend“, erzählte Amelie Herde. Für eine angenehme Lebensweise, wie es sich für einen „richtigen“ Römer gehörte, scheuten dieBewohner auch vor zweitausend Jahren keinen Aufwand: Die Schüler aus Melle sahen in Xanten Marmor aus Italien und Spanien, der mühsam quer durch Europa transportiert worden war.

Wie für Noah Rassfeld war der Ausflug für die Meller Lateiner ein „abwechslungsreicher Tag mit vielen spannenden Aktionen“ und am Ende stand die Erkenntnis, dass sich römisches Leben an einem Ort wie Xanten besonders gut erfahren lässt.

Das Fassungsvermögen des Amphiteaters in Xanten entsprach mit rund 10.000 Plätzen in etwa der römischen Einwohnerzahl. Foto: Deborah Zaus


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