Verschuldet durch den Ex-Partner Wie eine Mellerin es geschafft hat, wieder für sich selbst zu sorgen

Von Conny Rutsch

Das hat die Frau aus unserem Beispielsfall schon hinter sich: Der „Besuch“ des Gerichtsvollziehers. Foto: Klaus LindemannDas hat die Frau aus unserem Beispielsfall schon hinter sich: Der „Besuch“ des Gerichtsvollziehers. Foto: Klaus Lindemann

Melle. Immerhin, drei Stunden am Tag zu arbeiten würde die Mellerin schaffen. Sie würde ihre beiden Töchter irgendwie unterbringen und dann im Lager des großen Verbrauchermarktes Ware auspacken. Das sollte ihr gelingen. Und dann konnte sie Arbeitslosengeld II beantragen. Bis jetzt schon mal war sie ganz schön stolz auf das, was sie erreicht hatte.

Wenn sie allerdings an die vielen Hürden dachte, die ihr noch bevorstanden, dann drohte das schwarze Loch sich wieder aufzutun, in dem sie schon einmal versunken war. Damals hatte der Gerichtsvollzieher vor ihrer Wohnungstür gestanden. Sie hatte gar nicht geahnt, was passiert war. Ihr war nur aufgefallen, dass ihr Lebensgefährte alle möglichen Briefe einfach nicht öffnete, die beinahe täglich im Briefkasten lagen. „Ach das ist nichts“, sagte er nur immer wieder barsch.

Weiter nachzufragen wagte sie nicht, er konnte schnell laut und aufbrausend werden. Auf diese Weise hatten sie auch die Kontakte zu den Nachbarn im Haus verloren. Immer suchte er Streit. Also kümmerte sie sich um die Briefe auch nicht. Und dann war er nach der Arbeit nicht nach Hause gekommen. Er hatte die Wohnung wie immer ganz früh morgens verlassen. Dass er seine persönlichen Sachen mitgenommen hatte, war ihr gar nicht aufgefallen. Sie hatte die ganze Nacht am Bett der fiebernden Tochter gesessen. Er kam nicht wieder, verschwand aus ihrem Leben. Sie musste allein klar kommen.

Gerichtsvollzieher kam

Ja, und dann stand der Gerichtsvollzieher da mit einer Räumungsklage. Ihnen war schon vor Monaten die Wohnung gekündigt worden. Sie hatte davon nichts gewusst. Von der kommunalen Verwaltung war ihr eine Wohnung in einer Notunterkunft zugewiesen worden. Doch hier war es laut, das Bad mit einer Reihe von ihr unbekannten Menschen teilen zu müssen, war schwierig, die Kinder ängstigten sich vor den Fremden.

(Weiterlesen: Die große Weihnachtsspendenaktion in Melle und Wittlage)

Aber sie hatte es geschafft. Mit der Unterstützung der Mitarbeiter der Wohnungslosenhilfe der Diakonie Osnabrück Stadt und Land, auf die sie aufmerksam gemacht worden war, konnte sie eine kleine Wohnung beziehen. Nun aber wusste sie nicht mehr weiter. Die Waschmaschine, die schon in der Wohnung gestanden hatte, war kaputt, und Handtücher, Bettwäsche und die vielen Kindersachen mussten gewaschen werden. Für eine solche Anschaffung aber fehlte ihr das Geld. Rücklagen konnte sie vom Hartz-IV-Geld nicht bilden, und eine Ersatzbeschaffung, wie es im Amtsdeutsch hieß, wurde von der Arbeitsagentur nicht bezahlt.

Soziales Netz fehlte

Jetzt fehlte ihr ein soziales Netz, Freunde und Familie, die ihr vielleicht geholfen hätten. Aber das hatte sie nicht, dafür hatte ihr Lebensgefährte gesorgt. Also fasste sie all ihren Mut zusammen und fragte noch einmal bei der freundlichen Frau von der Wohnungslosenhilfe nach. Und ja, die konnte sie noch einmal unterstützen. Ihre neue Waschmaschine war nun eine gebrauchte, aber dafür hatte sie nur wenig Geld dafür bezahlen müssen, weil ihr damals der Sofort-Fonds der gemeinsamen Spendenaktion geholfen hatte.

Mutig sah sie nun in die Zukunft. Es gab Auswege und Hilfsmittel und freundliche Menschen. Sie war sich sicher, dass sie ihr Leben bald selbstbestimmt würde führen können.

Dieses gemeinsame Weihnachts-Spendenaktion wird getragen von Caritas-Stiftung, Diakonie-Stiftung, Meller Kreisblatt und Wittlager Kreisblatt. Sie dient dazu, einen Sofortfonds zu schaffen, aus dem konkrete Hilfe bei uns vor Ort geleistet werden kann.

Das Spendenkonto bei der Sparkasse Melle IBAN DE 33 2655 2286 0000 1240 73. 


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