Schnellere Grippewarnung Digitalgipfel: Meller Mediziner gehört zum Team

Fachleute im Gespräch: Gordon Pipa (rechts) informierte Gisbert Voigt, Marion Charlotte Renneberg und  weitere Mediziner aus Norddeutschland über das neue System der Grippewarnung. Foto: Daniel MeierFachleute im Gespräch: Gordon Pipa (rechts) informierte Gisbert Voigt, Marion Charlotte Renneberg und weitere Mediziner aus Norddeutschland über das neue System der Grippewarnung. Foto: Daniel Meier

Melle/Hannover. Die Grippewelle rollt immer stärker an und die Zahl der Erkrankten steigt täglich. Auch Mediziner aus Melle informierten sich jetzt beim dritten Niedersächsischen Digitalgipfel Gesundheit der Ärztekammer Niedersachsen und der Hochschule Hannover darüber, wie jetzt noch präzisere und aktuellere Vorhersagen gemacht werden können. Zu den Teilnehmern gehörte auch der Meller Arzt Gisbert Voigt. Er ist Vorstandsvorsitzender der Bezirksstelle Osnabrück der Ärztekammer Niedersachsen.

Das System ermöglicht den Medizinern, Krankenhäusern und Gesundheitsämtern in den einzelnen Landkreisen bessere Planungen für die Grippebehandlung. Aber auch für Vorsorgemaßnahmen der Bürger und Krankheitsausfallplanungen der Betriebe in den Landkreisen sind die Echtzeitdaten wichtig. „Wir können die Grippewelle damit zwar nicht in den Griff bekommen, aber uns so gut wie möglich darauf vorbereiten und extreme Problemsituationen somit vermeiden“, sagte Gordon Pipa aus Hasbergen während der Vorstellung des System. Er ist Vorsitzender der Abteilung Neuroinformatik am Institut für Kognitionswissenschaft der Universität Osnabrück.

Präzise Vorhersagen

Sein Team hat jetzt eine enge Zusammenarbeit mit dem Robert-Koch-Institut vereinbart, um dessen aktuelle Vorhersagen für die Landkreise noch präziser machen zu können. Dabei hilft die Neuroinformatik mit Simulationen und mathematischen Analysen. Dazu werden laut Pipa für die Erkennung von Grippeausbrüchen unter anderem herkömmliche Daten der Gesundheitsbehörden, Daten aus den sozialen Medien und weitere Informationen kombiniert. Solche Systeme werden auch verwendet, um komplexe Zusammenhänge in Krankheiten zu erhellen und Ärzte bei der Diagnose zu unterstützen.

Gut für ländlichen Raum

Digitale Systeme können künftig immer mehr auch in der Gesundheitsvorsorge helfen und zum Beispiel eingesetzt werden, um in ländlichen Räumen ohne niedergelassene Ärzte Vordiagnosen zu stellen, die dann einem Mediziner zur Bewertung übermittelt werden.

Das Thema „künstliche Intelligenz und Empathie in der Medizin“ zog sich als roter Faden durch den Niedersächsischen Digitalgipfel. Marion Charlotte Renneberg, Vizepräsidentin der Ärztekammer Niedersachsen, begrüßt Anwendungen, in denen sich künstliche Intelligenz bereits bewährt, etwa bei der Bewertung von Röntgenaufnahmen, in der Brustkrebsvorsorge oder bei der Diagnose von Lungenkrebs und Schlaganfällen.

Künstliche Intelligenz

 „Aber ich warne davor, der künstlichen Intelligenz die Entscheidung zu überlassen. Was sie nicht kennt, kann sie zum Beispiel nicht bewerten. Deshalb liegt die sichere Zukunft für unser Gesundheitssystem nicht darin, die Roboter machen zu lassen – sondern in der Zusammenarbeit von Mensch und Maschine – aber immer unter der Oberhoheit des Menschen“, betonte Marion Charlotte Renneberg.

Auch Pipa plädiert dafür, den Einsatz künstlicher Intelligenz den Menschen noch vertrauter zu machen, damit sie Erkenntnisse und Entscheidungen einer künstlichen Intelligenz akzeptierten.


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