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Konkrete Hilfe statt Mitleid Die große Weihnachtsspendenaktion in Melle und Wittlage

Von Conny Rutsch, Christoph Franken

Auch ein Beispiel von versteckter Armut: Bundesweit rund 2,3 Millionen Kindern von Alleinerziehenden droht deutlich häufiger Armut als Kindern in Paarfamilien. Symbolfoto: dpaAuch ein Beispiel von versteckter Armut: Bundesweit rund 2,3 Millionen Kindern von Alleinerziehenden droht deutlich häufiger Armut als Kindern in Paarfamilien. Symbolfoto: dpa

Melle/Bad Essen. Vier Partner wollen in der Weihnachtszeit wieder denen sofort helfen, die in Melle und Bad Essen ganz unterschiedliche Probleme haben: Erneut starten das „Meller Kreisblatt“ und das „Wittlager Kreisblatt“ gemeinsam mit den beiden regionalen Stiftungen „Horizont“ der Caritas und der „Diakoniestiftung“ die große Weihnachtsspendenaktion.

Die Sprecher der beiden kirchlichen Stiftungen, Monika Schnellhammer (Caritas) und Heiko Grube (Diakonisestiftung) betonten zum Am Freitag zum Start das gemeinsam Ziel: „Mit diesem Geld soll unbürokratisch und direkt vor Ort da geholfen werden, wo es am nötigsten ist.“ Und dabei ist es natürlich egal, ob jemand konfessionslos, katholisch oder evangelisch ist.

Wenn draußen der Nebel durch die Straßen wabert, die Temperaturen und vielleicht sogar die ersten Schneeflocken fallen, dann machen es sich viele Menschen zuhause gemütlich. Wohnungen und Häuser werden hübsch dekoriert, es werden Plätzchen gebacken und Pläne für Weihnachten geschmiedet.

Der wirtschaftliche Aufschwung der letzten Jahre sorgte für ein sorgenfreies Leben, jedenfalls bei vielen Menschen. Und glücklich dürfen sich diejenigen schätzen, die ihren Wohlstand oder das gute Auskommen auch gesund genießen können. 

Gleich nebenan

„Doch gleich nebenan kann es schon ganz anders aussehen“, weiß Monika Schnellhammer. Ohne dass es groß auffällt, lebt da vielleicht die ältere Frau, die nach dem Tod ihres Mannes nur noch zum Einkaufen die Wohnung verlässt. Die zunächst aus Trauer und dann wegen Mutlosigkeit ihre sozialen Kontakte verloren hat und nun ihr Leben einsam und allein fristet. Manchen Menschen wirft so eine Situation auch komplett aus der Bahn. Einsamkeit und soziale Verarmung trifft oftmals die Älteren, meist dann Frauen, die in vielen Fällen sogar noch mit Geldsorgen zu kämpfen haben.

Und dann sind da die Krankheiten, über die nicht gerne gesprochen wird, die so manches Familienleben erschüttert. Viele an Demenz erkrankte Menschen werden von ihren Angehörigen zu Hause versorgt und gepflegt. Das braucht Zeit. Geduld ist erforderlich, um die Bedürfnisse der Kranken zu erkennen, sie in ihrem Alltag zu unterstützen und ihnen all die Dinge abzunehmen, die sie nicht mehr leisten können. Angehörige, die diese Arbeit zusätzlich zu ihrer beruflichen Tätigkeit tun, müssen oft Spagate leisten, vielleicht beim Arbeitgeber um freie Stunden oder Tage bitten, weil Arztbesuche anstehen. Aus vielen kleinen Situationen, Stress und Sorgen werden mitunter psychische Belastungen, die wiederum in Erkrankungen enden. Streitigkeiten in der Familie sind oft die Folge von Dauerbelastungen.

"Hilfestellung geben"

Schnell wird dann eine Schuldfrage gestellt. Wer ist Schuld an Verarmung, wer an Einsamkeit und Depressionen? Im schlimmsten Fall heißt es dann „selbst schuld“ und „da hab ich kein Mitleid“. Beides aber hilft niemandem. Mitleid zu haben, also mitzuleiden, sollte nicht das Ergebnis des Schauens auf Menschen sein, die in einer wirtschaftlichen und sozialen Falle festsitzen.

„Hilfestellung ist jetzt angesagt“, betonte Grube. Denn Hilfe im Sinne von Humanität und christliches Nächstenliebe sollte die Grundlage für ein menschliches Miteinander sein. Viele kleine Gesten können Not lindern, für rasche Hilfe sorgen und für so manchen Menschen ein Stückchen Freiheit bedeuten.

Das Spendenkonto beider Stiftungen bei der Sparkasse Melle nur für diese Aktion lautet: IBAN DE 33 2655 2286 0000 1240 73.


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