Eigenes Kampf-Konzept im Pepcamp Meller Kniephoff setzt auf realistische Selbstverteidigung

Ralf Kniephoff (Fünfter von rechts) im Kreise seiner Kampfsportschüler. Foto: Heike DierksRalf Kniephoff (Fünfter von rechts) im Kreise seiner Kampfsportschüler. Foto: Heike Dierks
Heike Dierks

Buer. Ralf Kniephoff aus Melle ist seit 51 Jahren Kampfsportler. Er hat viele Disziplinen erlernt und Tausende Schüler unterrichtet. Vor anderthalb Jahren hat der 58-Jährige seine kleine Kampfsportschule „Pepcamp“ in Buer eröffnet. Sein Steckenpferd: realistische Selbstverteidigung.

Als Siebenjähriger begann Kniephoff mit dem Kampfsport. Er erlernte mit den Jahren unter anderem Judo, Taekwondo, Jiu-Jitsu, Karate und erreichte überall Meistergrade. Zudem schnupperte der deutsche Meister im Jiu-Jitsu und ehemalige Wettkampf-Bundestrainer im Shotokan Karate in philippinische Arten hinein, traf auf Kampfsportlegenden und wurde Instruktor. Vor 40 Jahren gründete der Grönegauer den Verein Bushido Melle, der heute von seinem Bruder Frank geführt wird. Irgendwann verließ Ralf Kniephoff seinen Verein und gab bei anderen Clubs in der Region Training.  

Der Experte, den man wohl als einen Vorreiter des Kampfsports in Norddeutschland bezeichnen darf, bildete deutsche Meister und sogar Weltmeister aus. Und er machte sich auf seinen Stationen ein umfassendes Bild der Kampfkünste. Ein Eindruck verfestigte sich dabei: Jede der traditionellen Disziplinen habe „tolle Elemente, doch sie vermitteln keine realistische Selbstverteidigung“. Kniephoff machte sich sodann an die Umsetzung der Idee, ein eigenes Studio für sein Konzept zu eröffnen.

Vor drei Jahren trainierte der Mitarbeiter der Firma Miele noch eine Gruppe in Wellingholzhausen. Gruppenteilnehmer Kai Wiechert, der in Buer ein idyllisches Ausflugsziel mit Teichlandschaft, Café und kleiner Fischfarm betreibt, bot ihm am Niedereschweg einen Raum für das Studio an. Dort wird inzwischen dreimal die Woche trainiert: dienstags und donnerstags jeweils von 18 bis 19 Uhr und samstags von 10.30 bis 12 Uhr. Aktuell nehmen fast nur Erwachsene und ausschließlich Männer teil, es waren aber schon zwei Frauen dabei.

Zum Konzept von Kampfsporttrainer Ralf Kniephoff (vorne) – hier mit Schüler Kai Wiechert – gehört es, auf Angriffe flexibel reagieren zu können. Foto: Heike Dierks

 

Im Pepcamp verwirklicht Kniephoff seine Idee, verschiedene Elemente aus den klassischen Kampfsportarten zusammenzubringen. „RK-Jitsu“ hat er seine Disziplin getauft. RK steht für die Initialen des Trainers.

RK-Jisu ist keine offizielle, beim Verband angemeldete Sportart, sondern ein Mix aus vielen Sportarten, die man bei vielen Verbänden anmelden müsste. „Das wäre teuer. Und es gäbe wieder viele Regeln. Aber das will ich nicht mehr“, verdeutlicht der Grönegauer. Nach seinem Konzept können sich seine Schüler ihre Turniere selbst aussuchen. Und wenn die Gruppenteilnehmer es wünschen, bildet der 58-Jährige sie so aus, dass sie bei einem der klassischen Verbände graduiert werden können.

Bei seinem Trainingsprogramm wird situativ und so realitätsnah wie möglich agiert. Es gibt keine feste Choreografie, die Bewegungen sind frei. „Ich versuche, den Teilnehmern ein breites Spektrum zu zeigen. Davon nimmt sich jeder das, was ihm gefällt. Ich gebe eine Bewegung vor, und die Schüler gucken, wie sie sich das Element am besten aneignen. Das ist Selbstverteidigung für den Ernstfall“, betont der Trainer, der auf der Straße schon mal ernsthaft gefordert war. Anders dagegen Schüler Wiechert: „Ich habe mich noch nie geschlagen, das wird auch nie passieren“, ist er überzeugt.

Eben das ist das Ziel: seine erlernten Selbstverteidigungstechniken nicht anwenden zu müssen. „Jeder nicht stattgefundene Kampf ist ein gewonnener Kampf“, verdeutlicht der Studioleiter.


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