Sorge um genügend Plätze Stadtelternrat in Melle stellt viele Fragen zu Kitas

OS: So sieht es in dem Kita-Container der Kita-Wüstenmäuse, in der die Gruppe Wüstensterne untergebracht ist, aus. Osnabrück fehlen immer noch 220 Kita-Plätze, Container werden als Übergangslösungen aufgestellt. 08.08.2019. Foto: Gert WestdörpOS: So sieht es in dem Kita-Container der Kita-Wüstenmäuse, in der die Gruppe Wüstensterne untergebracht ist, aus. Osnabrück fehlen immer noch 220 Kita-Plätze, Container werden als Übergangslösungen aufgestellt. 08.08.2019. Foto: Gert Westdörp
Gert Westdörp

Melle. Zur Bürgerfragestunde der jüngsten Sitzung des Bildungsausschusses mobilisierte der Stadtelternrat rund 55 betroffene Eltern. Es ging um den Tagesordnungspunkt „Anpassung des Betreuungsangebotes in Kindertagesstätten an den Bedarf“.

Mit dem Aufruf „Betreuungsnotstand im familienfreundlichen Melle“ machte der Stadtelternrat auf diese Thema besonders aufmerksam. Nachdem die Ausschussvorsitzende Jutta Dettmann die Sitzumg eröffnet hatte, erklärte Ina Beckmann als Sprecherin des Stadtelternrats Kita, dass Verwaltung und Politik bis jetzt hervorragende Arbeit geleistet hätten. Daher solle das aktuelle Anliegen auch nicht den Eindruck erwecken, dass die Elternschaft jemanden auf die Füße treten wolle. Dennoch bedeuteten aus Sicht des Stadtelternrats Maßnahmen wie das Schaffen von Containerlösungen nichts anderes als ein „Löschen von Feuer“. 

 Steigenden Geburtenraten verschärften die Situation zusätzlich. Das bestätigte auch Britta Itzek von der Stadtverwaltung: In der Stadt Melle sei ein hoher Anstieg von Eltern mit drei oder sogar vier Kindern zu verzeichnen.

Sorgen und Anliegen

Vertreter des Stadtelternrats Kita formulierten anschließend ihre Anliegen. Besonders brannten den Eltern folgende Fragen auf dem Herzen: In einigen Stadtteilen entstehen neue Baugebiete in denen auch viele junge Familien einziehen werden: Wie will die Stadt den damit verbundenen erhöhten Bedarf an Betreuungsplätzen für Kinder aus den neu entstandenen Baugebieten langfristig und dauerhaft decken? Wie kann die Stadt eine Planungssicherheit für berufstätige Eltern geben? Denn ohne Betreuung der Kinder fehle die Arbeitskraft der heutzutage gut ausgebildeten Eltern auf dem Arbeitsmarkt.

Nach Ansicht der Elternvertreter hat sich mit der Beitragsfreiheit eines Kita Besuchs ab dem 3. Lebensjahr auch der Bedarf an Ganztagsplätzen erhöht. Dazu käme sogenannte „Flexi Kinder“, bei denen Eltern bis zum Stichtag 1. Mai die Einschulung um ein Jahr nach hinten verschieben können. „Dadurch kann es zu einer weiteren Reduktion an Kindergartenplätzen kommen“, so die Eltern. Zudem führe ein erhöhter Integrationsbedarf zu einer Verknappung an freien Plätzen.

Bisher gut gedeckt

Die Stadt habe in den vergangenen Jahren den Bedarf an Krippenplätzen gut gedeckt. Mit Vollendung des 3. Lebensjahrs wechseln diese Kinder aber jetzt in den Kindergarten. Einrichtungen im Stadtgebiet könnten daher bereits jetzt den Eltern keine Zusage ihrer Krippenkinder oder Tageselternkinder für einen Kindergartenplatz erteilen. Ebenso seien viele Träger an die Grenze der Bebaubarkeit ihrer Grundstücke gekommen. Daher stelle sich die Frage an Politik und Verwaltung, welche Ideen es gebe, um dem steigenden Bedarf an Grundstücken für Kita Einrichtungen zu begegnen.  

Zu guter Letzt bereitet den Eltern Sorge, dass neben dem Bedarf an zusätzlichen Betreuungsplätzen auch der Bedarf an Erzieher steigen werde. „Unternimmt die Stadt Melle Anstrengungen, um den Arbeitsstandort Melle für Erzieher attraktiver zu machen?“, lautete die Frage.

Erster Stadtrat Andreas Dreier verwies angesichts der Fragen auf den Bedarfsplan des Landkreises Osnabrück, wonach sich in Melle ein Überhang an Kindergartenplätzen abzeichne. Dass dieser Überhang fernab der Realität ist, sei der Meller Verwaltung durchaus bewusst. Die werte seit Jahren durch das Online-Portal den tatsächlichen Bedarf in den einzelnen Kitas aus und habe aus ihrer Sicht bislang gute Lösungen für unversorgte Kinder in der Vergangenheit gefunden.

Enge Zusammenarbeit

Dreyer versicherte den Eltern, dass die Verwaltung eng mit den Trägern zusammenarbeite und nach zukunftsorientierten Lösungen suche. In diesem Zusammenhang verwies er auf Neuenkirchen. Hier entstehe mit einem Investor eine Kleinstgruppe mit bis zu 15 Kindern. Darüber hinaus soll am alten Sportplatz in Verbindung mit der Heilpädagogischen Hilfe ein Waldkindergarten angeboten werden. „Dies erhöht bei aller Diskussion zusätzlich das pädagogische Angebot“, sagte Dreyer.

 Im Verlauf der Ausschusssitzung stimmte die Politik einstimmig darüber ab, der Verwaltung den Auftrag zu erteilen, verschiedene Optionen für die Schaffung weiterer Kita Plätze zu prüfen. Hier seien insbesondere Investorenmodelle mit Neubauten der Nutzung städtischer Gebäude wie die Jugendherberge gegenüberzustellen. 


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