Peppig mit ernsten Zwischentönen Drei Chöre in einem Konzert zum Meller Kulturherbst

Ansteckend gute Laune verbreiteten die Tuesdaysies unter der dynamischen Leitung von Ute Winkelmann im Forum. Foto: Petra RopersAnsteckend gute Laune verbreiteten die Tuesdaysies unter der dynamischen Leitung von Ute Winkelmann im Forum. Foto: Petra Ropers

Melle. Ihr Name steht für ansteckende Musikbegeisterung, für ungewöhnliche Arrangements und für jede Menge guter Laune. Kein Wunder also, dass die Fans der Tuesdaysies in Scharen zu ihren Konzerten strömen. Im Forum blieb zum Kulturherbst daher kaum ein Platz frei.

Alle zwei Jahre laden sich die Tuesdaysies zu einem großen Chorabend musikalische Gäste ein. Diesmal mit dabei: das Vokalensemble Musaic aus dem Münsterland sowie der African Gospel Chor Njabulo aus Osnabrück. Gemeinsam mit den Tuesdaysies unter der Leitung von Ute Winkelmann nahmen sie die Musikfreunde mit auf eine rund dreistündige Reise von Irland bis nach Südafrika.  

Stillstehen liegt ihnen nicht. Stattdessen kommt mit den Tuesdaysies Bewegung auf die Bühne. Immer wieder wechseln sie Position und Stimme, treten Solistinnen aus den Reihen des Chores heraus – etwa um den „Sweet Dreams“ der Eurythmics originalgetreu das gewisse „Etwas“ zu verleihen. Die „Royals“ von Lorde oder „All about that base“ von Meghan Trainor: Peppig, mit ansteckendem Schwung und dabei mit professioneller Präzision präsentierte der reine Frauenchor die gelungenen Arrangements bekannter Pop-Songs.

Den heißen Wind Südafrikas ließ der Osnabrücker Chor Njabulo mit Trommelrhythmen und viel Bewegung durch den Saal wehen. Foto: Petra Ropers

 

Mit Vocal Percussions, Klavier und Gitarre war dabei für die passende Band-Begleitung gesorgt. Doch die Tuesdaysies beherrschen auch die leisen Töne. Das bewiesen sie gleich zum Auftakt mit einem melancholischen, von wunderschönen Harmonien getragenen Liebeslied in der Sprache der Roma. Das unterstrichen sie aber auch mit Sinnead O’Connors gefühlvoll intoniertem „My love“.

„Lied vom Nichtverstehen“

Was ist eigentlich der Sinn des Lebens? Das fragten sich schon die großen Philosophen der Antike. Das – um zwei Mitglieder reduzierte – Vokalensemble Musaic gab ihnen und den Musikfreunden im Forum ebenso frech wie klangvoll die Antwort: „Es geht um Kuscheln, Sex und Händchenhalten“, verkündeten sie auf den Spuren von Maybebop und hatten damit das Publikum gleich auf ihrer Seite. Vielseitig, dynamisch und ausdrucksstark empfahl sich das Münsteraner Ensemble, das mit Maybebops „Lied vom Nichtverstehen“ einen ungewohnt ernsten Akzent im kontrastreichen Programm des Abends setzte.

Von Münster nach Melle: Mal frech, mal ernst empfahl sich das Vokalensemble Musaic. Foto: Petra Ropers

 

Für einen musikalisch wie geografisch großen Sprung sorgte nach der Pause der Afrika-Gospel-Chor Njabulo aus Osnabrück. Zwischen Gospels und Protestsongs der Apartheit-Ära holte der zahlenstarke Chor unter der Leitung von Max Tammen die Besucher aus ihren Stühlen. Denn die musikalische Lebens- und Glaubensfreude breitete sich mit Trommelrhythmen, starken Harmonien und ansteckendem Bewegungsdrang bis in die Zuschauerreihen aus. Zumindest den Grundschritt der südafrikanischen Gospels hatte deshalb zum Ende des Auftritts fast jeder in den Füßen.

Der „Son of a Preacherman“ aus den 60ern und das gefühlvolle irische Abschiedslied: Die Tuesdaysies bewiesen im letzten Teil des Konzertabends noch einmal ihre Vielseitigkeit. Und auch das ist gute Tradition bei ihren Konzerten: Das Ende ist nicht das Ende. Stattdessen verwandelte sich der gesamte Saal noch einmal in einen großen Gemeinschaftschor – natürlich nicht, ohne zuvor den drei Chören mit anhaltendem Jubel für ein ebenso niveauvolles wie kurzweiliges Konzert zu danken. 


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN