Auf Geschwister-Duell folgt Gewitter Linus, Leroy und Luna Englich vom SCM im Badminton erfolgreich

Starkes Geschwister-Trio: Linus, Leroy und Luna Englich. Foto: André KlingemannStarkes Geschwister-Trio: Linus, Leroy und Luna Englich. Foto: André Klingemann

Melle. Ein Ferienspaß-Schnuppertraining weckte bei Linus Englich die Leidenschaft fürs Badmintonspiel. Der 14-Jährige hat auch Bruder Leroy (10) und Schwester Luna (12) mit dem Virus infiziert. Die Geschwister aus Melle sorgen inzwischen landesweit für Furore. Direkte Duelle müssen aber nicht sein.

Für die Sommerferien 2012 meldete sich Linus Englich für ein Schnuppertraining beim SC Melle an. Und er blieb dabei. „Linus war auf einmal weg, und ich habe mich gefragt, was er wohl macht“, erinnert sich Bruder Leroy. Er schaute daraufhin beim Training des Bruders zu. „Das fand ich dann ganz gut.“ Leroy fragte seine Eltern: „Darf ich das auch?“ Als Fünfjähriger stieg er ebenfalls ein. Da überlegten die Eltern, es wäre praktisch, auch Tochter Luna beim Badminton anzumelden. Seit nun zwei Jahren ist auch sie dabei. „Wir dachten anfangs, es wäre praktischer, wenn alle fünf Familienmitglieder zusammen am Wochenende unterwegs sind“, schildert Silvia Englich. 

Doch längst sind die Kinder regelmäßig bei verschiedenen Turnieren im Einsatz. Auch die Eltern sind voll ausgelastet. „Neben Badminton geht nichts mehr“, erzählt die Mutter lachend. Montags Fitnesstraining, dienstags Vereinstraining, mittwochs Einzeltraining in Osnabrück, donnerstags privates Training in der Badminton-Hochburg Harkenbleck bei Hannover, freitags Kreis-Stützpunkttraining in Hilter, samstags und sonntags Turniere: Die durchgetakteten Jungs üben derzeit nach identischen Plänen. Die Eltern organisieren die Fahrdienste, mal wird auch der Opa eingespannt.

Eltern organisieren die Fahrdienste

„Wir planen von Woche zu Woche. Bei uns hängt es von den Arbeitszeiten ab. Das Training in Hannover versuchen wir 14-tägig mitzunehmen“, berichtet Tim Englich. Die Turniersaison geht von Januar bis Dezember, die Punktspiele sind zwischen September und Januar einmal im Monat. Meist sind alle drei Geschwister an einem Wochenende unterwegs. „Luna hat zusätzlich Chor und Ballett. Wir versuchen, allen zu ihrem Recht zu verhelfen, und konzentrieren uns natürlich nicht auf ein Kind“, betonen die Eltern. Bei Turnieren ab Bezirksebene fährt und betreut Vater Tim seine Kinder und andere SCM-Starter.

Leroy ist inzwischen bundesweit im Einsatz. Da wird der Osterurlaub schon mal rund um den Spielort in Heidelberg gelegt. Während der Sommerferien haben die Jungs mal an einem hochklassigen Trainingscamp auf Borkum teilgenommen. „Wenn Badminton ansteht, ist Badminton immer das Wichtigste“, erzählt Silvia Englich. Sonst ist der Familienurlaub Badminton-frei – und das ist dann auch gut so. Die Englichs greifen nicht spaßeshalber zum Federballschläger. „Nur zum Vergnügen: Das gibt es bei den Jungs nicht“, erklärt sie. Die Konkurrenz sitzt eben in der eigenen Familie.

Die Geschwister reizt an ihrem Sport besonders, dass er ohne Gegnerkontakt ausgeübt wird. Neben der Technik und Kondition geht es um Reaktionsschnelligkeit, ein gutes Auge – und um Taktik. „Die Kinder können die Taktik gut umsetzen. Badminton ist ein Präzisionssport, da gewinnen nicht die Kraftbolzer“, sagt Tim Englich.

Leroy vor Sprung ins deutsche Talentteam

Leroy ist zweifacher Landesmeister im Einzel und Doppel der Altersklasse U11 und aktuell unter den besten acht der Bundesrangliste. Der Zehnjährige hat perspektivisch die Chance, ins deutsche Talentteam aufgenommen zu werden. Linus (U15) wurde Landes-Vierter im Doppel, der Doppel-Bezirksmeister hat sich unter den Top 16 landesweit etabliert. Nächstes Jahr tritt er im jüngeren Jahrgang der U17 an. „Dann wieder Vierter der Landesmeisterschaft zu werden, wäre super“, sagt der 14-Jährige, der gerade den Trainerschein macht. Danach hofft er, den Sprung ins Erwachsenenteam des SCM zu schaffen.

Luna (U15) wurde bei der Landesmeisterschaft jeweils Neunte im Einzel und im Mixed. Für 2020 strebt sie die erneute Qualifikation zur Landesmeisterschaft in Mixed und Doppel an. Bei der Bezirksmeisterschaft trat sie zuletzt im Mixed mit Bruder Linus gegen Bruder Leroy samt Partnerin an. Die Älteren verloren das Duell gegen die Jüngeren.

„Drei Englichs auf einem Platz: Ich bin froh, dass das sonst nicht so oft vorkommt. Das wird zu Hause danach alles durchgekaut“, sagt Mutter Silvia. Luna erklärt: „Ich kann mit meinem Bruder besser kommunizieren als mit anderen Jungs.“ Nach anfänglichen Schwierigkeiten hat sich das Englich-Mixed immer besser eingespielt. Luna und Linus könnten noch über Jahre zusammen spielen.

Und besser miteinander als gegeneinander, was altersbedingt bei den Brüdern sowieso selten vorkommt. Einmal trafen sie in einem Ligaspiel direkt aufeinander. In einem engen Match setzte sich Linus letztlich durch. „Danach gab es für einen halben Tag Gewitter zu Hause. Da bin ich schon ganz froh, dass die Jungs normalerweise auf dem Feld nicht in direkter Konkurrenz zueinander stehen“, berichtet Silvia Englich lächelnd.


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