Lärchen leiden, Fichten sterben aus Waldbauern aus Melle beklagen extreme Schäden

Für die sachkundigen Vorträge dankte der WSG-Vorsitzende Gerd Heinrich Meyer zu Tittingdorf (rechts) den Referenten Florian Stockmann (links) und Andreas Wiemer. Foto: Norbert WiegandFür die sachkundigen Vorträge dankte der WSG-Vorsitzende Gerd Heinrich Meyer zu Tittingdorf (rechts) den Referenten Florian Stockmann (links) und Andreas Wiemer. Foto: Norbert Wiegand

Melle. Die Schäden in den Wäldern der Flächenstadt Melle haben, wie in vielen anderen Regionen, ein bislang nicht gekanntes Ausmaß erreicht. Das zeigte die Jahresversammlung der Waldschutzgenossenschaft Melle (WSG) am Dienstagnachmittag im Gasthaus Wiesehahn.

Nüchtern und emotionslos vorgetragene Fakten und Zahlen über absterbende und leidende Baumarten zeichneten ein düsteres Bild von den Meller Waldgebieten. „62 Prozent des Holzeinschlages in unseren Wäldern erfolgten wegen des Insektenbefalls“, ging Hauptreferent Florian Stockmann vom Forstamt Weser-Ems auf die dramatische Lage ein. 

Im vergangenen Sommer hatte sich der Borkenkäfer-Befall von den Rändern betroffener Fichtenbestände ins noch benadelte Innere verlagert. „Die Käfer sind vor der großen Hitze geflüchtet“, so Stockmann. Dann haben sie ihr zerstörerisches Werk bei den noch nicht ganz abgestorbenen Bäumen fortgesetzt. Eine Exkursion vor Beginn der Jahresversammlung mit Bezirksförster Werner Scholz zeigte, dass hinter den losen Rinden sämtliche Borkenkäferarten vom Buchdrucker bis zum Kupferstecher zu finden sind.

Den Misch-Befall durch Buchdrucker und Kupferstecher zugleich zeigt Bezirksförster Werner Scholz anhand eines Rindenstücks. Foto: Norbert Wiegand

Die Schäden sind so verbreitet, dass weder die Aufarbeitungs- noch die Abfuhrkapazitäten ausreichen, um eine saubere Waldwirtschaft betreiben zu können. Die Schädlinge überwintern nicht nur im Boden, sondern auch unter den Rinden des toten Holzes. „Eine befallene Fichte kann bis zu 13 Millionen Käfer beherbergen“, erklärte Stockmann. Er befürchtet 2020 einen „ähnlich massiven Befallsdruck“ wie in diesem Jahr, selbst bei geringerer Hitze und häufigeren Niederschlägen. Trotz der ergiebigen Regenfälle im Oktober sei „das Wasser bis jetzt immer noch nicht da angekommen, wo es am meisten gebraucht wird“.

Kampf nicht aufgeben

Stockmann riet den Waldbauern dazu, den Kampf gegen die Borkenkäfer nicht aufzugeben. Geeignete Fangsysteme seien unter anderem Fangholzhaufen und das Fangsystem Trinet P, das lokale Käferpopulationen abschöpfen würde.

„Auch Lärchen sind inzwischen stellenweise vom Lärchenborkenkäfer befallen, im Emsland sogar großflächig“, beantwortete der promovierte Forstwissenschaftler eine Frage von Waldbauer Heinz-Martin Brüggemeier. Weitere betroffene Baumarten sind sogar Kiefern, Buchen und Eschen, aber noch längst nicht so dramatisch wie Fichten.

„Selbst wenn das Aufräumen der Wälder irgendwann gelingt, gehen die Probleme weiter“, erläuterte Stockmann. Denn schon jetzt könne der Pflanzenbedarf für Aufforstungen kaum noch gedeckt werden. Diese Situation werde sich jährlich verschlechtern. Trotz aller Widrigkeiten ermunterte er die mehr als 50 Meller Waldbauern, die Freude an der Forstwirtschaft nicht zu verlieren: „Es kommen auch wieder bessere Zeiten!“

Ein einzelner betroffener Baum wird schnell zur Gefahr für den ganzen Bestand, wenn nicht gehandelt wird. Foto: Carl Hesebeck/LWK Niedersachsen

Die für Waldbesitzer schweren Zeiten auf dem Holzmarkt stellte Andreas Wiemer dar. Der Holzkoordinator des Forstamtes Weser-Ems sprach von „Unmengen an Industrieholz, das großenteils nur noch als Hackschnitzel und Energieholz zu vermarkten ist“. Angesichts der europaweit großen Mengen an Schadholz sind die Preise auf ein niedrigstes Niveau gesunken.

Ausbreitende Weißfäule

Ähnliche Preise im Vorjahr erzielen frische Buchen, die noch nicht von der sich ausbreitenden Weißfäule befallen sind. Pappeln würden weniger nachgefragt, weil die Interessenten auf das billigere Nadelholz ausweichen. Konstant sind die Preise gut gewachsener und gesunder Eichen.

In der abschließenden Diskussion ging es auch um städtische Förderungen für die Erneuerungen von Wegen, die unter der Schadholzabfuhr stark gelitten haben. Der Meller WSG-Vorsitzende Gerd-Heinrich Meyer zu Tittingdorf forderte betroffene Anliegergemeinschaften auf, ihre Bedarfe anzumelden. Unterstützungsbereitschaft durch die Stadt signalisierte Melles stellvertretende Bürgermeisterin Annegret Mielke, die auch an der Exkursion teilgenommen hatte: „Die Waldbauern leisten große Beiträge zum Klimaschutz und zur Naherholung, jetzt brauchen sie Unterstützung.“


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