Großes Hörkino – achtstimmig Gregorian Voices gastieren in Martinikirche zu Buer

Von Conny Rutsch

Traditionell in Mönchskutten gastierten die „Gregorian Voices“ in der Martinikirche zu Buer. Foto: Conny RutschTraditionell in Mönchskutten gastierten die „Gregorian Voices“ in der Martinikirche zu Buer. Foto: Conny Rutsch

Buer. Die Stecknadel, die berühmte, wäre zu hören gewesen, wäre sie denn gefallen in der voll besetzten Martinikirche in Buer. Als die acht Männer in den braunen Kutten in den nur schummrig beleuchteten Altarraum einzogen und auf ihre würdevolle und mystische Art mittelalterliche Gesänge zu intonieren begannen, war es mucksmäuschenstill. Großes Hörkino begeisterte am frühen Sonntagabend mehr als 500 Fans der Gregorian Voices.

Mönche sind es gar nicht, aber mit diesem Habitus umgeben sich die bulgarischen Sänger auf unnachahmliche Weise, wenn sie im ersten Teil ihres ihres zweistündigen Programms alte Kirchengesänge intonieren – zunächst einstimmig und leise, tatsächlichen Mönchsgesang meditativ zelebrierend. Jede Stimme klingt ganz fein, als möchte sie die Stille in der Kirche nicht stören. Die Tenöre singen kopfstimmig, die Baritone fast verhalten, und plötzlich ist die Mehrstimmigkeit da, unvermutet, mit den tiefen, sonoren Bassstimmen. Der Chor besingt die Maria, Regina coeli, die Himmelskönigin, mehrmals, mit Inbrunst. Das wohl schönste Stück im ersten Teil des Abends aber ist ein Gesang in der Muttersprache der Sänger mit den besonderen Vokalfärbungen, den hier unbekannten Konsontantklingern und den so ganz anderen Stimmanlagen als den deutschen oder italienischen.

Gänsehautcharakter

Mit „Pie Jesu“ aus Lloyd Webbers Requiem und „Ameno“ aus dem französischen New-Age-Projekt Era läuten die Gregorian Voices vor der Pause dann den populärmusikalischen zweiten Teil des Abends ein. Und auch dieser beschert Gänsehautcharakter. Dass das Englisch nicht immer fest im Sängersattel sitzt, macht gar nix. Die großen Pophymnen kennt wahrlich jeder. Die acht legen einen musikalischen Rundumschlag von Lionel Richie, den Bee Gees, Simon&Garfunkel bis Bette Midler hin. 

Dynamisch und feinsinnig

Die „Fields of Gold“ von Sting werden jetzt von einer Ballade zu einem Hymnus an die goldenen Gerstefelder und Bob Dylans Rockhymne „Knockin` on Heaven´s door“ zu einem Chorwerk, das von der großen Opernbühne herabgestiegen zu sein scheint. Die acht Sänger, vor allem die Tenöre, nutzen ihre Stimmen von der feinsten Kopfstimme in Counterhöhen bis zum vollen Stimmeinsatz mit der alten Staugesangstechnik, die heute an den Musikhochschulen gar nicht mehr gelehrt wird. Faszinierend, wie sie ihre Stimmen aufeinander ausrichten, dynamisch gestaltend, feinsinnig und absolut professionell.

Comeback in zwei Jahren

Technische Verstärkung brauchen die „Gregorian Voices“ nicht, auch wenn das zu Beginn vielleicht jemand hätte denken können. Im Gegenteil: „Die fetzen einen vom Blech“ war das spontane Fazit einer Zuschauerin, die von der Stimmgewalt der acht Sänger von Herzen begeistert war. Mit „Sailing“ von Rod Stewart und „Amazing Grace“ bedankten sich die acht für frenetischen Beifall und zogen dann zum Autogrammeherschenken in den vorderen Kirchenbereich. Dort gingen beim Martinimusikorganisator Matthias Breitenkamp schon die ersten Karten für das nächste Konzert der „Gregorian Voices“ über den Tisch. Am 17. Januar 2021 (!) werden sie wieder in der Martinikirche zu Buer gastieren.  


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