Leben im Dämmerzustand Neue Ausstellung im Museum Marta schaut ins Licht der Nacht

Von Marita Kammeier

Halb Mensch, halb Tier: Diese Arbeit des Künstlers David Altmejd in der Neuen Marta-Ausstellung hat es Kuratorin Friederike Fast besonders angetan.                                                                 Fotos: Marita KammeierHalb Mensch, halb Tier: Diese Arbeit des Künstlers David Altmejd in der Neuen Marta-Ausstellung hat es Kuratorin Friederike Fast besonders angetan. Fotos: Marita Kammeier

Herford. Die neue Ausstellung im Marta-Museum Herford „Im Licht der Nacht – Vom Leben im Halbdunkel“ zeigt Lichtarbeiten.

In seiner neu eröffneten Ausstellung „Im Licht der Nacht – Vom Leben im Halbdunkel“ zeigt das Herforder Museum Marta Lichtarbeiten, Installationen und Gemälde.

Die Stadt schläft nie: Vom Konsum rund um die Uhr in unserer 24-Stunden-Gesellschaft mit Nachtarbeit bei künstlichem Licht bis zur Katerstimmung von Nachtschwärmern. Was es für Menschen bedeutet, wenn die Grenzen zwischen Tag und Nacht immer mehr verschwimmen, untersucht das Marta-Museum in der neuen vielseitigen Ausstellung.

„Die Ressourcen werden knapper. Daher setzen wir ein Signal für Museen und Kultureinrichtungen“, erläuterte Museumsdirektor Roland Nachtigäller die groß angelegte Kooperationsausstellung mit der KAI 10/Arthena Foundation in Düsseldorf. In Herford sind 100 Gemälde, Skulpturen, Fotografien, Videos und Installationen aus dem 18./19. Jahrhundert bis zur Gegenwart zu besichtigen.

Der historische Kern im Marta basiert außerdem auf einer Teilübernahme der Ausstellung aus dem Centre Pompidou-Metz, darunter sind Werke von Robert Delaunay, George Grosz, Brassai und Germaine Krull. „Für die französischen Surrealisten übten die Momente der Träume und das Leben in der Nacht eine besondere Faszination aus“, erläuterte der Direktor und Chefkurator Jean-Marie Gallais.

Eine Arbeit von Sigmar Polke zeigt Leihgeber Jean-Marie Gallais vom Centre Pompidou-Metz.

Magische Lichtstimmungen versetzen Besucher im Marta-Dom in eine Art Dämmerzustand, ein Leben zwischen Hell und Dunkel. David Altmejds Skulpturen erinnern an Dämonen, Geister oder Werwölfe. Große Teile der Galerien sind in mattes, warmes Zwielicht oder Halbdunkel getaucht. Das uralte Ordnungsprinzip von Tag und Nacht weicht einem vielfältigen nächtlichen Leben.

Blinkende Pylone umkreisen eine hell erleuchtete Tankstelle. Die Rauminstallation des Künstlerinnenkollektivs FORT erinnert an eine Geisterstadt. Einkaufszentren, volle Nachtclubs, aber auch Schichtarbeit und das an 365 Tagen im Jahr 24 Stunden am Tag geöffnete Internet haben die Lebensweise grundlegend verändert. Lichtverschmutzung

Die sogenannte „Lichtverschmutzung“ hat gravierende Folgen für die Insektenpopulation. Ein Mahnmal mit runenartigen Zeichen ist das vier Meter hohe und acht Meter breite Bild „Beleuchtung der Welt“ von Silke Silkeborg. Die interaktive Installation „Blinky Street“ der israelischen Künstlerin Alona Rodeh kann von interessierten Besuchern gesteuert werden.

Im Werk „Feeling Hof" von Elvira Bach wird die Nacht zum Tag.

Auch den Menschen, die sich im Dunkel bewegen, ist ein Kapitel der Ausstellung gewidmet. So thematisierte Auguste Chabaud in seinen Gemälden das burleske Treiben in den Pariser Nachtclubs. Seine eindringlichen Portraits zeigen Nachtarbeiterinnen am Rande der Gesellschaft.

Im Rahmenprogramm der Ausstellung bittet der Schauspieler und DJ Lars Eidinger am 25. Januar zur „Autistic Disco“ ins Marta. Wann der Online-Vorverkauf für die Karten startet, wird noch bekannt gegeben.

Zu besichtigen ist die Ausstelllung „Im Licht der Nacht – Vom Leben im Halbdunkel“ im Marta Herford, Museum für Kunst, Architektur, Design in der Goebenstraße 2 bis 10 noch bis zum 9. Februar. Zur Begleitung gibt es einen 144-seitigen bebilderten Katalog für 20 Euro. Geöffnet ist dienstags bis sonntags und an Feiertagen von 11 Uhr bis 18 Uhr, jeden ersten Mittwoch im Monat bis 21 Uhr.  

Weitere Infos auf www.marta-herford.de 


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