Gefährlicher Pakt mit dem Teufel Figurentheater inszeniert in Welling "Faust" in neuer Version

Von Marita Kammeier

Der Teufel Mephisto im Dialog mit Faust: Ausdrucksstarke Puppen dirigierte Ralf Kiekhöfer vom Figurentheater Töfte aus Halle in seiner Inszenierung des Goethe-Klassikers. Foto: Marita KammeierDer Teufel Mephisto im Dialog mit Faust: Ausdrucksstarke Puppen dirigierte Ralf Kiekhöfer vom Figurentheater Töfte aus Halle in seiner Inszenierung des Goethe-Klassikers. Foto: Marita Kammeier

Wellingholzhausen. Begeisterung beim Publikum im Fachwerk 1775: Ralf Kiekhöfer vom Figurentheater Töfte aus Halle reduzierte Goethes "Faust" auf das Wesentliche und zeigte einen so vitalen und lustvollen wie tragischen Kampf zwischen Gut und Böse, Wahrheit und Repression.

"Faust-Liebhaber bin ich seit meiner Schulzeit in Recklinghausen." So beschrieb der Puppenspieler seine Idee der neuen, gekürzten Fassung der Handlung, die um die Zeit von 1500 spielte. Johann Wolfgang von Goethe schrieb das Drama im Jahr 1808. 

Die Inszenierung von Ralf Kiekhöfer im Rahmen des Meller Kulturherbstes konzentrierte sich auf die drei Hauptfiguren Faust, Mephisto und Gretchen und stellte immer wieder Bezüge zur heutigen Zeit her. Lebensgroße, ausdrucksstarke Puppen bestimmten das Geschehen, perfekt dirigiert vom Meister. Fotoszenen aus der Historie und aus Theateraufführungen stimmten das Publikum auf die Handlung ein.

Eindringliches Klopfen

"Eines Tages wird jeder von uns diese Bühne verlassen", grübelte Heinrich Faust, der Advokat und angesehene Gelehrte, auf der Suche nach dem Sinn des Lebens.   "Spießig ist das neue Sexy. Da ist nichts, was die Welt zusammenhält. So sollte kein Hund länger leben." 

Lautes, eindringliches Klopfen erklang aus der großen Kommode, nebulöser Rauch stieg empor. Ein spannungsgeladener Auftritt des Teufels folgte. Faust lag inzwischen vergiftet am Boden, Mephisto hauchte ihm neues Leben ein mit den Worten: "Das ist nicht mein Job."

Faust gründete einen gefährlichen Pakt mit dem Teufel und stürzte sich anschließend voller Enthusiasmus in ein neues Leben. Wie von Furien getrieben raste er, den Teufel immer an seiner Seite, über die Bühne. Auch in den Zuschauerreihen suchte Faust nach schnellen Eroberungen, wickelte jeden um den Finger und rief betrunken: "Der Goethe macht die besten Partys.".

 Charaktere voller Dramatik

Musikalisch untermalt erklang in der Hexenküche das Hexeneinmaleins. Das verliebte Gretchen lag in der Kommode, lackierte die Fußnägel knallrot und fragte: "Was muss geschehen, damit Faust sich verliebt?" Doch stattdessen wird sie zum Opfer.

Freiheit für ein selbstbestimmtes Leben, das zeigte die Inszenierung deutlich, ist auch die Befreiung von Zwängen und Pakten. Zur Popmusik von Donna Summer tanzten und kämpften die Puppen in unterschiedlichen Größen, mal filigran, mal prägnant am Degen hängend, doch immer mit großen Bühnenpräsenz.

Die Charaktere agierten voller Dramatik, oft dem Wahnsinn nahe, dann wieder humorvoll und gewitzt. "Gretchen, lass Vergangenes vergangen sein", beruhigte Faust das Mädchen. Winzige Figuren krönten das Finale mit dem Kirchenchor. Das begeisterte Publikum dankte mit "Standing Ovations".  

Die intensive Auseinandersetzung mit den Figuren bis zum fertigen Stück habe insgesamt eineinhalb Jahre gedauert, erläuterte Ralf Kiekhöfer. "200 gesammelte Zettel, die Regiearbeit mit meiner Tochter Katharina Speckmann und sechs Wochen intensive Probenarbeit."


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