Ritze, ratze, voller Tücke Detmolder Posaunenquartett konzertiert in St. Petrikirche in Melle

Von Conny Rutsch

Schelmische Posaunen: Friedrich Hultsch, Johannes Opp, Sprecher Rudolph Kremer, Neele Hülser und Magnus Schröder (von links) konzertierten in der Meller St. Petrikirche. Foto: Conny RutschSchelmische Posaunen: Friedrich Hultsch, Johannes Opp, Sprecher Rudolph Kremer, Neele Hülser und Magnus Schröder (von links) konzertierten in der Meller St. Petrikirche. Foto: Conny Rutsch
Conny Rutsch

Melle. „Ach, was muss man oft von bösen Kindern hören oder lesen“. Wilhelm Busch schrieb die sieben Streiche von Max und Moritz auf, und das Detmolder Posaunenquartett interpretierte sie musikalisch. Mit einem fröhlichen Familienkonzert präsentierten sich die vier junge Musiker hochmusikalisch, mit überlegenen Interpretationen unterschiedlicher Genres in der Meller St. Petrikirche. Als Gast hatten sie den Erzähler Rudolph Kremer mitgebracht.

Es war ein so ganz anderes, und damit erfrischendes Programm, das Neele Hülser, Friedrich Hultsch, Johannes Opp und Magnus Schröder ausgewählt hatten. Und das strotzte nur so von Überraschungen. Mit zwei Renaissancetänzen von Michael Praetorius (1571-1621) führten sie ganz traditionell ins Konzert ein. Gleich darauf ließen sie mit der humorvollen Suite des niederländisches Komponisten Jan Koetsier (1911-2006) die sieben Streiche der Wilhelm-Busch-Buben Max und Moritz derartig lebendig werden, dass die Zuhörer hin und wieder laut lachen mussten. 

Hähne krähen, Hühner gackern

Stimmungsvoll las Rudolph Kremer die Geschichte und pausierte dann zu den musikalischen Szenen. Und die hatten es in sich. Alle nur denkbaren Effekte produzierten die vier Instrumentalisten auf ihren Posaunen. Sie ließen Hähne krähen und Hühner gackern, sie ließen Sägen kreischen und Onkel Fritz schnarchen. Langgezogene Glissandi oder knatternde Doppelzungeneinsätze und unglaublich virtuose Spieltechniken zeichnete das Spiel der vier Posaunisten aus. Zudem hatten sie die Streiche auch noch mit lustigen Regieeinfällen gespickt.

So ließ der Erzähler die Meerschaumpfeife des Lehres Lämpel explodieren und einen goldenen Schnipselregen aus einer Konfettibombe regnen. Er drehte ein Plastikhuhn in einer Pfanne, das sich der Bassposaunist mit dem Zug seines Instrumentes angelte. Letzterer ließ sogar Maikäfer in Schokoladengestalt passend zum fünften Streich in das Kirchenschiff fliegen.

Am Ende zogen sich Friedrich Hultsch und Magnus Schröder flugs Kaffeesäcke über, um den Streich, den sie Bauer Mecke spielen wollen, auch optisch wirksam darzustellen. Und zum Schluss gab's Grablichter für die bösen Buben. Ein herrlicher musikalischer Spaß, auf höchstem Niveau dargebracht.

Mit einem „Zwiefachen“, einem Tanz mit schwindelerregenden Taktwechseln entließen die Vier die Zuschauer in eine Pause.

Fantasievoller Musikmix

Eine bunter und fantasievoller Musikmix machte dann den zweiten Teil des Programms aus. Kompositionen unter anderem von Christoph Lindberg (*1958), ein Musikzitatwerk von Jean Francois Michel (*1957), Claude Debussy (1862-1918) sowie einem Potpourri der bekanntesten Melodien von Georg Gershwin (1898-1937) vereinigten sich zu einem abwechslungsreichen Genuss. Eine Hörüberraschung hatten Johannes Opp und Magnus Schröder vorbereitet. Mit Euphonien spielten sie zwei zweistimmige Inventionen von Johann Sebastian Bach (1685-1750) und stiegen dazu hinter das Altarbild auf die Empore der Kirche. Zwar waren die Instrumentalisten gar nicht zu sehen, aber dafür besonders gut zu hören.

Neele Hülser, Friedrich Hutsch, Johannes Opp und Magnus Schröder stammen alle aus der Posaunenklasse von Professor Otmar Strobel der Hochschule für Musik in Detmold, die bundesweit über einen excellenten Ruf verfügt.

Äußert stimmig, immer aufmerksam aufeinander eingehend, mit Musikalität und Fleiß erarbeiteter Virtuosität und einem Höchstmaß an musikalischer Intelligenz zeigten die vier Musiker einen niveauvollen Posaunenabend.


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