Nachtigall stirbt für rote Rose Kulturring Melle: Eindrucksvolle Lesung von Charles Brauer

Von Marita Kammeier

Schauspieler Charles Brauer beeindruckte in der Alten Stadthalle mit einer eindrucksvollen Lesung .  Archivfoto: Jörn MartensSchauspieler Charles Brauer beeindruckte in der Alten Stadthalle mit einer eindrucksvollen Lesung . Archivfoto: Jörn Martens

Melle. Als Charles Brauer, bekannt als ehemaliger Tatort-Kommissar seine ausdrucksstarke Stimme erhob, wurde es ganz leise in der Alten Stadthalle. Die märchenhafte Lesung im Rahmen des Kulturrings weckte das Mitgefühl der Zuschauer und regte zum Nachdenken an.

Der literarisch-musikalische Abend stand unter dem Motto: "Die Nachtigall und die Rose", das zugleich der Titel eines von drei vorgelesenen Märchen war. Mit sonorer, ruhiger Stimme verlieh der Schauspieler den Texten die angemessene Bedeutung und nahm das Publikum mit in die Märchenwelt des irischen Dichters Oscar Wilde. 

"Das Glück hängt von Kleinigkeiten ab", erkannte der junge Student, dem nur eine einzige rote Rose für seine Angebetete fehlte. "Das ist wirklich die wahre Liebe, von der ich singe", meinte die kleine Nachtigall nachdenklich, denn sie suchte nach dem besonderen Geheimnis dieses Gefühls und wollte dem Studenten helfen.     

Unpraktische Sache

Von Strauch zu Strauch flog der Vogel, doch nirgends blühten rote Rosen. Die einzige Rettung war es, aus dem Herzblut der von Dornen durchbohrten Nachtigall eine blühende Rose zu bilden. Die ergreifend inszenierten Texte verstärkte Christian Elsas am Piano zunächst mit Klängen aus der Romantik von Claude Debussy, Franz Liszt und Johannes Brahms, die jedoch immer mehr zu leidvoller Musik wechselte.

Das schmerzvolle Leiden der Nachtigall mit der immer schwächer werdenden Stimme untermalte der Pianist mit Auszügen aus dem Klavierkonzert f-Moll von Johann Sebastian Bach. Letztendlich lag der Vogel tot im Gras, mit dem Dorn in der Brust und eine tiefrote, wunderschöne Rose erblühte.

Ein Glücksfall für den Studenten. Doch welch ein Jammer, sein verehrtes Mädchen verschmähte sowohl den jungen Mann als auch die Rose. "Die Liebe ist eine verrückte, unpraktische Sache", so lautete daher das Fazit des abgewiesenen Verehrers.

Brillante Akzentuierung

Mit brillanter Akzentuierung las Charles Brauer auch die Gedichte "Der selbstsüchtige Riese" und "Der glückliche Prinz", begleitet von virtuosen Kompositionen von Robert Schumann, George Gershwin und Claude Debussy.

Musik und Poesie in perfekter Übereinstimmung, das prägte diesen bewegenden Kulturabend, den das Publikum mit lang anhaltendem Applaus gebührend honorierte.


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