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An Büschen beim Segelflugplatz Illegaler Vogelfang mit Netzen in Melle

Symbolfoto: imago images / blickwinkelSymbolfoto: imago images / blickwinkel

Melle. Das gab es in Melle noch nie: Unbekannte Täter haben am Wochenende im Bereich des Segelflugplatzes in der Else-Niederung versucht, Singvögel in Netzen zu fangen. Dank zweier aufmerksamer Passanten konnten mehrere Vögel aus den sogenannten Japannetzen befreit werden. Die Polizei ermittelt.

Am Samstagnachmittag war die Polizei zum Flugplatz gerufen worden. Die beiden Spaziergänger hatten in einem Baumbestand nahe des Hangars im Osten des Geländes ein großflächig gespanntes Nylonnetz gefunden. Bei dem Netz handelte es sich um ein sogenanntes Japannetz, ein Fangnetz für Wild- und Singvögel jeder Art. Es besteht aus sehr dünnen Kunststofffäden und ist für Vögel und Fledermäuse fast unsichtbar.

Nur ganz feine Leinen des Netzes vor diesem Busch sind links zu erkennen. Foto: Polizei Melle

Bis zum Eintreffen der Polizei hatten die Zeugen bereits vier gefangene Vögel lebend befreien können. Es handelte sich um eine Blaumeise, eine Zwergmeise, einen Buchfink und einen singdrosselähnlichen Vogel. Ganz in der Nähe des aufgespannten Netzes wurde dann noch ein weiteres, grobmaschigeres grünes Fangnetz in Bodennähe gefunden. In diesem grünen Netz hatte sich noch kein Vogel verfangen.

Schon länger am Werk?

Außerdem fanden die Polizeibeamten noch ein Netzknäuel. „Augenscheinlich ein bereits gebrauchtes Japannetz“, erklärte ein Polizeispercher. Das lege die Vermutung nahe, dass der illegale Vogelfang bereits längere Zeit stattgefunden haben könnte.

Das Fangen von Vögeln ist in der EU seit Anfang der 1980er Jahre grundsätzlich verboten. In südeuropäischen Ländern und insbesondere in Malta aber geht der Fang insbesondere zu den Vogelzugzeiten munter weiter. Die Singvögel gelten dort in manchen Regionen als Delikatesse.

Die in Melle aufgefundenen Netze fangen ungezielt und zufällig. Sie sind eine Gefahrenquelle gerade für besonders aktive Vögel, denn die erdrosseln sich meist selbst durch ihre Bewegungen in den feinen Leinen.

Ein legaler Einsatz der Netze findet nur für wissenschaftliche Untersuchungen, unter anderem zur Vogelberingung, statt. Zur Wahrung des Tierschutzes werden die Netze in diesen Fällen aber immer in kurzen Zeiträumen kontrolliert. Vogelschützern in Melle ist aber von einer Lizenz zur Ausbringung solcher Netze für wissenschaftliche Zwecke im Stadtgebiet nichts bekannt. Sie gehen daher ebenso wie die Polizei von einer illegalen Aktion aus.

Zeugen gesucht

Die Polizei in Melle ermittelt nun wegen des Verstoßes gegen Tier- und Naturschutzgesetze. Sie bittet Zeugen, die verdächtige Personen oder Fahrzeuge beobachtet haben oder sonst Hinweise geben können, sich unter Telefon 05422/920600 zu melden.

Auch ein Boden-Fangnetz stellten die Beamten sicher. Foto: Polizei Melle

Zur Sache Vogelmord

Der Vogelfang ist im gesamten Mittelmeerraum verbreitet. Vor allem in Italien, Südfrankreich sowie auf Malta, Teilen Griechenlands und Zypern ist die Jagd auf Singvögel zum Verzehr oder als reine Freizeitbeschäftigung ohne eigentliche Nutzung der geschossenen Vögel ein Massenphänomen.
 Tierschutzverbände kritisieren neben dem massenhaften Fang (allein in Frankreich jährlich etwa 25 Millionen Vögel) den unkontrollierten Fang von Vögeln geschützter Arten.
 Neben dem Fang oder Abschuss von Zugvögeln werden in Frankreich selbst Vögel zur Brutzeit bejagt. In Frankreich ist die Provence Schauplatz der tierquälerischen Jagd auf Singvögel mit Tausenden Leimruten. „Doch obwohl der Fang mit Klebe-fallen von der EU verboten wurde, hat die Regierung in Paris den Einsatz der Leimruten zu einer vom Aussterben bedrohten Tradition erklärt und jedem Fänger den Einsatz von bis zu 30 Leimruten erlaubt“, kritisiert das Komittee gegen Vogelmord. Experten gehen davon aus, dass jährlich bis zu einer halben Million Vögel in den aufgestellten Fallen verenden.
Die größte Vogelfanganlage in Form von fünf Meter hohen Netzen erstreckt sich mit wenigen Unterbrechungen über nahezu 700 Kilometer an der Mittelmeerküste Ägyptens. Hier werden vor allem Millionen von Zugvögeln aus Europa ausschließlich zum Verzehr gefangen. Solche Vogelfangaktionen sind in Ägypten legal und haben seit der Revolution von 2011 zugenommen. (nach Wikipedia)


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