Mordprozess fortgesetzt Polizist berichtet über mutmaßliches Martyrium der Mellerin

Vor dem Landgericht Osnabrück wird in der Mordsache verhandelt.  Foto: Jörn MartensVor dem Landgericht Osnabrück wird in der Mordsache verhandelt. Foto: Jörn Martens

Melle/Osnabrück. Nach längerer Pause wurde am Landgericht Osnabrück der Prozess um die getötete 75-jährige Mellerin fortgesetzt, die im Dezember letzten Jahres am Hasberger Augustaschacht aufgefunden wurde. Ein leitender Ermittler berichtete im Zeugenstand darüber, was das Opfer offenbar durchmachen musste.

Nachdem in der letzten Sitzung vor der Prozesspause eine Osnabrücker Amtsrichterin mit ihren teils chaotischen Aussagen vor allem für Verwirrung gesorgt hatte, präsentierte der 46-jährige Osnabrücker Polizist nun eine zusammenhängende und umfassende Schilderung über seine Ermittlung zum Fall der getöteten Mellerin.

Der Kriminalhauptkommissar erklärte, dass ihm und seinen Kollegen beim Aufsuchen der Wohnung der Getöteten schnell klar wurde, dass die Tat hier nicht begangen worden sei. Hinweise auf die Täter gab aber ein Zettel, auf dem der Name des 43-jährigen Angeklagten stand, sowie weitere Informationen zu der angeblichen Fahrschule, für die der 43-Jährige tätig gewesen sein will.

"Dort fanden wir ihn"

Zuerst ermittelten die Beamten allerdings den Aufenthaltsort des mittlerweile 25-jährigen Nigerianers, der sich am ersten Verhandlungstag umfassend zu den Tatvorwürfen gegen ihn und die "drei Türkenjungs", wie er sie offenbar gegenüber der Polizei bezeichnete, eingelassen hatte. Die Polizisten begaben sich laut des Zeugen zur Wohnung von dessen Freundin in Köln, die Partnerin habe ihnen dann gesagt, ihr Freund würde sich unter dem Bett verstecken. "Dort fanden wir ihn auch."

Der 25-Jährige habe in den folgenden Tagen und Monaten umfassend ausgesagt, allerdings - wie auch später im Prozess - nicht konsistent. Davon, dass die 75-jährige Mellerin in der Gewalt der vier Männer ein Martyrium erlebte, kann aber wohl ausgegangen werden. Der 25-Jährige habe beschrieben, wie die Frau unter Drogen gesetzt und geschlagen worden sei, solange, bis die Angeklagten zu der Überzeugung gelangten, dass die 75-Jährige doch nicht so wohlhabend sei, wie man sich erhofft habe. Dann hätten der 43-jährige und der 25-jährige türkische Angeklagte beschlossen, dass die Frau sterben müsse.

Wie starb das Opfer?

Wie die 75-Jährige dann starb, bleibt weiterhin unklar. Der 25-jährige Nigerianer sprach in verschiedenen Befragungen in unterschiedlichen Versionen von einer Flasche, mit der der 43-Jährige zu der im Gebüsch abgelegten Frau gegangen sei, wonach er dann laut einer Version erklärt habe, die Frau sei nun tot. Weiterhin gibt es unterschiedliche Schilderungen über ein Verdrehen des Kopfes der Getöteten, und schließlich existieren noch mehrere extrem voneinander abweichende Beschreibungen über einen Tritt, den der 25-Jährige der Frau aus Melle zugefügt haben will. 

Auch der 43-jährige Angeklagte hatte sich gegenüber den Polizisten geäußert, allerdings jede Tatbeteiligung abgestritten. Die Aussagen des mutmaßlichen Drahtziehers erscheinen aber wenig glaubwürdig, da er etwa den angeblichen Onkel des 25-jährigen Nigerianers als Paten im Hintergrund schildert; dieser Onkel sei der "Schlächter der Boko Haram", der islamistischen nigerianischen Terror-Sekte also, und seit einem Raub bei einem Jäger residiere der Onkel bis an die Zähne bewaffnet in einem Kölner Asylbewerberheim. Diese Aussage scheint von ähnlich geringem Wert zu sein wie die Ankündigungen des 43-Jährigen, den Polizisten wertvolle Hinweise für die Aufklärung zahlreicher Straftaten zu geben. 

Der Prozess wird am 17. Oktober fortgesetzt. 


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