Viel mehr als Kinder, Küche und Kirche Mehr als 200 Meller Landfrauen feiern 70. Verbands-Geburtstag

Zwischen den Stühlen, die die fünf Landfrauen-Ortsverbände gestaltet hatten, fühlten sich die Meller Kreislandfrauenvorsitzende Kathrin Möntmann (links) und die Weser-Ems-Präsidentin Ina Janhsen sichtlich wohl. Foto: Norbert WiegandZwischen den Stühlen, die die fünf Landfrauen-Ortsverbände gestaltet hatten, fühlten sich die Meller Kreislandfrauenvorsitzende Kathrin Möntmann (links) und die Weser-Ems-Präsidentin Ina Janhsen sichtlich wohl. Foto: Norbert Wiegand

Melle. Mit Talkrunde, Grußworten und einem kulturellen Höhepunkt aus der Gründungszeit der Landfrauen im Altkreis Melle feierten am Samstag mehr als 200 Landfrauen den 70. Geburtstag ihres Verbandes.

Es war den Organisatorinnen um die Vorsitzende Kathrin Möntmann gelungen, eine hochklassige Sängerin und Akkordeonspielerin für den Kulturteil ihrer Feier im Forum am Kurpark zu gewinnen. Stefanie Golisch gab in Musik und Texten berührende Einblicke in das wechselvolle Leben der Lale Andersen. Der erste Teil der Lebensgeschichte der 1905 in Bremerhaven geborenen Lieselotte Bunnenberg, die sich erst später Lale Andersen nannte, begann mit der Heirat mit 17 Jahren und führte über das Verlassen ihrer Familie mit drei Kindern bis zu den ersten Erfolgen auf den Hauptstadtbühnen in Berlin. 

Intensiv und zugleich gefühlvoll waren die Lale-Andersen-Lieder, die Stefanie Golisch auf die Bühne brachte. Foto: Norbert Wiegand

Teils am Akkordeon und teils am E-Piano begleitete Stefanie Golisch selbst ihre intensiven, eindringlichen und gefühlvollen Liedvorträge. Erstmals begann das Publikum bei Lale Andersens Version von „Dat Du min Leevsten büst“ mit zu summen und mitzusingen. 1937 begann die „Nordseekrabbe“, auch poetische Lieder mit Tiefgang zu singen.

Flagge zeigen

Ganz besonders widmete sich Stefanie Golisch aber der Geschichte des späteren Welthits „Lilli Marleen“. Zunächst stellte sie die Fassung von 1937 vor, die dann 1939 so von Nationalsozialisten umgeschrieben wurde, dass sie sich besser zur Ablenkung der Truppen einsetzen lies. Schon während des Krieges wurde das Lied in viele Sprachen übersetzt und vom Nordkap bis zur Sahara von den Soldaten der meisten Kriegsparteien immer wieder gerne gehört. „Es wurde zum Ausdruck der überall herrschenden großen Sehnsucht nach Geborgenheit“, betonte Stefanie Golisch. Und nach Kriegsende wurde es zum Friedenslied.

„Lale hat manche Mauer umgeworfen“, knüpfte Kathrin Möntmann an den musikalischen und sprachlichen Vortrag an. Die Meller Landfrauenvorsitzende erklärte in ihrer Ansprache, dass es den Landfrauen um wesentlich mehr geht, als Kinder, Küche und Kirche. So hätten sie an so manchen politischen Lösungen mitgewirkt, wie etwa der „Mütterrente“. Das aktuelle Motto sei: „Landfrauen zeigen Flagge“. Inzwischen komme nur noch ein Drittel der 600 Mitglieder in Melle direkt aus der Landwirtschaft. „Nicht nur deshalb sind wir so vielseitig, vielstimmig und vielfältig“, ergänzte Möntmann. Ihr Ausspruch „es ist nicht nur die Landwirtschaft, die alle Umweltsünden begeht“ wurde mit viel Beifall bedacht.

Dekorierte Bühne

In der anschließenden Talkrunde mit Landwirtstocher und Pastorin Lore Julius, der Landfrauen-Bezirksvorsitzenden Annegret Westermann und Landfrau Christina Tiemann ging es um Erntedank, die Bewahrung der Schöpfung und das Flagge zeigen in schwierigen Zeiten, in denen viele Menschen gegen Auswüchse der Landwirtschaft auf die Straße gehen. Auf der sehr ansehnlich dekorierten Bühne waren fünf Stühle zu sehen, die die fünf Ortsverbände mit unterschiedlichen Themen bemalt und gestaltet hatten.

Um Erntedank und Flagge zeigen in schwierigen Zeiten ging es in der Talkrunde mit Christina Tiemann, Annegret Westermann und Lore Julius.Foto: Norbert Wiegand

Zum Beginn hatten Grußworte das Geburtstagsfest der Landfrauen eröffnet: Ina Janhsen* zeigte sich beeindruckt vom umfangreichen Veranstaltungsprogramm der fünf Ortslandfrauen-Verbände in der Flächenstadt Melle. Die Präsidentin der Landfrauen Weser-Ems ging in ihrer Ansprache unter anderem auf die drei Säulen der Landfrauenarbeit ein - Bildung, Interessenvertretung und Geselligkeit. Annegret Mielke überbrachte Glückwünsche von Politik und Verwaltung der Stadt Melle. „Sie haben es geschafft, dass Rollenbild der Frau positiv zu beeinflussen und die wichtige Stellung der Frauen in ländlichen Betrieben hervorzuheben“, betonte Melles stellvertretende Bürgermeisterin.

Riesige Verdienste

Im Namen des Vereins Osnabrücker Land-Kultur gratulierte Anna Margaretha Stascheit mit 50 etwas verkleinerten Drucken einer Radierung von Reinhard Klink (wir berichteten) mit vielen sinnigen Anspielungen zur Landfrauenarbeit. Stascheit sprach von „riesigen Verdiensten der Landfrauen für die Region“.


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