Intensiv-Betreuung für Grundschüler Sozialtraining für Meller Systemsprenger: Hohe Nachfrage

Symbolfoto: Sebastian Gollnow/dpaSymbolfoto: Sebastian Gollnow/dpa

Melle. Womöglich klinge es ein bisschen gemein, "aber nur schlechte schulische Leistungen reichen nicht", sagte Tim Wesselmann im Bildungsausschuss. Der Leiter des Alten Stahlwerks hatte dort das Sozialtraining für Grundschüler vorgestellt, und das setzt soziale Auffälligkeiten voraus.

Die Nachfrage sei hoch, erklärte Wesselmann den Mitgliedern des Ausschusses für Bildung und Sport, aber es sei nun einmal so, dass viele Kinder "nicht auffällig genug sind", um teilnehmen zu können.

Tatsächlich kommen Grundschüler in den Genuss, die man heutzutage als Systemsprenger bezeichnet. Der Name sagt es, Systemsprenger können nicht in das System Schule (oder auch andere Bezugsrahmen wie Maßnahmen der Kinder- und Jugendhilfe) integriert werden.

"Wir können uns für die Kinder mehr Zeit nehmen als die Schule", erklärte Wesselmann, mit der Grönenbergschule gebe es eine intensive Kooperation die funktioniere, "ohne, das zusätzlich Zeit aufgewendet wird." Das Feedback sei durchweg positiv, ob von der Schule, aber auch aus den Familien. Der Betreuungsschlüssel liege bei eins zu zwei bis eins zu vier, erfuhren die Ausschussmitglieder. Heißt, ein Pädagoge im Jugendzentrum kümmert sich um zwei, höchstens aber vier Kinder.  Wesselmann: "Der hohe Personaleinsatz bringt die hohe Erfolgsquote."

"Auch zwei, drei Biodeutsche sind dabei"

Maximal stehen 25 Plätze zur Verfügung, allerdings seien in den vergangenen Jahren nie mehr als 20 besetzt gewesen. Das Training läuft schon vielen Jahren im Alten Stahlwerk, im Schuljahr 2018/19 wurde es zum Pilotprojekt unter Beteiligung der Grönenbergschule und der Landesschulbehörde erhoben. läuft seit dem Schuljahr 2018/19. 2018 haben acht Viertklässler das Training verlassen, aber drei Nachrücker aus den ersten und zweiten Klassen sind bereits dazu gestoßen. Außerdem gebe es schon sechs neue Anfragen, nicht nur aus der Grönenbergschule, sondern auch aus der Grundschule im Engelgarten. 

Im Übrigen handele es sich nicht nur um Kinder mit Migrationshintergrund, "auch zwei, drei Biodeutsche sind dabei", griff Wesselmann eine neue Bezeichnung für Deutsche ohne Zuwanderungsgeschichte auf.

"Wir können uns um die Verhaltensauffälligkeiten kümmern und en passant darum, dass die Hausaufgaben gemacht werden", verwies der Jugendzentrumsleiter auf einen willkommenen Nebeneffekt, der wiederum einen Nebeneffekt mit sich bringt. Denn was den Sprung in die nächste Klasse angehe, "sind immer viele Wackelkandidaten dabei". Sehr zufrieden schauen die Mitarbeiter im Jugendzentrum deshalb auf "100 Prozent Versetzungsquote". Mehr noch: "Wir haben die eigentlich immer eine Note nach oben gebracht."

Aus der guten Betreuung ergibt sich ein Problem

Aus der guten Betreuung ergibt sich nun allerdings paradoxerweise ein Problem. Zu den freien Angeboten im Jugendzentrum haben Kids erst ab zwölf Jahren Zutritt. Wer aus dem Sozialtraining fällt, weil er auf eine weiterführende Schule wechselt, ist aber in der Regel erst zehn oder elf. Das habe zu Klagen bei der jungen Klientel geführt, denen das Alte Stahlwerk mit dem Projekt "Lernen macht Spaß" begegnet: "Da können jetzt auch Zehn- und Elfjährige für zwei Stunden zum Nachlernen kommen". Wesselmann: "Wenn dann Kinder kommen und lernen wollen, statt Playstation zu spielen – da geht das Pädagogenherz auf."


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