„Luft“ wird zu Musik und Worten Themengebundenes Konzert des Posaunenchores Melle

Von Conny Rutsch

Selten zu hören: am Didgeridoo sorgte Uli Ludwig (Mitte) für einen besonderen Hörgenuss im Konzert des Posaunenchores. Foto: Conny RutschSelten zu hören: am Didgeridoo sorgte Uli Ludwig (Mitte) für einen besonderen Hörgenuss im Konzert des Posaunenchores. Foto: Conny Rutsch
Conny Rutsch

Melle. Wie wird aus Luft der Wind und der Atem? Mit einem eindrucksvollen Konzert des Posaunenchores Melle unter der Leitung von Ursula-Maria Busch sowie Daniel Skibbe an der Christian-Vater-Orgel entstand ein vielfältiges Bild zum Thema „Luft“. Pastorin Sigrid ten Thoren lockerte den Konzertabend mit biblischen und weltlichen Texten auf.

Nicht als Organist, sondern als Sänger eröffnete Daniel Skibbe das Konzert mit dem Tenorrezitativ des Uriel aus dem Oratorium „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn: mit dem Atem des Lebens wird der Mensch zur lebendigen Seele, heißt es dort.  

Bizarre Entwürfe

Und was der Atem in der Musik bedeutet, ließ Uli Ludwig am Didgeridoo hören. Mit ununterbrochen zirkulierender Luft schuf er sonore Klänge mit bizarren Einwürfen, begleitet von kleinen Melodieszenen und harmonischen Sequenzen der Orgel.

Dass es mit diesem Konzert auch um den Erhalt der Schöpfung geht, wie Ursula-Maria Busch in der Begrüßung erklärt hatte, drückt der Choral „Gott gab uns Atem“ aus, den die Konzertbesucher begleitet vom Posaunenchor mitsingen durften.

Nach Texten zum Atem des Lebens traute sich Daniel Skibbe dann an ein ganz besonderes Orgelwerk: „Volumina“ von György Ligeti (1923 bis 2006) bricht mit allen tradierten Hörgewohnheiten, weil der Organist gleich mit den ganzen Armen die Orgeltasten bedient und auf diese Weise Cluster-Klänge herstellt, die von schrill bis ganz weich das gesamte Klangrepertoire der Instrumentes bedient. Daniel Skibbe ließ die Zuhörer mit Auszügen aus diesem ungewöhnlichen Werk „Luft als Bewegung“, dem zweiten Teil des Konzerts, förmlich körperlich spüren. Und Sigrid ten Thoren verdeutlichte mit christlichen Texten den Atem, die Luft als Seele und Geist zusammengehörend.

„Echophantasie“ 

Mit seiner Improvisation „Echophantasie“ über den Choral „Harre, meine Seele“ beeindruckte Daniel Skibbe seine Fans wieder einmal mit seiner virtuosen und einfallsreichen Orgelkunst, später noch einmal mit vier barocken Improvisationsvariationen über die Choralmelodie „Befiehl du deine Wege“.

Einen Blues der Extraklasse servierten die Bläser kurz darauf: „Ich möcht´, dass einer mit mir geht“ klang so gar nicht nach dem chorälespielenden Posaunenchor, sondern tatsächlich nach einer Bluesband, die mit lässiger Ruhe den Blues quasi durch die Kirche schiebt. Damit legte Ursula-Maria Busch mit dem Meller Posaunenchor ein ergreifendes und wunderbares Beispiel für die Wandlungsfähigkeit der Bläser ab. Ob in zurückhaltendem und einfühlsamem Rezitativspiel, ob als das Gemeindesingen begleitendes Gesamtinstrument oder als Konzertchor: der Posaunenchor Melle zeigte eine Bandbreite an musikalischen Gestaltungsmöglichkeiten, die ihresgleichen sucht.

Sigrid ten Thoren, Lesung, Ursula-Maria Busch, Leitung Posaunenchor, und Daniel Skibbe, Orgel,(von links) machten das Thema „Luft“ zu einem Konzert. Foto: Conny Rutsch

„Der Wind ist ein rauer, aber herzlicher Freund. Er bläst mir ins Gesicht und trägt meine winzigen Samenkörner wie Fallschirmchen davon“, las Sigrid ten Thoren aus dem „Psalm einer Pusteblume“, ging aber ebenso auf die Klimakrise ein und bat „Lass uns Atem schöpfen, Herr.“

Aus unterschiedlichen Epochen und Stilrichtungen machten die Musiker und die Solisten die „Luft“ zu einem hörbaren Erlebnis der ganz eigenen Art. Mit hochkonzentriertem, virtuosem Musizieren mit viel Herz und den nachdenklich stimmenden Texten beendete der Posaunenchor seine kleine Konzertreihe zu den vier Elementen. Und ohne eine Zugabe durfte der Abend selbstverständlich nicht enden.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN