Luca Thiel ist deutscher Meister Kart: Warum Meller das Weltfinale um sechs Tage verpasst

Bei der Zieleinfahrt nach dem letzten Rennen feiert Luca Thiel aus Melle seinen DM-Erfolg im Kart. Foto: Timo DeckBei der Zieleinfahrt nach dem letzten Rennen feiert Luca Thiel aus Melle seinen DM-Erfolg im Kart. Foto: Timo Deck

Bruchmühlen. Luca Thiel aus Bruchmühlen ist deutscher Meister in der Junior-Klasse der bundesweiten Kartserie Rotax Max Challenge geworden. Für den 15-jährigen Motorsportler war es der bislang größte Erfolg seiner jungen Karriere. Für 2020 peilt er die Titelverteidigung an. Und er will erstmals an der Europameisterschaft teilnehmen.

Die Rennen zur Rotax Max Euro Trophy werden in Belgien, Italien, England und Deutschland ausgetragen. „Bei meiner EM-Premiere möchte ich Erfahrungen sammeln und so weit vorne wie möglich im Klassement landen“, sagt Luca Thiel. Das wird sehr schwer, ahnt auch Vater Michael, der den Sohn gemeinsam mit seiner Frau Anna zu Trainings und Wettkämpfen begleitet. Die Saison ist gerade beendet. Doch Luca wird weiter Gas geben, um sich auf das kommende Jahr vorzubereiten. Das wird besonders herausfordernd, denn er rückt altersbedingt in die nächsthöhere Senior-Klasse auf.  

Die Herbstferien wird Familie Thiel auf der Adria-Rennstrecke in Norditalien verbringen – alles für die EM-Vorbereitung. Von dort aus könnten die Grönegauer fast im italienischen Sarno vorbeischauen. Dort findet im Oktober das Weltfinale der gerade beendeten Rotax-Nationalserien statt. Als deutscher Meister ist Luca qualifiziert. Eigentlich. Doch er darf nicht starten, da er für die nötige internationale Lizenz sechs Tage zu alt ist. Vater Michael hat am Telefon alles versucht, doch es gab keine Starterlaubnis.

Bei der Siegerehrung nach dem Finale der Deutschland-Serie Rotax Max Challenge erhielt Luca Thiel (Mitte) auch ein Ticket fürs Weltfinale, das er aus Altersgründen aber nicht nutzen kann. Foto: Thiel

Der Kartsport ist ein sehr aufwändiges Hobby, dem sich neben Luca auch seine Eltern verschrieben haben. „Hobby und Freizeit gehen ineinander über“, sagt Anna Thiel lachend. Die Wochenenden sind dem Kartsport gewidmet. Wenn ein Rennen ansteht, reist die Familie donnerstags nach der Schule an die Rennstrecken der Republik. Für jene Freitage hat Luca eine Schulbefreiung. Nach den Trainingsläufen wird es am Samstag und Sonntag ernst. Und nach den Rennen schrubbt Luca mit seinem Vater daheim ein bis zwei Tage lang den Kart sauber – auch, um eventuelle Schäden zu entdecken.

Und selbst ohne Wettkampf sind die Thiels am Wochenende auf einer Rennstrecke zu finden, denn nur dort kann Luca trainieren. „Jede Strecke ist aber gut 200 Kilometer entfernt“, klärt der Zehntklässler der Gesamtschule Rödinghausen auf. Von Ende 2011 bis 2018 hat der Nachwuchspilot die Trainingsbahn in Emsbüren genutzt und dort seine ersten Erfahrungen auf der Rundstrecke gesammelt. Zuvor war Luca zum Einstieg in den Sport ab 2010 Kartslalom gefahren.

Luca beim Serienfinale nervenstark

Inzwischen hat sich der Grönegauer dem niederländischen Team JJ-Racing angeschlossen. Und nach vierten und dritten Plätzen seit seiner Premiere bei der nationalen Rotax-Serie 2014 hat es für den Meller Nachwuchspiloten im neuen Team auf Anhieb mit dem Titel geklappt. Das ganze Jahr über war der Schüler schnell unterwegs, fuhr bei den Tageswertungen immer aufs Treppchen.

Vor dem Finalwochenende Mitte September am Vogelsbergring im hessischen Wittgenborn hatte er sieben Punkte Rückstand auf den bis dato Führenden – und wandelte sie nervenstark am Ende in einen satten Vorsprung um: Luca gewann am Finalsamstag alle drei Rennen und fuhr am Sonntag in der Reihenfolge die Plätze drei, zwei und eins ein. Nach dem ersten Rennen am Sonntag stand der Gesamterfolg fest. Doch Luca blieb fokussiert und brachte auch die letzten beiden Durchgänge erfolgreich ins Ziel. „Erst als ich über die Ziellinie gefahren bin, habe ich mich so richtig gefreut, weil es das letzte Rennen der Saison war und ich auch noch den Titel geholt habe“, erzählt der Sieger und wundert sich rückblickend selbst über seine Nervenstärke. Nach ersten spontanen Feierlichkeiten an der Strecke hat es inzwischen bei den Thiels ein Grillfest zu Ehren des deutschen Meisters gegeben.


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