Mut und Widerstand der starken Frauen Begeisterung beim Literaturfest in der Alten Stadthalle Melle

Von Marita Kammeier

Prominenter Besuch: Bürgerrechtsaktivistin Nahid Shahalimi, Autor Feridun Zaimoglu und Moderator Frank Schäfer bei "Starke Frauen und was sie bewegt" im Rahmen des Literaturfestes Niedersachsen. Foto: Marita KammeierProminenter Besuch: Bürgerrechtsaktivistin Nahid Shahalimi, Autor Feridun Zaimoglu und Moderator Frank Schäfer bei "Starke Frauen und was sie bewegt" im Rahmen des Literaturfestes Niedersachsen. Foto: Marita Kammeier

Melle. "Couragierten, mutigen Frauen eine Stimme geben", so lautet das Anliegen der in Afghanistan geborenen Schriftstellerin. Ihr Diskussionspartner Feridun Zaimoglu, einer der namhaftesten Autoren, setzt sich paradoxerweise für Frauen und gegen die Lügengeschichten der Männer ein.

Bei der 14. Literaturfest-Veranstaltung "Starke Frauen und was sie bewegt" stellte Feridun Zaimoglu seinen soeben erschienenen Roman "Die Geschichte der Frau" vor und diskutierte mit Nahid Shahalimi sowie dem Moderator Frank Schäfer darüber, wie Frauen die Welt verändern können.

Liste von Literaturpreisen

Der in Kiel lebende Autor mit Gastarbeiter-Kindheit weist eine lange Liste von Literaturpreisen auf. In seinem neuen Buch, das für den Preis der Leipziger Buchmesse 2019 nominiert ist, erzählt Zaimoglu aus Sicht der Frauen. Zu Wort kommen dabei zehn außergewöhnliche Frauen von Antigone und Brunhild über Prista Frühbottin bis zu Valerie Solanas.

"Ich denke nichts aus. Die wahren Geschichten sind immer unheimlich und haben keine Stabilität", sagt Feridun Zaimoglu, der sich seit 40 Jahren mit Religionen befasst. "Ich arbeite mit den Mitteln der deutschen Sprachkraft und dem intensiven Quellenstudium. Wenn ich für einen Stoff brenne, dann geht die Post ab", antwortet der Autor auf die Frage des Moderators nach dem Sound der Buches. "Ich schlüpfe für Wochen und Monate in die Rolle der Zippora und erlaufe mir so den Rhythmus der Sprache."

Anschließend las der Autor das Portrait der "Lore Lay" mit den Worten: "Ich bin die Magd Lore." Das Kunstmärchen sei der Fantasie des Clemens von Brentano im Jahr 1799 entsprungen. "Ich bin nicht das putzmuntere Weibsmädel, das die Herren anspornt und sie strafen die Widerrede", erklärt Lore.

Akribische Präzision

Mit akribischer Präzision, gewaltigen Gesten und immens aufwühlend beschreibt Zaimoglu Gefühle, Taten und Gedanken bis in die kleinsten Szenen. Seine Stimme schwingt dabei in melodischen Klangwellen.

Nahid Shahalimi floh als junges Mädchen aus Kabul und lebt seit 20 Jahren in München. Sie ist Gründerin und Vorsitzende der "Hope Foundation for Women und Children in Afghanistan" und Mitglied im Nationalkomitee von Unicef Deutschland.

In ihrem Buch "Wo Mut die Seele trägt: Wir Frauen in Afghanistan" stellt die Schriftstellerin 22 Frauen und Mädchen vor. Darunter eine Kampfpilotin und eine furchtlose 73-jährige Freischärler-Generalin.

"Ich sehe mutige Frauen, die Kraft zum Überleben brauchen und nicht auf den Bildschirmen zu sehen sind", so die Menschenrechtsaktivistin. "85 Prozent der Frauen, die außerhalb der Städte leben, leiden unter Gewalt."

Geballte Frauenpower

Die Schilderung der Verbrennung einer 27-jährigen Mathematikstudentin von jungen Männern in Kabul geht zu Herzen. Dieser Hass sei ein Machtinstrument. Nahid ist jedoch zuversichtlich, das sich die Einstellungen langsam ändern.

Die Veranstaltung in der Alten Stadthalle war eine Kooperation mit der Stadt Melle, der Stadtbibliothek und der VGH-Stiftung Osnabrück, die zu den größten Kulturstiftungen in Niedersachsen gehört.

Die geballte Frauenpower, von den Protagonisten sachlich und sensibel vorgetragen, begeisterte das Publikum. Eine diskussionsreiche Fortsetzung folgte im anschließenden Gespräch mit interessierten Zuhörern.

  


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