Fans bejubeln Band aus Köln Könige der Harmonien machen das Leben schön - auch in Buer

Die fünf Vokalisten des Ensembles Die Alten Bekannten waren wieder zu Gast zu Buer. Foto: Jens PinkertDie fünf Vokalisten des Ensembles Die Alten Bekannten waren wieder zu Gast zu Buer. Foto: Jens Pinkert

Buer. Da waren die Konzertbesucher der Reihe Martinimusik wieder einmal überrascht. So fanden sie den Kirchenraum im Altarbereich am Donnerstagabend beim Einlass reichlich geschmückt mit weißen Regenschirmen vor.

Nicht das hier zuvor ein Gottesdienst zum Thema „Schutz und Schirm“ stattgefunden hätte. Nein! Diese Schirme gehörten zur Choreographie des Kölner Spitzenensembles Alte Bekannte, die als Nachfolgeband der legendären Echo-Klassik Gewinner Wise Guys ihr zweites Bühnenprogramm „Das Leben ist schön“ in Buer auf die Bühne brachten. Später leuchteten die Schirme in vielen bunten Farben, die das Leben schöner machen. 

Reime und kreative Wortwahl

Die fünf Vokalisten bewiesen denn auch, dass sie ganz dem Stil ihres Vorgänger-Ensembles als Könige der Harmonien treu geblieben sind. Kein Wunder bei einer jüngeren Besetzung, die sogar noch etwas frischer und poppiger daherkommt als die Wise Guys. So sagten sie es dem Publikum auch mit einem Augenzwinkern bei der Vorstellung: "Wir sind zwei Profimusiker und drei, die schon bei den Wise Guys waren."  In ihren Liedern bedienten Sie sich eines textlichen Stilmittels, das durch witziges Aufzählen gesellschaftlicher Merkmale, Erlebnisse und Eigenschaften beim Publikum auf begeisterte Resonanz stieß: "Himmel blau, Sonne heiß, Cookido Vanille-Eis/ Kathedrale, Bach-Choral, Sauna, DFB-Pokal/ Gute Bücher, neuer Witz, ungeahnt bequemer Sitz/ Tageszeitung, Rätsel lösen, ohne Sorgen einzudösen"! Mit solchen Reimen und kreativer Wortwahl sangen sie sich in die Herzen der Zuhörer und fragten: Ist das Leben schön?

Ihre Songtitel sind meist passende Inhaltsangaben der Lieder: "Es macht Spaß, auch mal nett zu sein" zählt sympathische Beispiele der Nächstenliebe auf. Alle Eigenschaften, die ein toller Typ haben sollte, beschreibt "Der Perfekte Mann". Die Gruppe macht sich über empfindliches Verhalten bezüglich Multi-Kulti-Probleme und die Sensationsgeilheit der Medien lustig. So möchten die Alten Bekannten Donald Trump als Gärtner in Mexiko arbeiten lassen.

Beatbox-Wettbewerb und Achtziger-Medley

Künstlerischer Höhepunkt war der Beatbox-Wettbewerb mit drei kompetenten Breakbeat- und Geräuschemachern. Ein Achtziger-Medley aus „Sweet Dreams“ von Eurythmics, „Shout“, „Easy Lover“, „Don’t you forget about me“ und „Loco in Acapulco“ kam beim Publikum ebenfalls gut an.

Sänger Ingo ist aufs Land gezogen. Genauer: in die Eifel. Dafür erntete er von den Großstädtern Dän, Nils, Björn und Clemens die geballte Häme. „Your in the Eifel now“ sangen sie frei nach dem Ohrwurm von Status Quo. Von der Freiwilligen Feuerwehr erzählte der Song, der Ingo jetzt beitreten muss, um nicht als arroganter Sack rüberzukommen. Und von dem vielen Alkohol, den er mit den neuen Kumpels trinken muss. 

Bei ihm wurde im Tonstudio auf dem Dorf die neue CD produziert. Schließlich ist er es, der im realen Leben ein eigenes Tonstudio hat, wo die Band ihre Lieder aufnehmen kann. Aufm Land ist halt Platz, und Ruhe findet man da auch. Und offensichtlich auch Inspiration, sonst wäre die neue CD zum Programm, die den optimistischen Titel „Das Leben ist schön“ hat, nicht so toll gelungen.

Von Wahnsinn und Montagsallergie

Humorvoll dargebotene Sozialkritik durfte auch mal ran. Die deutsche Fassung von „La isla bonita“ beschrieb die Osterweiterung mit wachsender Ostkonkurrenz auf dem Niedriglohnsektor. Im Song übernahm Ladislav den Animationsjob im Ferienparadies vom einheimischen Frauenflüsterer Pedro. „Heut ist der Tag“ und „Sie ist der Wahnsinn“ waren typische Wohlfühl-Songs, bevor in der Zugabe die „Montagsallergie“ und der Kirmeskracher „Wir sind da!“ das Finale einleiteten.

Die Nachfolgeband der Wise Guys beendete den Auftakt der Herbstkonzerte in Buer – im ersten Teil in maßgeschneiderten Anzügen, nach der Pause deutlich lockerer im Outfit. Und man hätte sich gewünscht, sie würden niemals aufhören. Denn es war kaum zu glauben, welche Klänge und Rhythmen diese Sänger mit Mund, Nase und Rachen erzeugen.

Zum Schluss legten die Sänger ihre Mikros zur Seite und sangen aus dem Mittelgang der Kirche heraus eine Zugabe ganz ohne Verstärkung. Sie wurde mit nicht enden wollendem Applaus honoriert. Das blaue T-Shirt aus dem Shop des Ensembles verrät auf der Rückenseite bereits den nächsten Konzerttermin in Buer im Dezember 2020. Mehrere Dutzend Eintrittskarten wurden von der Fangemeinde für dieses Konzert bereits erworben. Lange Vorfreude ist also garantiert.


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