Mutige Worte Drei Frauen bestreiten Slamrevue in Alter Stadthalle in Melle

Von Conny Rutsch

Mutige Wörter fanden die modernen Slampoetinnen Leticia Wahl, Rita Apel und Tabea Farnbacher (von links). Foto: Conny RutschMutige Wörter fanden die modernen Slampoetinnen Leticia Wahl, Rita Apel und Tabea Farnbacher (von links). Foto: Conny Rutsch

Melle . Eine Facette mehr im Rahmen des Literaturfestes Niedersachsen schillerte am Donnerstagabend in Melles Alter Stadthalle. Drei Frauen bestritten einen Abend voller eindrücklicher Wörter im Rahmen einer Slamrevue zum Thema „Mut“.

Eine Poetry-Slam ist die moderne Form eines Dichterwettstreits. Selbst geschriebene Texte werden in einer festgelegten Zeit vorgetragen und später von den Zuhörern bewertet. In dieser Slamrevue präsentierten sich Tabea Farnbacher aus Hildesheim, Leticia Wahl aus Kassel und Rita Apel aus Bremen mit eigenen Texten nicht im Rahmen eines Wettbewerbes, sondern mit einer unterhaltsamen Reihung von Poesie und Prosa. 

Irritiert über bewertende Texte

Rita Apel war Grundschullehrerin und holte sich 2014 den Titel der niedersächsisch-bremischen Poetry-Slammeisterschaft. Einige Zuschauer zeigten sich später irritiert über ihre bewertenden Texte. Nicht sympathisch durch den Kakao ziehend, sondern auf scharfzüngig abwertende Art und Weise beschreibt sie einen Konzertbesuch bei den „Amigos“, die sicherlich nicht jedermans Musikgeschmack hören lassen und doch eine der erfolgreichsten Schlagerduos in Deutschland sind: „Leider bewarfen sie die Akteure nicht mit ihren Rollatoren“, liest sie auf das Fanalter anspielend.

„Haben Sie etwas, das nach Gülle riecht?“ legt sie einer Parfümeriekundin in den Mund, die als Antwort: „Nein, Günther Jauch hat noch kein Parfüm auf den Markt gebracht“ erhält. Rita Apel liebt nach eigener Aussage ein „Publikum, das richtig Remmidemmi macht“. Ihre Texte passten dazu.

Das Thema des Abends „Mut“ und Courage rund um die Frau behandelten dafür dann aber die beiden jungen Poetinnen aufs Beste.

Nicht leicht dahergesagt

Tabea Farnbacher ist amtierende U20-Vizemeisterin im niedersächsisch-bremischen Poetry-Slam und beeindruckte schon mit ihrem ersten Auftritt zum Thema „Aufwachsen“. Bis hin zum Verlieren der Unschuld als junge Erwachsene ließ sie Bilder in den Köpfen der Zuschauer entstehen über Scham in der Kindheit und Mut, ihn zu überwinden. Dass es mitunter auch eine Form von Mut kostet, telefonisch einen Internetvertrag zu kündigen oder überhaupt Post zu öffnen, kennt wohl jeder. Sehr fein trug die Psychologiestudentin ihre starken Themen vor, respektvoll und mutig rezitierte sie ihre Wortkompositionen, sich selbst dabei nicht in den Vordergrund rückend. „Bevor man mutig ist, muss man Angst haben, statt angstfrei mutig zu sein“, das ist so leicht gesagt, aber von der Poetin auf keinen Fall leicht daher gesagt, sondern tatsächlich empfunden. Sie verhehlt nicht, dass es auch Mut kostet, ein Thema schreibend und vortragend anzugehen, das kommt glaubhaft und sympathisch bei den Zuhörern an.

Sehr persönliche Texte

Leticia Wahl studierte Erziehungs- und Bildungswissenschaft und ist seit diesem Frühjahr mit ihrer ersten Soloshow als Poetin unterwegs. Die hessische Vizemeistern im Poetry-Slam von 2017 nahm sich die Nischenthemen vor, die eher im öffentlichen Leseraum als tabu gelten. Den jungen Schülerinnen des Gymnasium, die die Slamrevue besuchten, sprach sie wohl über alles, was mit der Menstruation zu tun hat, aus der Seele, wie deren Reaktionen zeigten. Mutig, über das Thema „ich blute“ zu sprechen mit schlauen Worten und starken Bildern. Später beeindruckte sie mit einem sehr persönlichen Text. Mit „Ich bin eine Wunde der Natur“ greift sie die vier Elemente Wasser, Luft, Feuer und Erde auf, beschreibt sich und damit auch jeden als Teil der Erde und als das, was sich aus den geschlagenen Wunden entwickelt.

Dieser tiefsinnige und erfrischende Abend im Zeichen der Wörter entließ die Zuhörer gut unterhalten und doch auch nachdenklich gestimmt.


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