Erkennen Sie die Melodie? Niedersächsische Musiktage: Musikcomedy im Forum Melle

Von Conny Rutsch

Frank Finkmann assistierte Aleksey Igudesman mit der Jonglage der hölzernen Spielhilfen für Hyung-ki Joo (von links). Foto: Conny RutschFrank Finkmann assistierte Aleksey Igudesman mit der Jonglage der hölzernen Spielhilfen für Hyung-ki Joo (von links). Foto: Conny Rutsch

Melle. Geht nicht, gibt’s nicht. Was alles so mit zwei Instrumenten anzustellen ist, ließen die Musikkomödianten Aleksey Igudesman, Violine, und Hyung-ki Joo, Klavier, am Sonntagnachmittag im Meller Forum hören.

Besondere Konzertformate und hochkarätige Künstler zeichnen die Niedersächsischen Musiktage nun schon im 33. Jahr aus. Der Meller Kulturring sowie die Niedersächsische Sparkassenstiftung hatten mit Igudesman&Joo ein Duo eingeladen, das sich auf „Die musikalische Hintertreppe“ begibt. So heißt das Programm der beiden Instrumentalkünstler, die sich seit ihrer Jugend abseits der Konzerthauptstraße bewegen. Und wie Frank Finkmann in seiner Begrüßung ankündigte: „Unter dem diesjährigen Motto der Musiktage `Mut` treiben sie Schabernack mit klassischer Musik.“

Mit einem Knalleffekt begannen Igudesman&Joo ihr komödiantischen Auftritt dann auch. Das allseits bekannte „Alla turca“ von Mozart für Klavier klingt eigentlich janitscharisch in moll. Doch „niedersächsisch positiv in Dur“ verlangte es der Pianist von seinem Geiger, kurz darauf sogar exotisch mit „B statt H“.

Dann verhohnepipelt Joo am Klavier die berühmte „Elise“ von Ludwig van Mozart“ und liegt kurz darauf unter den Tasten, in völlig abwegiger Position eine Gymnopedie von Erik Satie intonierend.

Völlig respektlos vermischen die beiden Künstler alles, was ihnen unter die virtuosen Finger kommt: den Chopinschen Trauermarsch mit Hits der Bee Gees, garniert mit russischen Kalinkaklängen oder einem flotten Swingtitel.

Sie kündigen Mozart an und zu hören ist der bekannteste Dreitöner der Welt mit dem Beginn von „Smoke on the water“ von Deep Purple, direkt gefolgt von Anklängen an Mozarts „Kleine Nachtmusik“ oder Beethovens 5. Sinfonie.

Eine herrliche Idee folgt nach der Pause. Der Geiger setzt sich an den Flügel und macht aus den Klaviertasten ein Computerkeyboard. Er öffnet das mail-Programm mit dem bekannten Jingle der Telekom, verschickt die e-Post mit einem Stückchen „Air on the G-String“ von Bach.

Sechsarmig: Aleksey Igudesman stellt seinen Duopartner Hyung-ki Joo mal eben in den Schatten. Foto: Conny Rutsch

Schlag auf Schlag, so schnell, dass das fröhliche musikalische Zitateraten richtig schwierig ist, mixen sie Songs von Louis Armstrong mit Anklängen aus „Ein Amerikaner in Paris“ und „Porgy and Bess“ von Gershwin, den Alexis-Sorbas-Erkennungstitel mit dem „Säbeltanz“ von Chatschaturjan, Paganini mit „Autumn leaves“. Das Harry-Lime-Thema aus dem Film „Der dritte Mann“ ist für Zither erdacht, und schwupps klingt es von den gezupften Saiten des Flügels, vermischt sich mit dem Lale-Andersen-Schlager „Ein Schiff wird kommen“ oder Vangelisklängen. Ob der „Elephant Walk“ von Henry Mancini oder Zitate des Jazzpianisten Deodato, ob Gloria Gaynor oder Brahms´sche ungarische Tänze: bei Igudesman&Joo geht irgendwie alles zusammen, bleibt sogar in klassischen Formen, findet immer wieder zum Beginn zurück. Das ist große Kunst.

Milchschäumer und Jonglage

Und dann präpariert Igudesman seine Geige mit einem geborgten Geldschein, die dann westernartig klingt oder spielt die Saiten mit einem Akkumilchschäumer. Tanz- und Gesangseinlagen von beiden Künstlern, während sie ihre Instrumente spielen, fehlen ebenfalls nicht, sogar eine Jonglage mit großen hölzernen Spielhilfen zaubern sie auf die Bühne.

Diese Art der Comedy verlangt ein Höchstmaß an virtuoser Kunst, denn ein scheinbar lässiges Umgehen mit dem Instrument setzt genau das voraus.

All das macht Spaß, vor allem denjenigen Zuhörern, die sich mit den Musikgenres auskennen und sattelfest im Melodienerkennen sind.

Igudesman&Joo inszenieren sogar eine Choreografie für einige Zuhörer, die sie auf die Bühne holen und zum Vergnügen des Publikums in Zeitlupe tanzen lassen. Selbstverständlich schenkten die Künstler nach viel Beifall im Stehen eine Zugabe vor dem Autogrammegeben im Foyer des Forums nach dieser wunderbaren Sonntagsunterhaltung.  


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