Drei Fragen an: Micha Nesemeyer „Wir lassen die gecoachten Meller Vereine nicht allein“

Micha Nesemeyer will den Gesundheitssport in Vereinen vorantreiben. Foto: Christoph FrankenMicha Nesemeyer will den Gesundheitssport in Vereinen vorantreiben. Foto: Christoph Franken

Melle . Micha Nesemeyer (33) ist Sportwissenschaftler, wohnt im Meller Ortsteil Westerhausen und kümmert sich an der Landesturnschule in Melle um das Projekt „Gesunder Turnverein Niedersachsen“. Ziel des Niedersächsischen Turnerbundes (NTB) ist es, den Gesundheitssport in Vereinen voranzutreiben.

Herr Nesemeyer, das Projekt wird landesweit schrittweise umgesetzt. Die Region Osnabrück hatte sich 2018 mit acht Vereinen beteiligt, darunter vier aus Melle. Wer kann mitmachen?

Es handelt sich um ein Pilotprojekt, dass wir aus personellen Gründen nach und nach in verschiedenen Regionen des Landes anbieten. Aus dem Bereich Osnabrück hatten sich 15 Vereine beworben, von denen acht zum Zuge kamen. Aus Melle waren das SuS Buer, Eickener SV, SC Melle und TV Wellingholzhausen. In dem Projekt wollen wir nach dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ die Vereine so unterstützen, dass sie sich zukunftsfähig aufstellen. Konkret verfolgen wir dabei gemeinsam drei Ziele: Wir helfen beim Aufbau von Gesundheitssport-Angeboten, beispielsweise beim Reha-Sport und Präventionskursen. Wir kennen nämlich die Förderrichtlinien der Krankenkassen sehr gut und schaffen gute Kontakte zu den Kassen, was für die Vereine hilfreich ist. Zweitens fördern wir Kooperationen im Ort und sorgen dafür, dass der Sportverein in seinem Umfeld auch für das Thema Gesundheit steht. Und drittens treten wir dafür ein, dass Vereine voneinander lernen. Über den Kontakt zu den teilnehmenden Vereinen erkennen wir zudem deren Probleme und entwickeln dann für alle 2850 Vereine in Niedersachen eine Art Kochbuch, wie mit den Problemen umgegangen werden kann.

Was hat sich bei den Meller Vereinen herauskristallisiert?

Parallel zum Projekt findet begleitend eine Fragebogenaktion statt. Nach deren Auswertung können wir feststellen, dass die Vereine dank unserer Beratung jetzt mehr als doppelt so viele Gesundheitsangebote als vorher unterbreiten. Außerdem konnten wir feststellen, dass die teilnehmenden Vereine einen Mitgliederzuwachs von fünf Prozent verzeichneten. Der Landesdurchschnitt liegt bei drei Prozent. Und im Rahmen des Projekts wurde außerdem dafür gesorgt, dass sich die interne Kommunikation in den Vereinen deutlich verbessert. 

Welche Probleme bei den Vereinen machen Sie in der laufenden Auswertungsphase aus?

Die Gewinnung von ehrenamtlichem Personal wird immer schwieriger, weil solches Engagement insgesamt zurückgeht. Also muss im Verein eine Atmosphäre geschaffen werden, die positiv ausstrahlt. Keiner darf sich mehr allein gelassen fühlen. Die Verantwortlichen müssen sich außerdem stärker um die Leute bemühen, die grundsätzliches Interesse an einer Mitarbeit haben. Als weiteres Manko haben wir den Bereich Öffentlichkeitsarbeit ausgemacht. Wir fragen: Wie präsentiert Ihr Euch nach außen? Da kann es zum Beispiel um die Gestaltung der Internetseite des Vereins gehen. Hierfür gibt es bereits klare Handlungsempfehlungen des NTB. Wichtig ist mir noch, zu betonen, dass wir die von uns gecoachten Vereine auch anschließend nicht alleine lassen. Wir wollen Synergien schaffen und Veriene untereinander vernetzen, damit jeder vom anderen lernt.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN