Schatten-Kick in Wellingholzhausen Bolzplatz-Tester Luis Böhnensieker und Julian Kalberg

Unsere Bolzplatz-Tester in Wellingholzhausen: Luis Böhnensieker (links) und Julian Kalberg. Foto: Heike DierksUnsere Bolzplatz-Tester in Wellingholzhausen: Luis Böhnensieker (links) und Julian Kalberg. Foto: Heike Dierks

Wellingholzhausen. Der zweite Teil der Bolzplatz-Serie führt uns nach Wellingholzhausen. Luis Böhnensieker (10 Jahre) und Julian Kalberg (9) testen für das Meller Kreisblatt den Bolzplatz an der Eichendorffstraße nach verschiedenen Kriterien.

Die Freunde haben den Bolzplatz an der Eichendorffstraße zum Kicken genauso auf dem Radar wie ihren heimischen Garten und den alten Sportplatz an der Schule. Beide Wellingholzhauser wohnen unweit des Bolzplatzes. Das Areal mitsamt Spielplatz in der Eichendorffsiedlung ist gut erreichbar und liegt zugleich etwas abgeschirmt unter Bäumen. Für die Lage verteilen Julian, der nach den Sommerferien in der ersten E-Jugend kickt, und D-2-Spieler Luis also Pluspunkte. 

Besonders begehrt ist dieser Platz alle vier Wochen, wenn die Jungs mit Freunden und ihren Vätern im Sommer zwei Stunden lang in gemischten Teams kicken. „Unsere Papas können wohl einigermaßen spielen, manchmal rutschen sie allerdings über den Ball. Oder sie laufen in die Büsche, weil sie nicht stoppen können“, erzählen die Jungs feixend. „Für uns Väter wird es immer anstrengender, weil die Kinder immer besser werden“, gesteht Julians Papa Jürgen Kalberg. Vor dem großen Spiel bemüht man sich um einen Mähtermin bei der Stadt, sonst schwingen die Männer den Rasenmäher auch selbst. 

Ältere Tore ohne Netz und Schatten durch hohe Bäume: Der Bolzplatz an der Eichendorffstraße in Wellingholzhausen versprüht altehrwürdigen Charme. Foto: Heike Dierks

Die Väter Jürgen Kalberg und Tobias Böhnensieker kennen den Bolzplatz seit ihrer Jugend. Die beiden Tore dürften wohl auch noch aus dieser Zeit stammen, mutmaßen sie. „Die Tore wackeln etwas“, moniert Jungkicker Luis. „Ich wünsche mir größere und festere Tore“, stimmt Julian mit ein. Weil keine Tornetze beziehungsweise -gitter vorhanden sind, müssen die Spieler bei ungünstigem Torabschluss auf der einen Seite gelegentlich weit hinter den abtrünnigen Bällen herjagen. „Manchmal laufen wir die Straße runter bis zur Eisdiele“, berichtet das Duo.

Das hat auch damit zu tun, dass der Zaun hinter dem Tor auf jener etwas abschüssigen Seite alt und löchrig ist und daher nicht alle Bälle auf dem Spielfeld hält, wie die Jungs erklären. Auf der gegenüberliegenden Seite verhindert ein neuer Zaun das Ausbüxen des Leders. Direkt hinter den Zäunen ragen dichte Büsche und hohe Bäume empor. Dadurch wird das Spielfeld beschattet, was die Jungs super finden. Auch bei der Größe des Feldes gibt es für sie nichts zu meckern.

Bolzplatz an der Eichendorffstraße frisch gemäht gut bespielbar

Die Bespielbarkeit des Untergrunds hängt logischerweise stark von der Rasenlänge ab. „Wenn der Rasen nicht gemäht ist, kann man schlecht flach schießen“, äußert Luis, der Bald-Sechstklässler der IGS Melle, und macht es vor: Sein Pass wird vom zu dem Zeitpunkt recht hoch stehenden Gras gebremst. „Aber wenn der Platz frisch gemäht ist, ist er gut bespielbar“, betonen die beiden jungen Fußballer des TV Wellingholzhausen und ihre Väter beim Testtermin unisono.

Wenn mangels Teilnehmern kein großes Spiel auf zwei Tore zustande kommt, schießen Julian und Luis abwechselnd aufs Tor. Oder sie halten den Ball hoch: Bei der Spielform „MUFF“ darf der Ball einmal  aufkommen oder wird direkt zum Partner gespielt. Macht jemand einen Fehler, bekommt er einen Buchstaben aus dem Spielnamen zugewiesen. Sind alle vier Buchstaben verballert, gibt es eine Bestrafung. Die in Melle dabei offensichtlich gängige Variante: Der Verlierer dreht sich um und wird auf Po-Höhe abgeschossen. Auch „Hoch hinein“ ist in Wellingholzhausen angesagt: Mindestens zwei Feldspieler spielen sich den Ball hoch zu und schießen volley aufs Tor. 

Der Bolzplatz ist natürlich nicht so eben wie ein regelmäßig gepflegter Vereinsplatz. Deswegen verzichten die Freunde auf dem altehrwürdigen Bolzer in Welling auf Tricks. „Sonst bleibt man im Boden hängen“, sagt Julian, der nach den Sommerferien die fünfte Klasse des Gymnasiums besucht. An der Eichendorffstraße wird also gern bodenständig gekickt.


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