Drohnen-Retter sind erfolgreich Viele Rehkitze auch in Melle gerettet

Erfreuliches Ergebnis: Sven Pots (links) und der Gesmolder Carsten Kemna blicken auf eine erfolgreiche Saison zurück. In ihren Dokumentationen zählt das Duo Rehkitzrettung Osnabrücker Land 104 gerettete Kitze. Foto: Carolin HlawatschErfreuliches Ergebnis: Sven Pots (links) und der Gesmolder Carsten Kemna blicken auf eine erfolgreiche Saison zurück. In ihren Dokumentationen zählt das Duo Rehkitzrettung Osnabrücker Land 104 gerettete Kitze. Foto: Carolin Hlawatsch

Gesmold/Wellingholzhausen. Ihren ersten Einsatz hatte die Rehkitzrettung Osnabrücker Land in dieser Saison am 18. April, den letzten Ende Juni. In dieser Zeit gelang es ihnen insgesamt 104 Kitze und viele andere Tierkindern wie Junghasen oder Enten- und Fasanenküken vor einem Tod durch Mähwerke zu schützen.

„18 Kitze in 2017, 39 Kitze in 2018 und in diesem Jahr sogar fast dreimal so viele“, resümieren Carsten Kemna aus Gesmold und Sven Pots aus Nemden, zufrieden auf ihre Listen und Fotos blickend. Ehrenamtlich überfliegen sie seit drei Jahren im Frühling und Frühsommer, die Reh-Kinderstuben mit Drohnen und daran angebrachter Wärmebildkamera.

Das Wärmebild wird per Funk zum Bildschirm am Boden übertragen. Ein Helfer mit Handschuhen und Tragekorb wird dann mittels Funkgerät zum Rehkitz geführt.

 Das Kitz wird zügig und vorsichtig aufgenommen und an einen, vor den Mähern sicheren Ort, wie zum Beispiel den nächsten Waldrand getragen. Die Kitz-Suche aus der Luft sei schneller und treffsicherer als das konventionelle Absuchen, bei der die Fläche oftmals durch Jäger mühsam engmaschig durchschritten werden musste.

Bessere Trefferquote

Ihre so stark angestiegene „Trefferquote“ erklären Pots und Kemna zum einen durch den Einsatz verbesserter Technik. Ihre neuen Drohnen fliegen deutlich höher als die in den Vorjahren eingesetzten. Aus der gesteigerten Flughöhe ergebe sich eine größere Flächenleistung.

Zum Anderen, und das sei wohl der Hauptgrund für ihren Erfolg, haben sich so viele Mithelfer gefunden, wie nie zuvor. „Wir freuen uns, dass der von uns angestrebte Multiplikator-Effekt tatsächlich eingetreten ist“, sagt Pots. Landwirte, Jäger und Tierfreunde packten nicht nur mit an, sondern zeigten auch großes Interesse an der eingesetzten Rettungs-Technik, sodass sich bereits drei weitere ehrenamtliche Gruppen gegründet und entsprechend ausgerüstet haben.

Carsten Kemna und Sven Pots sind begeistert von und dankbar für die viele Unterstützung, die sie bekommen. Da ihre Wärmebildkameras in den frühen Morgenstunden am besten funktionieren, weil es dann noch kühl ist und die Differenz zwischen Außentemperatur und gesuchtem Kitzkörper noch am größten ist, rückten sie manchmal schon um zwei Uhr morgens aus. „Wenn man um diese Zeit an die Wiese kommt und da stehen bereits sechs hochmotivierte Freiwillige, bestens organisiert mit Tragekörben für die Tiere und Kaffe zur Stärkung des Teams dann ist das schon beeindruckend“, betont Carsten Kemna. „Das macht richtig Spaß“.

Landwirte gefragt

Toll sei es auch zu erleben, dass sich mehr Landwirte Gedanken zum Thema Tier- und Naturschutz machen. Denn sie seien es, die die Kommunikationskette Landwirt-Jäger-Kitzretter auslösen müssen, sie kündigen an, wenn ihre Felder gemäht werden. Die Jäger kommen dann hinzu um beim Umsetzen der Wildtiere zu helfen. Selbst alteingesessene Jäger freuten sich wie Kinder, wenn sie ein Kitz aus dem Feld trugen. „Da muss man erst 75 Jahre alt werden, um ein Kitz zu retten“, habe ein Waidmann begeistert gerufen.

Einen besonderen Fund machte die Rehkitzrettung Osnabrücker Land in Wellingholzhausen sowie in Hilter und Ibbenbüren. An diesen drei Orten retteten sie jeweils ein schwarzes Rehkitz. Schwarze Rehe kommen sehr viel seltener vor als ihre Artgenossen mit rot-bräunlichen Fell.

Ein weiterer spannender Einblick in die Tierwelt ergab sich durch Wildkameras, die einige Helfer an den Feldrändern aufstellten. „Das war nochmals der Beweis, dass es funktioniert“, berichten Pots und Kemna. „Die Kitze fiepen, rufen nach ihren Müttern und die Ricken finden ihren umgesetzten Nachwuchs in Sicherheit wieder“.

Weitere Infos über die Rehkitzrettung Osnabrücker Land und Workshops auf: www.rehkitzrettung.eu


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