Experiment der Tagespflege: Mit dem Rollator zum Füttern Meller Senioren freuen sich über Leih-Hühner

Das Füttern ist für Nicole Husmann, Elisabeth Osterheider-Breeck, Rosel Nettelbeck und Gertrud Lietmann (von links) ein großer Spaß.      Fotos: Norbert WiegandDas Füttern ist für Nicole Husmann, Elisabeth Osterheider-Breeck, Rosel Nettelbeck und Gertrud Lietmann (von links) ein großer Spaß. Fotos: Norbert Wiegand

Melle. Mit Freude und Begeisterung versorgen Senioren und Seniorinnen in der Tagespflege Wellingholzhausen lebendes Geflügel. Die Einrichtung experimentiert derzeit mit geliehenen Hühnern.

„Das ist eine richtig gute Idee - ich hatte früher 40 Jahre lang Hühner und jetzt habe ich wieder welche“, freut sich Seniorin Gertrud Lietmann über die gefiederten Gäste auf der Wiese nebenan. Die 95-jährige Elisabeth Osterheider-Breeck holt wie jeden Morgen fünf Eier aus den Legenestern, die in dem kleinen mobilen Stall gut zugänglich integriert sind. „Das sind unsere Frühstückseier für Morgen oder Übermorgen“, erklärt Rosel Nettelbeck.

Die Frühstückseier holt Elisabeth Osterheider-Breeck (95) jeden Tag aus den gut zugänglichen Legenestern des kleinen mobilen Stalls. Foto: Norbert Wiegand


Die drei Seniorinnen machen sich mit ihren Rollatoren zusammen auf den Weg zum Hühnergehege, das auf einer angrenzenden Rasenfläche der katholischen Kirchengemeinde einen guten Platz gefunden hat. Auf dem Weg dorthin erzählt Rosel Nettelbeck, dass die Helferinnen in der Tagespflege sich immer wieder tolle Angebote ausdenken und jetzt auch noch als Höhepunkt Hühner angeschafft haben.

Mobiler Mini-Stall

„Wir haben uns die Hühner nur für vier Wochen geliehen“, erklärt Nicole Husmann, die Leiterin der Tagespflege. Es handele sich um eine von zwei „Reisegruppen“ mit jeweils fünf Hühnern, die Reinhard Többen aus Oesede verleiht. Der Verleiher bringt die Hühner samt mobilem Mini-Stall und Futter, kümmert sich vorher um die Impfungen, Milben-Vorsorge und die erforderliche Hygiene. „Das alles könnten wir im Tagespflege-Alltag nicht leisten, vor allem nicht an Wochenenden und im Winter“, berichtet Husmann. Auch wenn ein Huhn krank wird, komme der Verleiher extra raus. Durch eine Spende kann sich die Tagespflege die Mietkosten von 50 Euro pro Woche leisten. „Das ist für uns günstiger als eigene Hühner“, resümiert sie.

Die Senioren freuen sich über die gefiederten Freunde. Das Füttern bereitet den Damen besonders viel Spaß. Foto: Norbert Wiegand


„Zu einer familiären Atmosphäre, wie wir sie wollen, gehören auf dem Land auch Nutztiere dazu“, begründet Nicole Husmann den Versuch mit den Leih-Hühnern. „Viele unserer Tagesgäste hatten früher selbst Hühner und werden durch die Begegnungen mit dem Federvieh aktiver und zum Erzählen angeregt“, hat die Tagespflege-Leiterin nach drei Wochen Erfahrung festgestellt. Außerdem bräuchten ältere Menschen Aufgaben, das täte ihnen gut. So bewertet sie nach schon positiven Erfahrungen mit dem Therapie-Hund auch das Hühner-Experiment als Erfolg.

Weitere vier Wochen

Und zum Schluss hat Nicole Husmann noch eine gute Nachricht für die hoch erfreuten Tagesgäste, die schon bedauert hatten, dass die Hühner in einer Woche weiterreisen würden: „Die Reisegruppe mit unseren fünf Hühnern bleibt noch vier Wochen länger bei uns, weil eine andere Einrichtung abgesagt hat. Und weil wir so nett mit seinen Hühnern umgehen, überlässt Reinhard Többen uns seine Hühner sogar kostenlos.“


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