Ganz großes Hör-Kino Bond-Melodien beim sommerlichen Orgelkonzert in Melle

Von Conny Rutsch

Humorvoll als Organist und Moderator: Erik Hoeppe konzertierte an der Christian-Vater-Orgel mit Titelsongs diverser Bondfilme. Foto: Conny RutschHumorvoll als Organist und Moderator: Erik Hoeppe konzertierte an der Christian-Vater-Orgel mit Titelsongs diverser Bondfilme. Foto: Conny Rutsch

Melle. Unerhört Weltliches? Geht denn das? Ganz klar, das geht. Die Petrikirche war richtig gut besucht für ein sehr besonderes zweites sommerliches Orgelkonzert am Mittwochabend.

Wie schon vor drei Jahren erregte der junge Berliner Organist Erik Hoeppe Aufsehen, nein besser: Auf-Hören.

Diesmal kamen nicht Bach und seine kirchenmusikalischen Komponistenkollegen zum Zuge, sondern James Bond. Wie bitte? Ja genau, die Musik der Bondfilme hatte sich Erik Hoeppe ausgesucht und lockte damit auch Filmfans in die Kirche, die Bachfugen vermutlich verschmähen würden. Auf dem Weg zum Konzert schon durften die Besucher der ungewöhnlichen Musikmixtur von Bach bis James Last von Gerd Kruse am Carillon im Rathausturm lauschen.

Begnadeter Musiker

Zwölf Titelsongs der Bondfilmreihe von 1962 bis 2015 arrangierte sich der begnadete Musiker für die Kirchenorgel. Und im besten Sinne respektlos nahm er die historische Christian-Vater-Orgel in musikalischen Besitz und wandelte ihr enorm großes Klangvolumen in ein Hör-Kino um. Mit launigen Moderationen per Mikrofon von der Orgel aus stellte Erik Hoeppe jeden Titelsong samt Sängern, Komponist und dem jeweiligen Bond-Darsteller kurz vor. Interessante Informationen lockerten die Folge der Filmmusiken auf: etwa, dass Shirley Bassey vor der Queen gesungen hat, dass „Live and let die“ des gleichnamigen Bondstreifens von Paul McCartney als erster Titelsong für einen Oskar nominiert wurde oder dass Sheena Easton als einzige Sängerin im Vorspann eines Bondfilms in „For your Eyes only“ auch zu sehen war.

Georgelt, nicht gerührt

Spannend war es anzuhören, was der Berliner Organist unter dem Motto „Georgelt, nicht gerührt!“ in die Pfeifen zauberte. Das klang gleichermaßen ungewöhnlich, wie mitunter auch bekannt sakral und hymnisch. Und schwierig zu spielen ist solche Unterhaltungsmusik auf jeden Fall, denn der Organist muss die Behäbigkeiten eines riesigen historischen Instrumentes auszuloten wissen. Staccati, getupfte Akkorde, Glissandi und schwierige Rhythmusgefüge meisterte Erik Hoeppe geschickt. „Man kann alle Instrumente auf einer Orgel umsetzen, nur das Schlagzeug nicht. Deshalb hau ich mal um mich“, witzelte der Musiker und erklärte mit „Hand auf Bank“ die Orgelbank kurzerhand zum Drumset.

Neue Klangerfahrung

Gleich den ersten Titel „James Bond Theme“ zum Agentenstreifen „James Bond jagt Dr. No“ inszenierte Erik Hoeppe mit der Walkingbass-Linie im Pedal und zungenlastiger Registrierung. Damit mutierte das königliche Instrument ein bisschen zur Drehorgel. Herrlich. Nicht nur den von Shirley Bassey gesungenen Titel „Diamonds are forever“, der mit den so typischen Achtelketten beginnt, versah der Organist mit effektvollen Glissandi begleitet von Klappergeräuschen der Tasten: eine ganz neue Klangerfahrung.

Casino Royale als Zugabe

Bis hin zur Zugabe „Casino Royale“ aus dem Jahr 1967, einer Parodie auf die bisherigen Bondfilme, ließ Erik Hoeppe alle erdenklichen Klangfarben der Orgel hören, mit virtuoser und ausdrucksstarker Tastenkunst. Dass er auch noch zu einer fröhlich-komödiantischen Moderation fähig ist, zeigte er in der Konzertpause mit einem Bond-Quiz. Da erfuhren die Konzertbesucher dann etwa, dass im „Vesper“, dem Bond-Cocktail aus Gin und Wodka, gar kein Martini drin ist. Für richtige oder humorvolle Antworten verteilte Erik Hoeppe großzügig Getränkebons, die er nach dem Konzertabend persönlich in die passenden Cocktails eintauschte: Gerührt, und nicht mehr georgelt. 


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