Drei Fragen an Swetlana Koslowskaja Weißrussin berichtet von Erfahrungen mit Gomel-Kids in Melle

Von Marita Kammeier

Swetlana Koslowskaja. Foto: Marita KammeierSwetlana Koslowskaja. Foto: Marita Kammeier

Melle. Vor 27 Jahren, im Sommer 1992, kamen die ersten Kinder aus Gomel, Weißrussland, für einen Austausch nach Melle. Nun endet die Aktion. Im nächsten Sommer wird es keinen Besuch der Gomel-Kids geben. Eine, die die Kinder seit Jahren begleitet, ist Swetlana Kosloskaja. Wir haben sie gefragt, was sie vermissen wird, wenn sie wieder in ihrer Heimat ist.

Swetlana Koslowskaja ist eine couragierte Weißrussin, stark und autark. Neben ihrem Beruf als Deutschlehrerin in der Region Gomel belegt sie das Diplomstudium Bildungsmanagement, dass sie in einigen Monaten abschließen wird. Seit 2006 hat sie fast jedes Jahr Gruppen beim vierwöchigen Ferienprogramm in Melle betreut. Als eine von drei Dolmetscherinnen übersetzt sie für Kinder sowie Gasteltern und arbeitet eng mit dem Arbeitskreis der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde St. Petri zusammen.

Swetlana, heute ist dein letzter Tag in Deutschland. Was wirst du am meisten vermissen, wenn du wieder zuhause bist? 

Meine deutschen Freunde, denn die liegen mir sehr am Herzen. Und damit meine ich vor allem das herzliche Lachen und die Freundlichkeit von allen Menschen, die ich in den vergangenen 13 Jahren kennengelernt habe. Vermissen werde ich auch das Beisammensein mit guten Gesprächen und Ratschlägen. Ein Beispiel von vielen: Bei Problemen den Satz sagen "Abwarten und Tee trinken". Das finde ich sehr klug und gebe es gern an meine Freundinnen und Kollegen weiter.

Was nehmen die Kinder von ihren Gasteltern aus Melle mit?

Vor allem die Etikettregeln, Pünktlichkeit und Flexibilität. In Gomel arbeiten beide Elternteile zumeist unter Stress, um den Unterhalt zu finanzieren und haben daher wenig Zeit für ihre Kinder. Alles muss schnell gehen. Hier erleben die Jungen und Mädchen zum ersten Mal respektvollen Umgang, Höflichkeit und die Einhaltung von festen Zeiten mit regelmäßigen Mahlzeiten. Danke sagen, gerade Haltung, das ist alles neu. Kinder, die zum ersten Mal hier sind, fragen mich dann: "Warum ist das in Deutschland so?" Sie genießen die Gemeinschaft am Tisch mit lustigen Gesprächen sehr und lernen dabei eine ganz neue Mentalität kennen.

Weißt du schon, wie du deine Zeit im Juni 2020 verbringen wirst? 

Ja, dann werde ich die 10. und 11. Klasse unterrichten. Prüfungen im Unterrichtsfach Deutsch müssen absolviert und der Schulabschluss vorbereitet werden. Dann habe ich 57 Tage Urlaub, und wo ich die verbringe, das weiß ich noch nicht. Vermutlich zuhause, am liebsten würde ich jedoch wieder nach Deutschland fahren.                                                  


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