Alte Flugzeuge und ein Denkmal Treffen von Bölkow-Freunden am Flugplatz in Melle

Von Conny Rutsch

Mit dem „Stieglitz“-Doppeldecker flog Claus Cordes (links) als Ehrengast des Bölkow-Treffens ein, das Heiner Wilms aus Buer in Eicken organisiert hatte. Foto: Conny RutschMit dem „Stieglitz“-Doppeldecker flog Claus Cordes (links) als Ehrengast des Bölkow-Treffens ein, das Heiner Wilms aus Buer in Eicken organisiert hatte. Foto: Conny Rutsch

Melle. Sie ist über 50 und hat von ihrem Charme nichts eingebüßt. Im Gegenteil, für Christian Weber ist sie das beste Flugzeug der Welt. Mit seiner Bölkow Junior BO 208 kam er am Wochenende aus Süddeutschland zum Flugplatz in Eicken-Bruche geflogen, um mit gleichgesinnten weiteren 60 Piloten solch alter Flugzeuge zu fachsimpeln, zu feiern und Ausflüge in den Grönegau zu unternehmen

Das Treffen der Bölkow-Freunde findet einmal im Jahr auf private Initiative hin statt. „Weil ich bei unserem Treffen im vergangenen Jahr an der Müritz vermeintlich das schönste Flugzeug vorweisen konnte, weil ich es extra gewaschen hatte, wurde ich ausgewählt, diesen Wochenende hier in Eicken zu organisieren,“ erzählt Heiner Wilms aus Buer augenzwinkernd, dessen Bölkow BO 207 gewissermaßen schon als Reisemaschine gelten kann, weil sie viersitzig zu nutzen ist. In Serie wurde dieses Flugzeug nur 92 mal gebaut.  

In langer Reihe parkten die alten Flieger auf dem Flugplatz in Eicken-Bruche. Foto: Conny Rutsch


So wirklich elegant wirken die kleineren Flieger der 208er Reihe nicht, böse Zungen würden vielleicht „Blechkisten“ murmeln. Der Rumpf wirkt kastig, die gläserne Kuppel, unter der der Pilot sitzt, liegt relativ weit vorne, die einfach viereckigen Flügel scheinen in seiner Augenhöhe gleich hinter seinen Ohren anzusetzen. Wie aus einer anderen Welt wirken die vornehmlich in rot-weiß, blau-weiß oder grün-weiß lackierten Flugzeuge. „Keins dieser Flugzeuge ist unter 50 Jahre alt, weil sie nur bis zum Ende der 1960er gebaut wurden“, erzählt Heiner Wilms.

Nachkriegssportflugzeuge 

Diese Nachkriegssportflugzeuge wurden von Ludwig Bölkow konstruiert, dem Gründer des Flugzeugherstellers Bölkow-GmbH. Später legte er mit der Übernahme der Waggon- und Maschinenbau GmbH Donauwörth den Grundstein für das Airbus Helicopters-Werk an gleichem Ort.

Die Geschichte dieser kleinen Flieger kennen ihre Piloten alle, die aus ganz Deutschland, aus England, Schottland und Schweden in Eicken einflogen. Für sie hatte Heiner Wilms eine Besichtigungstour zunächst in die Ruschmeyer Werke auf dem Flugplatzgelände organisiert, wo sie über das gleichnamige und in Melle entwickelte einmotorige Flugzeug informiert wurden. Eine Besichtigung des Automuseums folgte. Selbstverständlich wollten die englischen Gäste unbedingt die Landeplätze sehen, die Feldmarschall Montgomery im Grönegau nutzte: einer in der Nähe des Gutes Ostenwalde, ein anderer auf der Wennigser Höhe.

Für die Gäste aus England, wie Derek Hampson, organisierte Heiner Wilms eine Fahrt zu den Flugplätzen Feldmarschalls Montgomery. Foto: Conny Rutsch


Und dann war da noch ein Flugzeug, genauer gesagt ein Flugzeug-Denkmal. Das hatte Luftfahrt-Kapitän Claus Cordes aus dem Norden der Republik mitgebracht: einen Focke-Wulf-Doppeldecker „Stieglitz“, Baujahr 1936. Cordes flog die Lockheed „Super Constellation“ sowie Boeings und Airbusse, die Lufthansa Cargo mit Einsätzen rund um die Welt sowie das Traditionsflugzeug Ju 52 „Berlin Tempelhof“ und viele Flugzeugtypen mehr. 

Mit dem „Stieglitz“ aber sei es eine ganz besondere Art des Fliegens, da er auch für den Kunstflug verwendet werden kann. Bei der Luftwaffe diente er als Schulflugzeug für die Ausbildung von Jagdfliegern. „Als dieser Doppeldecker noch Karl-Heinrich Lemmerbrock hier in Melle gehörte, durfte ich es mehrere Jahre in den 1980ger Jahren fliegen“, erzählt Heiner Wilms. Damit war der Bezug zum Ehrengast des Treffens, dem heutigen Besitzer des roten „Stieglitz“, Carl Cordes, hergestellt.

Bei herrlichstem Flugwetter genossen die Piloten das ungezwungene Ambiente auf dem Eickener Flugplatz, auf dem der Segelflugbetrieb weiterlief, und der auch nicht weiter abgesperrt worden war. Viele der Bölkow-Freunde lehnten sogar dankend die Übernachtungsmöglichkeiten in örtlichen Hotels ab, sondern nächtigten gleich in kleinen Zelten unter den Flügeln ihrer Flieger.



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