Viel Prominenz zur 800-Jahr-Feier So feierte Melle schon vor 50 Jahren ein großes Stadtjubiläum

Von Uwe Plaß

Foto: Stadtarchiv MelleFoto: Stadtarchiv Melle

Melle. Kurz vor dem Festwochenende 850 Jahre Melle ist es angebracht, einmal zu schauen, wie vor 50 Jahren die Feierlichkeiten abliefen. Um es vorwegzunehmen: Es war eine riesige Veranstaltung, die das kleine Melle kurz vor der Gebietsreform stemmte. Die älteren Meller erinnern sich noch gerne daran.

Es war um den Jahreswechsel 1968/69 als Schulkinder die Meller Haushalte abklapperten, um das Programm für das Jubiläumsjahr für eine DM zu verkaufen. Die Hefte mit dem markanten gelb-blauen Cover finden sich auch heute noch in vielen Haushalten. Die Stadt – das war damals lediglich der heutige Stadtteil Melle-Mitte ohne Altenmelle, Bakum und die anderen Ortsteile.

Festgottesdienste damals noch nicht ökumenisch

Satte 104 Seiten umfasst das Programm, welches auch gleichzeitig als Festschrift dient. Das Programm hatte es in sich. Bereits am 11. Januar 1969 war fiel mit dem offiziellen Festakt im städtischen Festsaal – heute Theater Melle – am Schürenkamp der Startschuss. Als besonderer Ehrengast hielt Ministerpräsident Georg Diederichs ein Grußwort. Am selben Tag eröffnete auch die Ausstellung „Kirche – Adel – Gilde – Bürgertum“ in Ratsschule und Sparkasse. Abends spielte das Göttinger Symphonieorchester ein Konzert. Am nächsten Tag folgten die Festgottesdienste; schön getrennt – von Ökumene war noch nicht viel zu spüren.

Was in den nächsten Wochen folgte, war ein Feuerwerk an Veranstaltungen. Nicht alle waren spezielle Jubiläumsveranstaltungen. Aber alle Vereine und Institutionen griffen gemeinsam ins Rad und stellten ihre Aktivitäten ganz ins Zeichen des Stadtjubiläums – oftmals einfach etwas größer als sonst. Zahlreiche Konzerte, Lesungen, Ausstellungen, Sportveranstaltungen und sonstige Darbietungen fanden über das ganze Jahr statt. Für jede Altersgruppe und jeden Interessentenkreis war etwas dabei. Die Stadt ihrerseits peppte manche Veranstaltung anlässlich des Jubiläums mit Preisen auf. Selbst bei der Dackelausstellung wurde ein Ehrenpreis der Stadt verliehen. Viele Vereine holten auch ihre Verbands-, Kreis- oder Landestagungen nach Melle. Auf diese Weise konnte etwa der Hausfrauenbund seine Präsidentin hierher locken, die über das „Porträt der modernen Hausfrau“ referierte.

Magnet über Melles Grenzen hinaus

Ein Highlight war im Mai die Jubiläumsausstellung für Landwirtschaft, Gastronomie, Industrie, Handel, Handwerk und Gewerbe im und am Grönenbergpark. Melles gute Stube wurde zu einem riesigen Messegelände, mit zahlreichen Zelten. Auf dem Freigelände wurden Fertighäuser, Maschinen und Tiere ausgestellt. Die Veranstaltung war ein Magnet weit über Melles Grenzen hinaus.

Auch Prominenz gab sich im Jubiläumsjahr die Ehre: Die aus Film- und Fernsehen bekannten Operetten-Sänger Margit Schramm und Reinhold Bartel, die Jacob Sisters, das Medium-Terzett, die Schauspieler Maria Andergast, Ursula Herking, Ellen Schwiers, Leopold Biberti, Claus Biederstaedt, Ullrich Haupt und Hans Holt, die Schriftsteller Moritz Jahn und Wilhelm Fredemann – um nur einige zu nennen. Insbesondere der Meller Kulturring holte echte A-Promis in die Elsestadt.

Die Jacob Sisters kamen nach Melle. Foto: Stadtarchiv Melle


Neben der Programm-Festschrift erschien noch ein richtiges Buch „Melle in acht Jahrhunderten“, welches – reich bebildert – von damaligen Koryphäen wie Maria Heilmann verfasst wurde. Überdies waren sich die Stadtoberen schon früh bewusst, dass sie das Jubiläumsjahr in Wort und Bild festhalten wollten. Sie beauftragten daher den bekannten Filmemacher Tom Winkler, die Veranstaltungen zu filmen. Der Film Count Down wurde im Folgejahr aufgeführt. Das Publikum geriet noch einmal ins Schwärmen. Er ist auch heute noch eine schöne Erinnerung an dieses besondere Jahr 1969.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN