Erpressung, Intrigen und Skandale Meller Theater-AG fasziniert auf den Spuren von Oscar Wilde

Frauenheld Arthur (Till Kleinken) findet in Mable (Louisa Dawidowski) seine große Liebe. Foto: Petra RopersFrauenheld Arthur (Till Kleinken) findet in Mable (Louisa Dawidowski) seine große Liebe. Foto: Petra Ropers

Melle. Seiner Zeit galt er als Skandalautor: Oscar Wilde faszinierte und polarisierte gleichermaßen. Seine satirische Gesellschaftskomödie „An ideal husband“ bringt die Theater-AG des Gymnasiums in moderner Adaptation noch an zwei Abenden auf die Bühne.

„Ein perfekter Eh(r)e(n)mann“ übertitelt die Theater-AG ihre Adaptation des 1895 veröffentlichten Werkes. Sie sind reich und schön, umschwärmt und beneidet. Jeder Satz, jedes Fitzelchen (vermeintlicher) Information über das gesellschaftliche und persönliche Leben der „oberen Zehntausend“ wird diskutiert, weitergetragen und -getratscht: Das gilt in der Gegenwart und war im viktorianischen Zeitalter nicht anders. Oscar Wilde blickte hinter die glänzende Fassade.

Dunkler Fleck auf weißer Weste

Sein Protagonist Sir Robert Chiltern ist glücklich verheiratet, ebenso reich wie erfolgreich, angesehen und in unangefochtener politischer Stellung. Doch seine augenscheinlich blütenweiße Weste hat einen dunklen Fleck, von dem weder seine Gattin Gertrud noch die Welt je erfahren dürfen. Nur ist – im Zeitalter moderner Medien weniger denn je – kein Geheimnis wirklich sicher. Laura Cheveley, ebenso schön und charmant wie rücksichtslos und intrigant, nutzt ihr Wissen, um ihn zu erpressen.

Robert (Maxim Heinrich) in der Zwickmühle: Soll er der Erpressung von Laura Cheveley (Zarah Menzel) nachgeben oder seiner Gattin (Susanna Lübker) alles beichten (von links)? Fotos: Petra Ropers


Für Robert ist guter Rat nun teuer: Er sieht seine Ehre, seine Ehe und seine Stellung in Gefahr. Soll er der Erpressung nachgeben und gegen besseres Wissen ein windiges Projekt befürworten oder für ein reines Gewissen alles riskieren? Fest steht: So sehr die öffentliche Meinung die Reichen und Schönen hochlobt und bewundert, so schnell folgt bei schlechter Publicity der Fall. Oscar Wilde sorgt in seinem Stück für ein doppeltes und beinahe süßliches Happy End – und scheint selbiges gerade damit satirisch zu hinterfragen. Schließlich ist in der Welt der Reichen und Schönen der Schein nur selten auch Sein.

Charmant, reich und rücksichtslos: Robert (Maxim Heinrich) findet sich in den Fängen der erpresserischen Schönheit Laura (Zarah Menzel) wieder. Foto: Petra Ropers


Unter der Regie und Leitung von Sabine Hettlich und Daniel Sieveding führten die Schüler das – auf Schultheaterlänge gekürzte - Stück gerade soweit in die Moderne, dass ein Hauch von Zeitlosigkeit das Bühnengeschehen prägt. Schließlich könnten sich die Szenen, die Oscar Wilde vor mehr als 120 Jahren beschrieb, ebenso gut im Hier und Jetzt abspielen. Die aufgestylten Damen, die bei der geselligen Soiree affektierte Belanglosigkeiten austauschen; die Dienerschaft, die als Spielball der Mächtigen herhalten muss; die sinnfreien Freizeitbeschäftigungen einer Oberschicht, die längst jede Bodenhaftung verloren hat: In ihrer offen satirischen Umsetzung auf der Bühne der Theaterwerkstatt schafft der Schauspielnachwuchs des Gymnasiums mühelos die Brücke vom viktorianischen Zeitalter in die Neuzeit.

Für Robert (Maxim Heinrich) und seine Gattin Gertrud (Susanna Lübker) gibt es auf der Bühne ein Happy End. Foto: Petra Ropers


Ein spartanisches Bühnenbild konzentriert die Aufmerksamkeit des Betrachters ganz auf die facettenreich und lebendig gezeichneten Charaktere. Dabei sind fast alle Rollen mehrfach besetzt. Denn die Theater-AG, die sich das ganze Schuljahr über intensiv mit dem anspruchsvollen Stück befasste, zählt aktuell 29 ambitionierte und schauspielbegeisterte Mitglieder. Gemeinsam bieten sie ihrem Publikum einen Theaterabend, der gleichzeitig amüsiert und nachdenklich stimmt. Schließlich wusste es der Volksmund schon immer: Es ist nicht alles Gold, was bei den Reichen und Schönen glänzt.

Die weiteren Aufführungen im Raum 40 des Gymnasiums finden am Montag und Mittwoch, 17. und 19. Juni, jeweils ab 19.30 Uhr statt. 


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