Ende der "unendlichen Geschichte" Urteil im Meller Fluglärm-Prozess wird am 5. Juli gesprochen

Nicht Segelfliger, sondern Motorflugzeuge wie diese verursachen den Fluglärm. Foto: Andreas NistlerNicht Segelfliger, sondern Motorflugzeuge wie diese verursachen den Fluglärm. Foto: Andreas Nistler

Melle/Osnabrück. In der „unendlichen Geschichte“ wird in Kürze das letzte Kapitel geschrieben. Am 5. Juli soll im Prozess um Fluglärm in Altenmelle vor der Zivilkammer des Landgerichts Osnabrück das Urteil gesprochen werden. Ein Anwohner des Tulpenwegs hatte 2017 gegen den Meller Segelflieger-Club geklagt, gestern wurde in dem Verfahren ein Sachverständiger gehört.

Der Kläger wirft dem Club vor, wiederholt auf der Ein- und Ausflugschneise die vorgeschriebene Mindestflughöhe von 300 Metern nicht eingehalten zu haben. Und dabei zu dicht über sein weit abseits der Platzrunde liegendes Grundstück geflogen zu sein. Er hatte Belege und Videos eingereicht, die diese Anschuldigung untermauern sollten.  

Vertikale Flughöhen

Der Luftfahrtsachverständige konnte trotz mehrmonatiger Recherchen („Ich habe Start- und Landelisten abgefragt, aber konnte keine lückenlose Aufzeichnung erstellen“) und Befragungen der beteiligten Parteien aber keinen Nachweis ermitteln.

 „Die genannten Flugbewegungen lassen sich nicht rekonstruieren und die Videos reichen mangels Referenzpunkte nicht aus“, so seine Begründung, die er noch konkretisierte: „Die vertikalen Flughöhen lasssen sich nicht abschätzen. Ohne weitere Werte bleibt die Ungewissheit bestehen. Es handelt sich um subjektive Wahrnehmungen“

 Diesen Vorwurf wollte der Kläger nicht auf sich sitzen lassen. Mit von ihm persönlich bei der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr besorgten Unterlagen versuchte er, seine Anschuldigungen zu untermauern. Doch auch nach Ansicht dieser Belege blieb der Sachverständige seiner Einschätzung treu: „Das ändert nichts. Da die Flughöhen mit Radar-Transponder-Daten und nicht mit GPS-Daten ermittelt worden sind, sind auch hier zuwenig Referenzpunkte vorhanden“, so seine Begründung.

Ernüchterndes Fazit

Das Resumee fiel für den Kläger ernüchternd aus: „Es liegen zwar subjektive Beobachtungen vor, aber das reicht nicht aus um zu sagen, die Flugzeugen hätten sich dem Grundstück in gefährlicher Weise genähert“, so sein Fazit.

In Person des Vereinsvorsitzenden wandte sich der Segelfliegerclub gegen den Vorwurf, er habe keine Zwischenspeicherungen von Flugdaten vorgenommen: „Da fallen große Kosten an, das ist ein enormer Aufwand, der nicht zweckmäßig ist,“ begründete der oberste Segelflieger.

Er erläuterte: „In unserem Speicher werden nur die letzten Flüge abgespeichert. Spätestens wenn 30 Flüge drauf sind, werden sie gelöscht.“ Ob die GPS-Daten denn manipulierbar seien, wurde gefragt: „Das ist möglich, aber in der Praxis nur sehr schwierig umzusetzen“, so der Gutachter.

Unter dem Strich bleiben dem Kläger vor dem Urteilsspruch am 5. Juli also nur wenige Argumente.


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