Komik und Klamauk im Theateralltag Theater AG der BBS Melle beeindruckt 700 Zuschauer

Von Marita Kammeier

Die strenge Theaterdirektorin (Lara Hilker) ist unzufrieden mit den Schauspielerinnen Nina Keller und Selin Tonsun (rechts). Foto: Marita KammeierDie strenge Theaterdirektorin (Lara Hilker) ist unzufrieden mit den Schauspielerinnen Nina Keller und Selin Tonsun (rechts). Foto: Marita Kammeier

Melle. Ist das Leben auf der Bühne Realität oder Kunst? Mit dem Stück „Bretter, die die Welt bedeuten“ von Jean-Paul Alègre setzt die Theater AG der BBS eine Reihe von Werken fort, denen neben Komik und Spielbegeisterung auch eine zeitkritische Dimension innewohnt.

"Bühne frei, Scheinwerfer an", riefen die Überprüferinnen Rabia Alakara und Feyza Keles, während von der Decke bereits ein Strick für die erste Szene auf die Bühne rollte. "Wie inszeniere ich einen Selbstmord möglichst effektvoll?" Der extravagante Regisseur, überzeugend gespielt von Jenny Nguyen, verkündete sogleich seine Idee dazu: "Eine schöne Erhängungsszene in Zeitlupe auf großem Bildschirm in blau-violetten Farben."

Davon war der Schauspieler in seiner Rolle als Verzweifelter (Insa Lücken) keineswegs angetan. "Wir haben alle einen zarten Hals in der Familie." Außerdem sollte unbedingt das Problem mit seiner Mutter zur Sprache kommen. Diese Einwände ignorierte der Regisseur, der vorrangig den Werbeblock im Blick hatte, jedoch komplett.

Exzentrisches Paar: Die durchtriebene Madame de Bersac (Maria Weltermann) und ihr Chauffeur (Michelle Sturm). Foto: Marita Kammeier


"Die Sache mit Europa ist alles andere als einfach", kommentierte die professionelle Moderatorin (Fabienne Finster). "Der Text ist ja nicht so toll, aber er bringt Werbeeinnahmen" erklärte die strenge Theaterdirektorin (Lara Hilker), während sie endlose Wiederholungen von den Schauspielern verlangte.

Verwechslungen und Missverständnisse auch in der nächsten Szene: eine Talkshow-Moderatorin (Joelina Höner) dreht fast durch, als sie dank der aufmerksamkeitssüchtigen Dolmetscherin (Sarah Weskott) erkennt, dass sie den falschen Gast interviewt.

Situationskomik

An spritziger Situationskomik kaum zu überbieten war die Darstellung von Selin Tonsun. In den Doppelrollen der flinken Ziegenbäuerin und des kolumbianischen Gangsters lief die Laienschauspielerin zur Höchstform auf. Das Publikum würdigte die Leistung denn auch mit großem Szenenapplaus.

Einblicke in die oft chaotische Welt der Bühne und des Films erhielten mehr als 700 Zuschauer am Wochenende im Theater Melle. 14 Fachschülerinnen der Sozialpädagogik spielten zum Teil in Doppelrollen und zeigten ein Schülertheater, wie es unterhaltsamer nicht sein kann.  

Was passiert in 2000 Jahren? Forscherinnen der Zukunft (Feyza Keles und Nina Keller) inspizieren vergangene Lebewesen. Foto: Marita Kammeier


Treffsichere Dialoge überzeugten in 13 temperamentvoll gespielten Szenen und Balladen, ergänzt von Musikeinspielungen und Medienpräsenz. Verwechslungen und Missverständnisse, gespickt mit Klamauk und slapstick-artigen Momenten, prägten auch den Auftritt der exzentrischen Madame de Bersac oder Catherine, gespielt von Maria Weltermann.

Ein totales Chaos

Absolutes Chaos herrschte in der Rollenverteilung dieser Szene zwischen Ehefrau und Geliebter. Arlette, Elise oder Marie-Pilar, wer ist denn nun die von Daniela Pepinghege dargestellte Protagonistin. Auch der Auftritt von Chauffeur Gustave oder ist es Michel, Klarheit ins Geschehen bringt er zunächst nicht. Zum Schluss erfolgte dann die Aufschlüsselung, als Catherine und Michel als Terroristen ein Gebäude in Brand zünden.

Beim Zeitsprung um 2000 Jahre weiter erklärten die Forscherinnen erstaunt: "Das sind unsere Urahnen, die letzten Theaterbesucher mit komischen Pelzen auf dem Kopf, weil der Hirnunterstützer damals noch nicht erfunden war."

Große Spielfreude

Alle Darstellerinnen zeigten eine überaus spielfreudige Präsenz. Die Inszenierung mit zeitkritischer, aktueller Thematik entwickelte sich nach einem halben Jahr Probezeit. Außerordentlich zufrieden war auch das Leitungsteam der Theater AG Christa Debbeler und Silke Löw. Als unermüdlicher Techniker gab Jürgen Osieka der Aufführung den letzten Schliff.


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