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Gedenksteine nun vor dem Heimatmuseum Melle: Verschollene Findlinge sind zurück

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Melle. Einige der nach dem Zweiten Weltkrieg verschwundenen Gedenksteine, die an 129 gefallene Meller Soldaten des Ersten Weltkrieges erinnern, sind wieder aufgetaucht. Fünf kleine Findlinge mit Nummern liegen jetzt vor dem Heimatmuseum im Grönenbergpark; eine Infotafel erklärt ihre Geschichte.

„1922 wurde am historischen Grönenberg unter starker Beteiligung der Bevölkerung ein fast zwei Hektar großer Heldenhain angelegt, für jeden Gefallenen wurde eine Eiche gepflanzt“ – das ergaben die Recherchen in alten Zeitungen und Akten, mit denen sich Dieter Ulferts vom Heimatvereinsvorstand beschäftigt hat. Außerdem wurden die Namen der getöteten Kriegsteilnehmer in den Gedenkstein auf dem Grönenberg eingemeißelt. Jedem Gefallenen wurde zudem eine Nummer zugeordnet, die sich auf kleinen Findlingen an den neu gepflanzten Eichen wiederfand. So hatten die Angehörigen die Möglichkeit, ihrer Toten an einem ganz bestimmten Ort in einem weitläufigen Gelände zu gedenken.

„Als Kind habe ich einmal pro Woche den Platz meines Großvaters sauber gehalten“, erinnert sich Gerd Massmann (70) noch gut an seine Aufgabe Anfang der Fünfzigerjahre. Sein Opa Hugo Kretschmann war 1917 in Frankreich umgekommen. Gerd Massmann ist erfreut darüber, dass der 50 Jahre verschollene kleine Gedenkstein jetzt wieder im Grönenbergpark liegt.

Ein weiterer Stein ist Ernst Kloß gewidmet, der 1915 in Serbien starb. Dessen Neffe Erhart Kloß hat entscheidend zur Wiederbeschaffung der fünf Steine beigetragen. „Kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde ein großer Teil der Findlinge von befreiten Zwangsarbeitern in die Else geworfen“, erfuhren Dieter Ulferts und Erhart Kloß in Gesprächen mit Zeitzeugen.

Da aber auch bei den neu entstandenen einheimischen Institutionen bis Anfang der Sechzigerjahre keine große Wertschätzung gegenüber den noch vorhandenen Steinen bestand, wurden sie allesamt beim Neubau von Wegen und beim Ausbau der Sportanlagen abgeräumt und auf dem städtischen Bauhof auf einem Haufen gelagert. Ebenso wurde der Bestand der größer gewordenen Gedenk-Eichen erheblich ausgelichtet. In dieser Zeit hat Otto Kloß, der Vater von Erhart Kloß, vom Bauhof zehn Steine erhalten, die er 50 Jahre lang als Ziersteine in seinem Garten an der Gesmolder Straße verwendete.

Nach dem Tod von Otto Kloß fielen seinem Sohn beim Aufräumen des Gartens die zehn Findlinge in die Hände, die er sich mit seinem in Dortmund lebenden Bruder Berthold teilte. „Ich hatte kein gutes Gefühl dabei, die Gedenksteine nach meinem Umzug zur Gestaltung meines neuen Gartens einzusetzen“, so erklärte Erhart Kloß seine gut überlegte Entscheidung, schließlich mit dem Heimatverein Kontakt aufzunehmen.

Dieter Ulferts vom Heimatverein hat die Sache gerne in die Hand genommen, die Zahlen und zwei Namen wurden inzwischen nachgezeichnet. Ulferts: „Jetzt liegen immerhin wieder einige der alten Gedenksteine im Heldenhain.“ Eine genaue Zuordnung zum ehemaligen Platz im Gelände sei allerdings angesichts vieler gefällter Eichen nicht mehr möglich. Wohin die anderen Findlinge vom Bauhofgelände in den Sechzigerjahren abgegeben worden sind, ist nicht bekannt.


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