Meditativ, berührend und aufbauend Pater Anselm Grün spricht in Buer vor 250 Besuchern

In Töne verwandelte Flötist Hans-Jürgen Hufeisen die archetypischen Urbilder, die Pater Anselm Grün mit ruhiger Ausstrahlung vor den inneren Augen der Zuhörer entstehen ließ. Fotos: Norbert WiegandIn Töne verwandelte Flötist Hans-Jürgen Hufeisen die archetypischen Urbilder, die Pater Anselm Grün mit ruhiger Ausstrahlung vor den inneren Augen der Zuhörer entstehen ließ. Fotos: Norbert Wiegand

Buer. Eine anrührende Reise mit Pater Anselm Grün durch die Bilder des Kirchenjahres, die der Flötist Hans-Jürgen Hufeisen in innerlich nachklingende Töne verwandelte, erlebten am Samstagabend mehr als 250 Besucher in der Martinikirche.

Erstaunlich, wie es Hufeisen „nur“ mit einer Blockflöte mühelos möglich war, den riesigen Bueraner Kirchenraum mit tief gehenden Tönen zu füllen. Mit seinem virtuosen Spiel auf mehreren kleinen Flöten und der sensiblen Piano-Begleitung von Oscar Göpfert verstärkte er die von Pater Anselm mit Worten verbreitete Stimmung der Stille. Hufeisen regte die Zuhörer mit vollen und zugleich leisen Tönen an, nach innen zu hören.

Virtuos und einfühlsam spielte Hans-Jürgen Hufeisen auf verschiedenen Blockflöten. Foto: Norbert Wiegand


„Der 65-jährige international renommierte Flötist hat übrigens einige Phasen seiner schwierigen Kindheit in Melle verbracht, wo er auch seine erste Flöte bekam“, berichtete Matthias Breitenkamp vom Veranstalter Martinimusik am Rande der Veranstaltung. Deshalb ist Hufeisen bis heute besonders mit dem Grönegau verbunden. Am 13. Dezember kommt er unter der Überschrift „Gold, Weihrauch und Flöte“ erneut zu einem Konzert nach Buer.

Sich so annehmen, wie man ist

Während der Flötist die Ohren der Gäste für das Innere öffnete, richtete Pater Anselm Grün den Blick auf das eigene Wesen. Dies tat er, indem er die Bilder des Kirchenjahres als „Bilder der Seele“ sprachlich lebendig werden ließ. So sprach er im Zusammenhang mit Weihnachten vom „göttlichen Kind in uns, das wir auch mit seinen Verletzungen anschauen und annehmen – so wird Weihnachten zu einem heilenden Fest, das der Seele gut tut“. Es gehe darum, sich so anzunehmen, wie man ist, und einfach da zu sein.

Die archetypische Bilderreise durch das Kirchenjahr führte weiter zur Fastenzeit, in der es um innere Reinigung geht. In der Passionszeit stehe dann das Leiden im Vordergrund, das aber nicht mit Vorwürfen verbunden werden sollte. Wenn Leid in Hingabe verwandelt werde, könne es eine heilsame Wirkung entfalten. Nach Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten machte Anselm Grün auch Station beim Erntedank im Oktober. Dort verdeutlichte er die Bedeutung des Dankes: „Ich bin nur deshalb glücklich, weil ich dankbar bin - und nicht umgekehrt.“ Zu den Kirchenfesten Allerheiligen und Allerseelen wies er auf die Bedeutung der Trauer hin, um Verluste im Leben zu verarbeiten.

Mut, sich selbst anzunehmen, gab Anselm Grün den Zuhörern mit auf den Weg. Foto: Norbert Wiegand


Im ersten Teil vor der Pause gab es nach den Ansprachen und musikalischen Vertiefungen keinerlei Beifall, was nichts mit Unzufriedenheit der Zuhörer zu tun hatte. Stattdessen gab es durchaus längere Pausen der Stille. Denn Grün und Hufeisen gelang es, eine Atmosphäre der Ruhe zu schaffen.

Selbst ein Segen sein

Dazu gehörten auch körperliche „Übungen“, bei denen alle Besucher wie selbstverständlich mitmachten: So wurden stehend die Arme vor der Brust gekreuzt, um sich selbst mit allen seinen Fehlern und Unvollkommenheiten zu umarmen. Zum Ende hoben alle die Arme, um selbst zum Segen für alle Bedürftigen im eigenen Umkreis zu werden. Beim Schlusslied „Guten Abend, gute Nacht“ summten und sangen die Zuschauer leise mit.

Zum Signieren seiner Bücher und auch für Selfies stand Pater Anselm Grün den Zuhörern nach der Konzertmeditation zur Verfügung. Foto: Norbert Wiegand



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