Proppevolles Café Martina Bergmann liest „Mein Leben mit Martha“ in Melle

Von Conny Rutsch

Nachdenklich stimmend, nicht ohne Heiterkeit: Martina Bergmann bei ihrer Buchlesung in Melle. Foto: Conny RutschNachdenklich stimmend, nicht ohne Heiterkeit: Martina Bergmann bei ihrer Buchlesung in Melle. Foto: Conny Rutsch

Melle. Sie sind sich gegenseitig Familie, die kleine alte Frau und die um Jahrzehnte jüngere Autorin, ohne miteinander verwandt zu sein. Aus ihrem Buch „Mein Leben mit Martha“ las Martina Bergmann am Donnerstag im proppevollen Café Beinker in Melle.

Von vornherein war diese Lebenskonstruktion nicht geplant, als Martina Bergmann den alten Herrn, Heinrich, und dessen Lebensgefährtin Martha kennenlernt. Interessante Gespräche und das so ganz andere Leben der beiden studierten alten Leute in einem Kotten in Neuenkirchen üben auf die Autorin eine Faszination aus, die ihr Leben verändern wird. Als sie viele Jahre später von einem Münchner Verlag gefragt wird, ob sie ein Buch vorlegen könne, schreibt Martina Bergmann ihre Geschichte auf, verfremdet als Roman mit Ich-Erzählerin.  

Und dann ist Martha auf einmal alleine

„Mein Leben mit Martha“ schildert ihr Leben mit einer sich auf dem Weg in die Demenz befindenden alten Dame, die nicht für sich alleine sorgen kann, als ihr Heinrich stirbt. Schon mit der Begleitung von dessen Krankengeschichte und darauffolgend seinem Tod wird die Erzählerin zu einer Art Familienangehörigen, die sich kümmert. Und dann ist Martha auf einmal alleine und beschließt, mit der Erzählerin zusammenzuwohnen.

„Diese Geschichte ist auch meine Geschichte einer Annäherung an Behörden und Ämter“, erzählt Martina Bergmann zwischen den Lesestücken. Sie beantragt die Betreuung für Martha, die sich in der „poetischen Phase ihres Lebens befindet“, wie Heinrich es ausdrückte.

Und dann kommt die Erzählerin in der Realität an: „Was mach' ich denn jetzt mit Martha?“ Schließlich führt die Autorin einen Buchladen in Borgholzhausen und hat eigentlich Arbeit genug. „Martha ist sehr interessiert an allem, aber nicht überall hin kann ich sie mitnehmen“, schreibt die Autorin. Martha kümmert sich lieber um die Wolkengestalten am Himmel oder das bunte Blatt auf dem Boden als um die Einhaltung von Martina Bergmanns Terminen.  

Das Wort „Erbschleicherin“ macht die Runde

Und doch klappt das Zusammenleben, mit Wirrnissen manchmal und unter den argwöhnischen Blicken der Nachbarn. Das Wort „Erbschleicherin“ macht die Runde. Doch von all dem lässt sich die Autorin gar nicht beeindrucken. Sie möchte der dementen alten Frau einen würdigen Lebensabend verschaffen und richtet ihr Leben neben ihrem Beruf daraufhin aus.

Martina Bergmann liest und erzählt einfühlsam und sehr persönlich, übermittelt den Zuhörern auch ein Stückchen des Spagates, den sie leistet, denn ihr Leben mit Martha ist keinesfalls glatt gebügelt, sondern voll von Überraschungen und auch Hindernissen.

Im September im WDR-Fernsehen

„Ich möchte Ihnen nicht vermitteln, dass ich es besser kann als Sie“, betont die Autorin, die auf Einladung des Buchhändlers Michael Sutmöller in Melle las. Es ist einfach ihre Geschichte; wohl als Roman erdacht, aber kein Wegweiser für pflegende Angehörige. Dass Martina Bergmann aber einen Nerv mit dem Thema trifft, zeigt das große Interesse, das der Autorin und ihrem Buch entgegengebracht wird. „Im September wird sie Gast bei Bettina Böttinger im WDR-Fernsehen sein“, berichtet Michael Sutmöller am Ende der Lesung, die nachdenklich stimmte, aber doch auch mit der leichten Schreibart Heiterkeit auslöste.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN