Wandelkonzert mit Willem Schulz Projekt „Resonanz“ in der Wilden Rose Melle abgeschlossen

Wie klingt Kunst? Cellist und Komponist Willem Schulz machte im Rahmen des Wandelkonzertes ihr Wesen hörbar. Foto: Petra RopersWie klingt Kunst? Cellist und Komponist Willem Schulz machte im Rahmen des Wandelkonzertes ihr Wesen hörbar. Foto: Petra Ropers

Melle. Ein Wandelkonzert in der Wilden Rose beschloss am Donnerstag das vierteilige Musikprojekt „Resonanz“: Gemeinsam mit dem Trio „Geplante Obsoleszenz“ brachte der Cellist und Komponist Willem Schulz das Kulturzentrum in Altenmelle zum Klingen.

Der Landschaftsverband Osnabrücker Land, die Stadt und der Landkreis Osnabrück förderten das Klangprojekt, das in Osnabrück bereits das Felix-Nussbaum-Museum, den Lauten Speicher im Hafen und das Landkreis-Gebäude hörbar und damit ganz neu erlebbar machte. Der Abschluss führte nun einen kleinen Kreis von Musikinteressierten kreuz und quer durch die Wilde Rose - vom „Lichtraum“ im Obergeschoss bis hinunter in den Heizungskeller und vom großen Saal bis ins Bad der Gästezimmer. 

Räume werden zu Musik

Regelmäßigen Besuchern ist das Konzept der Wandelkonzerte keineswegs neu. Denn Willem Schulz hält es mit seinem Cello selten an einem Fleck. In seinen Projekten und Performances werden Räume zu Musik, findet Musik immer neuen Raum. Dabei überraschte die „Resonanz“ der Wilden Rose – obschon wetterbedingt kurzfristig auf das Innere des Gebäudes beschränkt – mit überaus facettenreichen Klangbildern. Die Zweckbestimmung eines Flügels etwa scheint vorgegeben zu sein. Doch was passiert, wenn drei Musiker die Tasten außer Acht lassen und stattdessen dem Instrument mit Schlegeln und Staubwedel zu Leibe rücken?

Mit Fühlern und Kontaktmikrofonen entlockte das Trio „Geplante Obsoleszenz“ dem Büroalltag sonst unhörbare Klänge. Foto: Petra Ropers


Das Ergebnis ließ so manches Mal schmerzerfüllt zusammenzucken. Eher nachdenklich stimmte, was Fühler und Kontaktmikrofone der Elektronik im Büro entlockten: PC-Maus, Router, Lampe und Telefon knackten, summten und knatterten überlaut ihre den Alltag beherrschende Gegenwart heraus. Wenige Schritte weiter war im Speisesaal die lange Tafel liebevoll gedeckt. An ihrem Kopfende holte Willem Schulz mit seinem Cello fast sichtbar die angeregten Gespräche der Gäste vor das innere Auge.

Feingliedrig und sensibel

Der Atem der Kunst und der Kreativität weht durch das Atelier im Untergeschoss – mit Farbtöpfen, ordentlich aufgereihten Pinseln und einem kunterbunten Wirrwarr von Farbresten an den Wänden. Und wie die künstlerische Idee aus dem Innern aufsteigt, erhob sich aus der Stille der erste, noch zarte Bogenstrich. Mal kraftvoll und aufrüttelnd, mal feingliedrig und sensibel machte Schulz das Wesen der Kunst hörbar. Auf der Treppe, im „Lichtraum“ und in der Saunakabine lotete er mit seinem Cello musikalische und architektonische Räume aus.

Deren Einrichtung bildete unterdessen das Instrumentarium von Marcus Beuter, Angelika Höger und Peter Schwieger. Das Klappern von Flaschen, schabende Bürsten auf dem Korpus des Wäschetrockners, eine „Sinfonie“ aus Küchengeräuschen und die Stille eines tonlos gezogenen Akkordeons: Das Trio „Geplante Obsoleszenz“ irritierte, amüsierte, stimmte nachdenklich und lenkte die Aufmerksamkeit auf das, was scheinbar selbstverständlich und meist unbeachtet ist.

Einfach mal aufmerken, stehenbleiben, einen Moment lauschen: Dazu lädt Willem Schulz demnächst auch mit einer Klanginstallation am Osnabrücker Hauptbahnhof ein. Ein Musikprojekt in der Innenstadt folgt im September.


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