Berührend und amüsant Improvisationstheater zu Tod und Sterben in Melle

Die „Tabutanten“ nahmen im Forum dem ernsten Thema Tod und Sterben erfolgreich seine Schwere. Foto: Petra RopersDie „Tabutanten“ nahmen im Forum dem ernsten Thema Tod und Sterben erfolgreich seine Schwere. Foto: Petra Ropers

Melle. Der Tod ist nicht zum Lachen – oder doch? Die „Tabutanten“ regten am Wochenende im Meller Forum mit Szenen rund um Tod und Sterben zum Nachdenken, Mitfühlen und ja, auch zum Schmunzeln und herzhaften Lachen an.

„Sie werden lachen: Es geht um den Tod“: Unter diesem Motto präsentierten auf Einladung der Hospizinitiative Melle die „Tabutanten“ ihre Schauspielkunst. Und die kommt ganz ohne Skript und Drehbuch aus. Bühnenbild? Fehlanzeige. Requisiten? Gerade genug für einen Koffer. Ein Flipchart, beschrieben mit Stichworten, die ihnen aus dem Publikum zugerufen wurden: Mehr brauchen Simone Schmitt und Christine Holzer nicht, um spontan teils amüsante, teils berührende Geschichten zu entwickeln. Fertige Versatzstücke gebe es nicht, versicherte das Duo. „Jeder Auftritt ist Premiere und Derniere zugleich.“  

Und er nahm im Forum das Publikum hinein in Szenen, die mitten aus dem Leben gegriffen sind. Da war Hedwig, die „gute Seele“ aus Unterfranken, die mit typischem Akzent plötzlich feststellt, dass mit um die 60 vermutlich nicht mehr ganz so viel Leben bleibt. Einfach nur mit dem Nachbarn zusammen den Tag genießen? Dafür ist auf einmal keine Zeit mehr. Denn allzu viel wartet noch darauf gesehen, erlebt und erledigt zu werden. Erst nach einer ganzen Weile kommt sie zur Besinnung und erkennt gemeinsam mit dem Freund und Nachbarn: „Renne is nix.“

Party oder Trauerfeier?

Wie soll es eigentlich laufen, wenn alles vorbei ist? Sarg oder Urne? Party oder Trauerfeier? Wer sitzt wo und neben wem? Bei einer Beerdigung kann allerhand schief gehen. Da ist es schon besser, das Ganze vorher einmal ordentlich zu proben. Die Kundin im Beerdigungsinstitut durfte dabei auf den Geschäftssinn der Bestatterin hoffen. Denn die machte nicht nur die Beerdigung per Wasserurne im Teich des Grönenbergparks möglich. Sie nahm mit ihren trockenen Kommentaren dem Thema auch erfolgreich alle Schwere: „Wir planen in unserem Leben so viele Partys. Also warum nicht auch diese große Party selber planen?“

Doch die Tatutanten können auch anders: Feinfühlig, berührend und dabei mit einer zarten Leichtigkeit warfen sie einen Blick auf das Wirken der Ehrenamtlichen in der Hopizinitiative. Aber passen Improvisationstheater und Sterbebegleitung überhaupt zusammen? Diese Frage stellte sich im Vorfeld nicht nur Martin Becker, Vorstandsmitglied der Hospizinitiative. Die Antwort nach knapp anderthalb Stunden war ein eindeutiges Ja. Denn für beide gilt: „Was zählt, ist der Augenblick.“ Und ihn kosteten die Zuschauer im Forum gemeinsam mit den Schauspielerinnen voll aus.



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