Blütenpracht für Artenvielfalt Melle: Erste „Jahrhundertblühwiese“ liegt im Nemdener Bruch

Als erste Blühwiese wurde das Areal von Peter Grothaus (links) durch Kai Behncke mit dem Prädikat „Jahrhundertblühwiese“ ausgezeichnet. Foto: Petra RopersAls erste Blühwiese wurde das Areal von Peter Grothaus (links) durch Kai Behncke mit dem Prädikat „Jahrhundertblühwiese“ ausgezeichnet. Foto: Petra Ropers

Gesmold. Radler treten auf die Bremse. Wanderer bleiben staunend stehen. Und so mancher von ihnen ließ sich bereits zur Nachahmung inspirieren: Mitten im Nemdener Bruch herrscht auf 6000, in den Sommermonaten kunterbunt blühenden Quadratmetern reges Leben. Jetzt erhielt die Oase die Auszeichnung als „Jahrhundertblühwiese“.

Nur wenige hundert Meter vom Campingplatz „Grönegau-Park Ludwigsee“ entfernt stellte dessen Betreiber Peter Grothaus das Areal für das Insektenschutzprojekt „Blumiger Landkreis Osnabrück“ zur Verfügung. Und mehr noch: Er griff auch selbst zu schwerem Gerät, um die Fläche zu fräsen und für die Aussaat einer regionalen Wildblumenmischung vorzubereiten. Seither blühen zur Saison Korn- und Mohnblumen, Ringelblumen und Wilde Möhre, Lein und Rote Lichtnelke. 

Hohe Farbenvielfalt

Auch die weißen Wiesenmargeriten decken Wildbienen, Schmetterlingen und anderen Insekten den Tisch mit Pollen und Nektar. „Als Kinder haben wir für unsere Mutter immer einen großen Strauß Margeriten gepflückt“, erinnert sich Peter Grothaus noch gut an üppig weiß getupfte Wiesen. Zwischenzeitlich ist dieser Anblick selten geworden. Doch die „Blühwiesenpiraten“, wie sich die Aktiven um Kai Behncke, Projektleiter des „Blumigen Landkreises Osnabrück“ selbst nennen, tun alles dafür, ihn wieder zu beleben.

Seit 2017 entstanden im Rahmen des Projektes insgesamt 126 pollen- und nektarspendende Blühwiesen im Landkreis – eine ganze Reihe davon in und um Melle. In dem blütenbunten Reigen ist die Wiese von Peter Grothaus dennoch etwas Besonderes – und das nicht nur wegen ihrer Größe. "Eine solch hohe Artenvielfalt wie auf diesem Areal ist einzigartig“, stellt Behnke begeistert fest. „Die Farbenvielfalt fällt schon aus der Entfernung sofort ins Auge.“

Eine einzigartige Artenvielfalt stellte Kai Behncke, Projektleiter des „Blumigen Landkreises Osnabrück“, auf der Fläche im Nemdener Bruch fest. Foto: Petra Ropers

Vielfalt macht stark: Das zeigte sich im vergangenen Sommer. Denn während die Blüte auf einigen Flächen aufgrund der starken Trockenheit relativ artenarm blieb, konnte im Nemdener Bruch eine einzigartige Biodiversität festgestellt werden. Und die kommt nicht nur den Insekten zugute. Auch Vögel, Kleinsäuger, Amphibien und Reptilien haben die Blühwiese längst für sich entdeckt. Die Wiese verdiene das Prädikat „Jahrhundertblühwiese“, konstatiert Behnke.

 „Solche Menschen brauchen wir“

Er hofft, dass sich noch viele Menschen von Peter Grothaus‘ Beispiel anstecken lassen, der nicht nur die Fläche zur Verfügung stellt, sondern sich auch ehrenamtlich für ihre Pflege engagiert. „Solche Menschen brauchen wir“, betont Behnke. Für den Campingplatz-Betreiber ist der Einsatz für die Natur selbstverständlich: „Man macht sich natürlich Gedanken um die Zukunft.“ Doch das allein reicht nicht, ist er überzeugt. „Wenn man sich nicht selbst engagiert, dann passiert auch nichts.“

Und es soll noch weit mehr passieren, um dem dramatischen Artensterben zu begegnen. Nächstes Ziel der „Blühwiesenpiraten“ ist die Schaffung eines blühenden Korridors von Melle bis nach Hagen. Die frisch gekürte „Jahrhunderblühwiese“ ist ein wichtiger Baustein für diesen Korridor.  


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