DM-Zweiter im Blindentennis Kaller aus Wellingholzhausen fährt zur Weltmeisterschaft

Bastian Kaller aus Wellingholzhausen war bei der nationalen Meisterschaft im Blindentennis erst im Finale zu stoppen. Foto: KallerBastian Kaller aus Wellingholzhausen war bei der nationalen Meisterschaft im Blindentennis erst im Finale zu stoppen. Foto: Kaller
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Wellingholzhausen . Bastian Kaller aus Wellingholzhausen ist Zweiter bei den nationalen Meisterschaften im Blindentennis geworden. Der 35-Jährige vom Löhner Tennisclub Rot-Weiß verlor am Wochenende das Finale in Hiddenhausen im Kreis Herford gegen Michael Wahl aus Köln.

Es war erst die zweite DM überhaupt im Blindentennis. Und Kaller war beide Male dabei. Während der Wellingholzhauser das Finale im Vorjahr gegen Wahl gewann, drehte der Kölner in diesem Jahr den Spieß um. Dabei ging es denkbar knapp zu. Den ersten Satz gewann Kaller mit 4:0. Im zweiten ging es beim Stand von 4:4 in den Tiebreak, den der Grönegauer mit 6:8 verlor. Der dritte Satz wurde als Champions Tiebreak gespielt, der Kölner setzte sich letztlich hauchdünn mit 9:7 durch. 

Bastian Kaller war zufrieden mit seiner Leistung. „Ich habe mich viel besser gefühlt als bei der DM vor einem Jahr. Das Finale ist ruhiger abgelaufen. Während wir 2018 mit dem Aufschlag meistens direkt gepunktet haben, gab es jetzt längere Ballwechsel. Das war eine klare Steigerung“, sagt der zweifache Familienvater, der aufgrund seiner Beeinträchtigung frühverrentet ist.

Der 35-Jährige ist erst seit einigen Jahren vollblind. Bei ihm war im Alter von 16 eine gutartige Tumorerkrankung im Bereich des Kleinhirns und der Netzhaut des Auges festgestellt worden. Seither hat die Sehfähigkeit immer weiter nachgelassen. Kaller war einst bei der Stadt Melle als Gärtner angestellt. Inzwischen jobbt er nebenbei an einer Schule, fegt und schneidet Büsche zurück.

Seit zwei Jahren beim Blindentennis 

Als Jugendlicher spielte Kaller Tennis. Deswegen ist ihm die Technik grundsätzlich vertraut. Und er hat eine Vorstellung von den Ausmaßen eines Tennisfeldes. Erst seit zwei Jahren spielt er Blindentennis – und macht große Fortschritte. "Bastian hat in den vergangenen Monaten einen gewaltigen Sprung gemacht, was die Orientierung und Beweglichkeit auf dem Platz, sein Körper- und Ballgefühl, Spielverständnis und Schlagtechniken angeht. Aber den noch größeren Sprung hat er wohl in seinem Leben insgesamt gemacht, denn durch das gesteigerte Selbstbewusstsein hat er auch neben dem Platz ein anderes Auftreten", sagt Marc-René Walter, sein Trainer in Löhne.

28 Sportler mit unterschiedlich starker Sehbeeinträchtigung nahmen an der DM teil. Kaller war in der Klasse B1 für komplett Erblindete am Start. In dieser Klasse wird zum Chancenausgleich mit Verdunklungsbrillen gespielt, damit Spieler, die noch etwas Helligkeit sehen, keinen Vorteil haben. Sieben Spieler traten zunächst im Modus „Jeder gegen jeden“ an. Kaller kam als Zweiter weiter und gewann das Halbfinale gegen Ronald Hinz aus Hamburg. Und mit Christina Jöllenbeck nahm eine weitere Spielerin aus Melle teil. Die 33-Jährige spielt erst seit sieben Monaten und wurde Vierte in ihrer Klasse.

Rasselnde Bälle zur Orientierung

Im Blindentennis werden rasselnde Schaumstoffbälle eingesetzt, die größer und weicher sind als Tennisbälle. Der Sportler kann also hören, wie schnell der Ball fliegt und wo er aufkommt. Bei Vollblinden darf der Ball bis zu dreimal je Hälfte auftippen. Sie spielen im Kleinfeld. Zur Orientierung im Raum sind die Linien etwa mit Kreppband abgeklebt und so unter der Schuhsohle spürbar.

In wenigen Wochen wartet das nächste Highlight auf den 35-Jährigen: Er nimmt Mitte Juni erstmals an internationalen Meisterschaften teil. Die Wettbewerbe finden im spanischen Alicante statt. Er teilt sich dort ein Zimmer mit Michael Wahl – jenem Kontrahenten, der ihn gerade im DM-Finale bezwungen hat. „Wir sind Freunde“, betont der Wellingholzhauser.

Mit Finalgegner auf einem Zimmer

Im Blindentennis geht es überhaupt sehr fair und kooperativ zu. Vor dem Turnierstart üben die Teilnehmer in Spanien bei unterschiedlichen Trainern. „Es kann sein, dass ich bei einem Italiener an meinem Aufschlag feile“, erzählt der Familienvater. Nach den Trainingseindrücken werden die Spieler in Leistungsklassen eingeteilt, damit bei den internationalen Meisterschaften nicht gleich zu Beginn sehr unterschiedliche Spielstärken aufeinandertreffen.


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