Britta Zohm hat eine pfiffige Idee Blaue Bänke gegen Einsamkeit in Melle

Eine Bank als Ort der Kommunikation: Britta Zohm könnte sich "blaue Bänke" gegen Einsamkeit vorstellen. Mit Udo Pilgrim kam sie zufällig ins Gespräch. Foto: Simone GraweEine Bank als Ort der Kommunikation: Britta Zohm könnte sich "blaue Bänke" gegen Einsamkeit vorstellen. Mit Udo Pilgrim kam sie zufällig ins Gespräch. Foto: Simone Grawe

Melle. Blaue Bänke gegen Einsamkeit? Das könnte nach Ansicht von Britta Zohm funktionieren. Sie hat die pfiffige Idee, blaue Bänke als einen Ort der Kommunikation im gesamten Stadtgebiet aufzustellen.

"Die Menschen kommen einfach viel zu wenig ins Gespräch. Das ist sehr traurig. Eine blaue Bank könnte Abhilfe schaffen", betont Britta Zohm in einem Gespräch mit unserer Redaktion. Ihre Idee: An besonders schönen Punkten in Melle-Mitte und in den Stadtteilen sollen blaue Bänke installiert werden, die signalisieren: Wer hier sitzt, möchte mit anderen Menschen ins Gespräch kommen.

"Durch mein Ehrenamt als Lotsin im Christlichen Klinikum habe ich festgestellt, dass sich Sprachlosigkeit aber auch Einsamkeit rasant vermehren", erklärt die Bueranerin. Vor diesem Hintergrund bringt sie jetzt die "blaue Bank" ins Gespräch.

Warum gerade blau? "Weil die Farbe auffällt und schockt und weil blau überhaupt nicht in die Landschaft passt", erklärt die Ideengeberin. Nach ihrer Vorstellung könnte eine "blaue Quatschbank" in jedem Stadtteil installiert werden, um den Bürgern zu zeigen: Wer hier Platz nimmt, möchte plaudern oder Gedanken austauschen: "Man braucht nicht zu fragen, sie Signalwirkung ist da", meint Britta Zohm und fügt hinzu: "Es ist ja kein Zwang. Wer nicht sprechen möchte, kann die Bank ja meiden". 

In vielen Alltagssituation Totenstille

"Das Thema der Kommunikation beschäftigt mich schon lange", berichtet Britta Zohm. Vor vielen Jahren hat sie in München die Erfahrung gemacht, dass in vielen Alltagssituation Totenstille herrscht, beispielsweise in einem Aufzug: "Es geht bis in den zwölften Stock hinauf, aber niemand spricht". In ihren Augen ist es sehr traurig, dass das zufällige Gespräch mehr und mehr an Bedeutung verliert.

Im Familien- und Bekanntenkreis hat Britta Zohm bereits von ihrer Idee erzählt und ist dabei durchweg auf Wohlwollen gestoßen: "Eine super Idee, lass dir das patentieren", ist nur eine von mehreren positiven Reaktionen gewesen.

Auch die Umsetzung ist denkbar einfach: So könnten zum Beispiel Schüler vorhandene Bänke blau streichen: "Sie würden mit den Bänken auch sicher achtsam umgehen und sie nicht zerstören, weil sie sich damit identifizieren", ist sich Britta Zohm sicher. Einzige Hürde: Die Besitzer, auf deren Grund die Bänke sehen, müssten sich mit der Umgestaltung einverstanden erklären.

Geschenk zur 850-Jahrfeier?

"Für Melle könnten die blauen Bänke ein schönes Geschenk zur 850-Jahrfeier sein", regt Britta Zohm an. Sie hat bereits einige Institutionen angeschrieben und um Unterstützung gebeten. Die Gruppe Semper Melle steht dem Vorschlag aufgeschlossen und positiv gegenüber, äußert sich deren Vorsitzende Ulrike Horstmann auf Nachfrage unserer Redaktion: "Eine super Idee, die sich gut umsetzen ließe", meint die Vorsitzende. Sie kündigt an, die Anregung in die Gruppe zu geben, um dort über die generelle Idee und deren Umsetzung zu diskutierten.

So müsse geklärt werden, auf welche Weise man auf die "blaue Bank" aufmerksam machen kann: "Es müsste ein Eycatcher werden, ähnlich wie die roten Fahrräder im Himmern", regt Ulrike Horstmann an. Zudem müsse das Projekt begleitet und kommuniziert werden, um bekannt zu werden. Prinzipiell sei die Idee "fabelhaft": "ich persönlich stehe voll dahinter und bin gerne bereit, sie zu unterstützen".

Fingerspitzengefühl ist gefragt

"Wir finden diese Idee interessant, denn kompetente Hilfen für einsame Menschen halten wir natürlich grundsätzlich für wichtig und gut", erklärt Stadtsprecher Jürgen Krämer auf Nachfrage. Gleichwohl vertrete die Stadt die Auffassung, dass ein solches Projekt einer fachkundigen Betreuung durch einen gemeinnützig agierenden Wohlfahrtsverband bedarf, insbesondere auch vor dem Hintergrund, den Sinn und den Zweck der Bänke in der Öffentlichkeit sensibel bekannt zu machen – aber auch um Missverständnisse zu vermeiden und die Anprangerung und Ausgrenzung gegenüber einsamen Menschen als Nutzer der Bänke zu verhindern: "Hier ist ein hohes Maß an Fingerspitzengefühl gefragt", unterstreicht Jürgen Krämer.


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