Mehr Insektenschutz, mehr Artenvielfalt Insektenschutzprojekte im Landkreis Osnabrück werden fortgesetzt

Besuch auf dem Gnadenhof Brödel mit Ziegenbock Emil: Gerda Hövel, Michael Lübbersmann, Simone Brockmann und Kai Behncke (von links) im Gespräch über das Insektenschutzprojekt "Blumiger Landkreis". Foto: Simone GraweBesuch auf dem Gnadenhof Brödel mit Ziegenbock Emil: Gerda Hövel, Michael Lübbersmann, Simone Brockmann und Kai Behncke (von links) im Gespräch über das Insektenschutzprojekt "Blumiger Landkreis". Foto: Simone Grawe

Melle. 100 Blühwiesen auf einer Gesamtfläche von etwa 200 000 qm sind schon angelegt, weitere sollen jetzt folgen: Der Startschuss für das großangelegte Projekt "Blumiger Landkreis Osnabrück plus" ist gefallen.

Es ist eine Aufgabe von hohem Aufwand, die sich die gUG "Umweltschutz und Lebenshilfe" unter der Federführung von Kai Behncke und Karsten Wachsmuth vor die Brust genommen hat. Ziel der Insektenschutzprojekte ist es, durch die gezielte Anlage von Blühwiesen eine höhere Artenvielfalt zu schaffen und damit ein Zeichen gegen das größte Artensterben seit 66 Millionen Jahren zu setzen. Über die Zielsetzung der Projekte informierten sich jetzt Landkreis Michael Lübbersmann, Ortsbürgermeisterin Gerda Hövel und das Gesmolder Ortsratsmitglied Niklas Schulke auf dem Gnadenhof Brödel von Kai Behncke in Westerhausen.

Zwischen Hagen und Melle soll durch die gezielte Anlage von Blühwiesen ein Blühwiesen-Flugkorridor enstehen. Grafik: gUG Umweltschutz und Lebenshilfe


Viele namhafte Unterstützer

 "Ich glaube, dass wir im Landkreis Großes schaffen können und sich die Region zum Zentrum des Insektenschutzes entwickeln kann", betonte Kai Behncke, nachdem das Projekt "Blumiger Landkreis Osnabrück plus" gestartet ist. Es wird von mehreren Stiftungen gefördert und stellt eine Erweiterung des seit April 2018 laufenden Projektes "Blumiger Landkreis Osnabrück" dar: "Ziel ist es, bis 2020 einen Blühwiesen-Korridor zu schaffen, der von Hagen bis Melle reicht", erläuterte Behncke. So werden gegenwärtig in verschiedenen Gemeinden des südlichen Landkreises und in der Stadt Osnabrück auf einer Gesamtfläche von rund 20 000 qm Fläche rund 15 weitere Blühareale angelegt mit dem Ziel, Lücken in der Blühwiesen-Biotopkarte zu schließen.

Musterbeispiel an Artenvielfalt und Insektenschutz: Kai Behncke verweist auf die Jahrhundertblühwiese am Ludwigssee. Foto: Simone Grawe


Dabei können die Initiatoren auf viele Unterstützer setzen: Neben namhaften Firmen aus der Region und Privatpersonen sind auch Schulklassen, Kirchengemeinden und Vereine sowie der BUND mit im Boot, um aus Verbundenheit mit dem Naturschutz oder im Rahmen der Umweltbildung das Projekt zu unterstützen: "Die Situation ist so dramatisch wie noch nie, vergleichbar mit dem Aussterben der Dinosaurier. Wie benötigen ganz dringend effektivere Schutzzonen und noch deutlich mehr Maßnahmen, um dem Artensterben Einhalt zu gebieten", verdeutlichte Behncke. Er und seine Mitstreiter fordern alle Gemeinden im Landkreis auf, sich an der Anlage von Blühwiesen zu beteiligen und gezielt eine räumliche Vernetzung dieser wichtigen Biotope umzusetzen.

Schonende Beweidung

Damit Blühwiesen nachhaltig erhalten bleiben, müssen sie regelmäßig gemäht und beweidet werden. Hier kommen die Tiere des Gnadenhofs Brödel ins Spiel: Die nahezu 60 Lebewesen, darunter vier Ponys, elf Ziegen und zwölf Schafe, sorgen für eine schonende Beweidung dafür, dass die Mahdverluste auf den Blühwiesen gering sind. Erst vor wenigen Tagen hat der Landkreis die Areale als "Gnadenhofffläche" legitimiert.

Naturschutz und Artenschutz: Das Thema gewinnt an Bedeutung: "Der Naturschutz wird ernst genommen wie selten zuvor", meint Kai Behncke. Als völlig abwegig bezeichnete er es in diesem Zusammenhang, innerhalb der Diskussion um das Artensterben einzelne Landwirte als Schuldige an den Pranger zu stellen. Viele Landwirte stünden aufgrund der Marktsituation unter einem immensen ökomonischen Druck. Von daher sei es wichtig, dass die Gesamtgesellschaft ein anderes Verhältnis zur Wertigkeit von Lebensmitteln entwickeln: Ökologisch produzierte Nahrungsmittel, die zudem die Artenvielfalt begünstigen, sind nicht für Cent-Beträge erhältlich", untermauerte Kai Behncke, der sich damit genau auf der Wellenlänge von Michael Lübbersmann, Gerda Hövel und Niklas Schulke befand. Die Landwirtschaft dürfe bei der Bewältigung der Aufgaben nicht alle gelassen werden, waren sich die Gesprächsteilnehmer einig.

Schon viel geschafft

Projektmiglied Simone Brockmann hob bei dieser Gelegenheit die Aktivitäten des Bienenbündnisses Osnabrück und der Kreisgruppe des BUND hervor. Es sei beeindruckend, was auf diesem Gebiet geschaffen wurde: "Dieses Jahr haben wir diverse Angebote bekommen, explizit Rasen- und Zierrasenflächen zu Wildblumenwiesen umzugestalten. Das freut uns sehr".

Als hochspannend, wirklich klasse und pragmatisch bewertete Michael Lübbersmann die bereits initiierten und neu entwickelten Projekte. Der Arbeit von Kai Behncke gebühre großer Respekt und Anerkennung, waren sich die Besucher auf dem Gnadenhof einig.


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